Historie
Die ehemaligen Vorsitzenden
Eine Übersicht über die
Nachrufe, Lebenserinnerungen oder Schilderungen des Lebenswerkes von Aachener Geschichtsforschern und – freunden finden Sie auf einer besonderen Seite zusammengestellt:
Die Vorsitzenden im einzelnen
Die Fotos gehören jeweils zum darüber befindlichen Text.]
1879 bis 1885: Dr. jur et phil.Alfred von Reumont
2008 jährt sich das Geburtsjahr von Alfred von Reumont, unserem ersten Vorsitzenden, zum 200. Male. Zur hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages errichtete die Stadt Aachen ihm als Ehrenbürger im Stadtgarten ein Denkmal.
Lexikoneintrag in der deutschen Wikipedia
Lexikoneintrag in Encyclopedia.org
Hugo LOERSCH, Zur Erinnerung an Alfred von Reumont [Nachruf], in: ZAGV 10, 1888, S. 1-21; Heinrich SAVELSBERG, 50 Jahre Aachener Geschichtsverein 1879-1929, in: ZAGV 50, 1928, S. (V-XLV); insb. S. XVII f.
1885 bis 1907:Prof. Dr. jur. Hugo Loersch
Martin SCHEINS, Hugo Loersch (Nachruf), in: ZAGV 29, 1907, S. 317-326; Heinrich SAVELSBERG, 50 Jahre Aachener Geschichtsverein 1879-1929, in: ZAGV 50, 1928, S. (V-XLV); insb. S. XVIII f.
1907 bis 1910 Präsident des Landgerichts Aachen Ludwig Schmitz
Heinrich SAVELSBERG, 50 Jahre Aachener Geschichtsverein 1879-1929, in: ZAGV 50, 1928, S. (V-XLV); insb. S. XIX f.
1910 bis 1918: Dr. Martin Scheins
Heinrich SAVELSBERG, Geheimer Studienrat Dr. Martin Scheins. Ein Lebensbild, in: ZAGV 41, 1919, S. 1-15; Heinrich SAVELSBERG, 50 Jahre Aachener Geschichtsverein 1879-1929, in: ZAGV 50, 1928, S. (V-XLV); insb. S. XIX f.
1918 bis 1934: Prof. Dr. Heinrich Savelsberg
Herbert LEPPER, Der Aachener Geschichtsverein 1929-1979, ZAGV 86/87, 1979/80, S. 1-115, insb. S. 2 ff.; Herbert LEPPER, Der “Aachener Geschichtsverein” 1933-1944, in: ZAGV 101, 1997/98, S. 267-302
1934 bis 1945, 1948 bis 1955: Prof. Dr. Albert Huyskens
Heinrich SAVELSBERG, Professor Dr. Albert Huyskens. Ein Lebensbild, in: ZAGV 57, 1936, S. 7-12; Herbert LEPPER, Der “Aachener Geschichtsverein” 1933-1944, in: ZAGV 101, 1997/98, S. 267-302
Tschacher/Krebs: “Sippenforschung und Rassepolitik” – Albert Huyskens und der Aachener Mythos vom katholischen Widerstand (pdf, 96 KB)
1945 bis 1948: Dr. Heinrich Schiffers (prov. Vorstand in der Nachkriegszeit)
Wilhelm MUMMENHOFF, Dr. Heinrich Schiffers (Nachruf), in: ZArGV 68, 1956, S. 476
1955 bis 1962: Dr. Felix Kuetgens
Felix Kuetgens (Nachruf), in: ZAGV 83, 1976, S. 251ff.
1962 bis 1972: Dr. Bernhard Poll
Herbert LEPPER, Archivdirektor Dr. phil. Bernhard Poll. Ein Lebensbild, in: ZAGV 84/85, 1977/78, S. 5-10
Bernhard Poll (Nachruf), in: ZAGV 88/89, 1981/82, S. 269-270
1972 bis 1984: Prof. Dr. ing. e.h. Erich Stephany
Lexikoneintrag bei BAUTZ
Erich Stephany (Nachruf), in: ZAGV 97, 1991, S. 407ff. (
1984 bis 1995: Dr. Herbert Lepper
Thomas R. KRAUS, Schriftenzeichnis Dr. Herbert Lepper, in: ZAGV 102, 1999/2000, S. 533-562
1995 bis 1996: Dr. Willy Frentz
Willy Frentz (Nachruf), in: ZAGV 100, 1995/96, S. 647ff.
seit 1996: Dr. Thomas R. Kraus
[Die Fotos gehören jeweils zum darüber befindlichen Text.]
Geschichte des Vereins
Der Geschichtsverein wurde 1879 von interessierten Aachener Bürgern im Bernarts-Lokal in der Adalbertstraße ins Leben gerufen, dort wo heute der „Kaufhof“ steht. Eine umfassende Geschichte des Vereins von den ersten Anfängen bis zum Jahre 1979 kann in der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins nachgelesen werden (s. ZAGV Bd. 50 und Bd. 86/87).
Das nördliche lRheinland hinkte bei den seit Anfang des 19. Jh. zunehmenden Bestrebungen zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte gegenüber anderen Regionen etwas nach. 1841 entstand in Bonn der „Verein von Altertumsfreunden im Rheinland“, dessen Zeitschrift „Die Bonner Jahrbücher“ noch heute erscheinen. 1844 folgte in Mainz der „Verein zur Erforschung der rheinischen Geschichte und Altertümer“ und 1851 der “Verein zur Erforschung der Geschichte Gelderns” und 1854 in Köln der „Historische Verein für den Niederrhein“. In Aachen wurde zwar bereits 1835 eine „Gesellschaft für nützliche Wissenschaften und Gewerbe“ gegründet. Sie bestand nur bis 1853 und war umfassend auf wissenschaftliche und gewerbliche Fragen hin orientiert. Erst in den 60er Jahren des 19. Jhs. entstand der „Archäologische Verein“, der sich mit der Erforschung und Erhaltung von Kunstdenkmälern befaßte, in dem aber auch andere lokalgeschichtliche Themen behandelt wurden. Ende der 70er Jahre des 19. Jhs. löste er sich wieder auf. Der 1847 ins Leben gerufene „Karlsverein“ zielte vor allem auf die Restaurierung des Aachener Münsters. Wie unbefriedigend der Mangel eines eigenen geschichtlichen Organs in Aachen war, zeigt sich vor allem daran, dass Forschungsergebnisse auf dem Gebiet der Aachener Geschichte nur in den „Annalen“ des Historischen Vereins für den Niederrhein oder in den Bonner Jahrbüchern veröffentlicht werden konnten.
Erst gegen Ende der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts sollte sich diese Situation ändern. Mit Unterstützung des Aachener Regierungspräsidenten Otto Franz Theodor Hoffmann und des Aachener Oberbürgermeisters Ludwig v. Weise fanden sich zweiundzwanzig Interessierte unter Führung von Prof. Dr. Martin Joseph Savelsberg zusammen, die am 20. März 1879 einen Aufruf an die Aachener Bürgerschaft zur Gründung des Aachener Geschichtsvereins richteten. Am 27. Mai 1879 fand schließlich die konstituierende Sitzung statt. Die Reaktion der Aachener Bevölkerung auf den Aufruf war überaus erfreulich: Noch im selben Jahr 1879 zählte der Verein 764 Mitglieder.
Zum ersten Vereinspräsidenten wurde kein geringerer als Alfred v. Reumont gewählt. Er war Dr. jur. und Dr. phil., preußischer Legationsrat, Wirklicher Geheimer Rat, Ehrenbürger der Stadt Florenz und seit 1883 auch Ehrenbürger seiner Heimatstadt Aachen. Herausragend ist seine 1866/ 67 erschienene vierbändige „Geschichte der Stadt Rom“.
Erster Nachfolger in den Jahren 1885 – 1907 wurde der Geheime Justizrat Dr. Hugo Loersch, ordentlicher Professor der Rechte an der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität zu Bonn, Syndikus der Krone Preußen und ab 1891 auch Geheimer Justizrat und Mitglied des preußischen Herrenhauses.
Dritter Vorsitzender (1907 – 1910) war der Geheime Oberjustizrat Ludwig Schmitz, Präsident des Landgerichts Aachen, früheres Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses.
1907 gelang es, die Mitgliederzahl über die 1000er Marke anzuheben. Der „Verein für Kunde der Aachener Vorzeit“, der sich 1885 wegen Differenzen über die Linie der Zeitschrift des Geschichtsvereins und der wissenschaftlichen Vorträge neben dem Geschichtsverein gebildet hatte, schloß sich mit diesem unter dem alten Namen „Aachener Geschichtsverein“ wieder zusammen. Bis zu diesem Zusammenschluß waren neben der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins 20 Bände der Zeitschrift “Aus Aachens Vorzeit” erschienen.
Vierter Vorsitzender war der Studienrat Dr. Martin Scheins, Direktor des Kaiser-Karls-Gymnasiums (1910 – 1918). Er setzte sich für mehr Bürgernähe ein. Fünfter Vorsitzender wurde Prof. Dr. Heinrich Savelsberg, Studienrat am selben Gymnasium (1918 – 1934).
Die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 stellte natürlich auch den Aachener Geschichtsverein vor ernste Herausforderungen. Mit der Einführung des vorgegebenen Führerprinzips über den Gesamtverein der Deutschen Geschichtsvereine unter Prof. Hoppe wurde der Vorsitzende Prof. Savelsberg nunmehr “Vereinsführer“. Eine Reihe von Mitgliedern des Vorstandes, die sich mit den „Neuerungen“ nicht anfreunden konnten, traten zurück. Vorstandsmitglied Prof. Dr. Albert Huyskens, Direktor des Aachener Stadtarchivs, definierte in einem programmatischen Vortrag auf der ersten Mitgliederversammlung nach der Machtergreifung die neuen „Aufgaben des Geschichtsvereins auf der Grundlage der Geschichtsauffassung des Nationalsozialismus“. Mit etlichen Zitaten bezog er sich ausdrücklich auf Hitlers „Mein Kampf“. Die Geschichtsvereine müßten sich der geschichtlichen Breitenarbeit im Volke stellen und diesem dabei die politische Bedeutung der deutschen Geschichte vermitteln. Bei seiner wissenschaftlichen Grundlagenarbeit dürfe der Verein aber nicht den bewährten Weg nüchterner, quellenkritischer Forschung verlassen. Bereits 1934 wurde Huyskens zum “Vereinsführer” berufen. Die Zeitschrift des Geschichtsvereins hielt jedoch ungeachtet der völkisch-ideologischen Erwartungen des Kampfbundes für Deutsche Kultur am wissenschaftlichen Charakter und den klassischen Themen der Zeitschrift fest. Man nahm dabei nicht immer Rücksicht auf politische Opportunität. Dies zeigt z. B. die Tatsache, dass der Geschichtsverein noch 1935 und 1936 die Dissertation von Philomene Beckers veröffentlichte, die Vierteljüdin war. Ihre Arbeit über „Parteien und Parteienkampf in der Reichsstadt Aachen im letzten Jahrhundert ihres Bestehens“ erschien wegen des Umfanges über zwei Jahresbände der ZAGV verteilt. Andere Beiträge widmeten sich der den Nationalsozialisten nicht genehmen Kirchengeschichte (z.B. Käthe Neuefeind, Die Neugründung klösterlicher Erziehungsanstalten in Aachen im Zeitalter der Gegenreformation, in: ZAGV 56, 1935, S. 61-104 und 58, 1937, S. 57-103 und Albert Lennarz, Das Diensthandbuch des Dürener Jesuitenrektors von 1768, in: ZAGV 57, 1936, S. 63-69).
Das Verhältnis des AGV zu den örtlichen Machthabern der Partei erkaltete. Man ignorierte ihn und überging seine Arbeit. Das örtliche Parteiorgan, der „Westdeutsche Beobachter“, berichtete in seiner Lokalausgabe nur selten über die Aktivitäten des Vereins. Zum 60jährigen Bestehen des Vereins im Jahre 1939 erschienen trotz Einladung und erteilter Zusage weder der Oberbürgermeister Quirin Jansen noch die Spitzen der Partei. Die Aachener Presse hatte die Weisung erhalten, ihre Haltung durch betontes Schweigen zu dokumentieren.
Die letzte öffentliche Veranstaltung des Vereins vor dem Ende des Krieges fand im Oktober 1943 statt. Nach Kriegsende nahm Dr. Heinrich Schiffers bis 1948 provisorisch das Amt des Vorsitzenden wahr. Albert Huyskens war nach dem Kriegsende zunächst suspendiert. In der unter seiner maßgeblichen Mitwirkung gleichgeschalteten Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde hatte er sich maßgeblich in der sog. Rasseforschung engagiert. Er erreichte jedoch vor der Spruchkammer seine Entlastung und wurde 1948 erneut zum Vorsitzenden gewählt. Schwerpunkte der Arbeit des Geschichtsvereins waren – im Anblick der Zerstörung – die Archäologie und mehr als früher die neuere und neueste Geschichte.
Sechster Vorsitzender wurde Dr. Felix Kuetgens, Direktor des Suermondt-Ludwig-Museums (1955 – 1962). Ihm folgten:
1962 – 1972Stadtarchivdirektor Dr. Bernhard Poll
1972 – 1984Domkapitular Msgr. Prof. Dr. Ing. e.h. Erich Stephany
1984 – 1995Archivdirektor Dr. Herbert Lepper
1995 – 1996Oberstudiendirektor Dr. Willy Frentz vom Gymnasium St. Leonhard
seit 1997Archivdirektor Dr. Thomas R. Kraus.
Der Vereinszweck des Aachener Geschichtsvereins wurde 1979 in der Satzung wie folgt festgelegt: „die Erforschung der Aachener Stadtgeschichte, ihrer Einbettung in die Territorialgeschichte und in die allgemeine Geschichte sowie die Pflege des Geschichtsbewußtseins“.
Von Beginn an veranstaltet der Geschichtsverein in den Sommerhalbjahren (April – September) allmonatlich eine Exkursion in die nähere oder weitere Umgebung auch jenseits der Landesgrenzen, wobei natürlich die gegenüber der Gründungszeit sich ständig verbessernden Verkehrsmöglichkeiten genutzt werden. Im Winterhalbjahr (Oktober – März) findet allmonatlich ein Vortrag zur Orts-, Stadt- oder Landesgeschichte oder zur allgemeinen Geschichte statt. Traditionell bleibt der Januarvortrag Karl dem Großen oder einem Thema aus der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation vorbehalten.
In der Regel gibt es alljährlich eine Jahresgabe, zumeist einen Band der „Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins“, gelegentlich auch ein „Beiheft“ oder einen Band aus seiner Reihe der „Aachener Beiträge zur Baugeschichte und Heimatkunst“. Die Zeitschrift wird heute mit etwa 140 auswärtigen Vereinen und Institutionen im In- und Ausland, ja sogar in Übersee, getauscht. Die Tauschexemplare kommen sowohl der Handbibliothek des Stadtarchivs wie auch der Öffentlichen Bibliothek der Stadt Aachen und somit in jedem Falle einem interessierten, breiten Publikum zugute.
Die Inhaltsverzeichnisse der Zeitschriftenbände von 1879 bis heute sowie der anderen Publikationen werden an anderer Stelle dieser Homepage gezeigt. Sie können sich dort überzeugen, daß der Geschichtsverein mit seinen Publikationen einen wesentlichen und vor allem bleibenden Beitrag zur Stadtgeschichte Aachens und zur Bildung eines intakten Stadtbewußtseins erbracht hat und weiterhin erbringt. Will man allein die Quantität ins Auge fassen, findet man fast 35.000 Seiten mit etlichen, wertvollen, bildlichen und textlichen Quellen zur Stadtgeschichte und zur Geschichte der Aachener Region vor.
Der Aachener Geschichtsverein bleibt bestrebt, diese Arbeit möglichst allein gestützt auf seine Ehrenamtler fortzuführen und dadurch den Mitgliedsbeitrag gering zu halten. Etwa 750 Vereinsmitglieder gibt es derzeit. Es wäre wünschenswert, wenn sich diese Zahl wieder nach oben bewegen ließe – vielleicht nicht zuletzt auf Grund dieser Homepage.
