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Aachener Geschichtsverein
 
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Vortrag: Wie wichtig waren Karl dem Großen das Servatiusgrab und seine Abtei zu Maastricht?

08. Dezember 2006
Dr. Titus PANHUYSEN (Universität Amsterdam), Wie wichtig waren Karl dem Großen das Servatiusgrab und seine Abtei zu Maastricht?

Zwei Orte im Kernland der Karolinger, Lüttich (Herstal) und Aachen, können ihre historische Verbundenheit mit Karl dem Grossen auf vielfältige Quellen stützen. Der Referent, beruflich seit Jahrzehnten mit der Geschichte Maastrichts befaßt und zugleich Vorsitzender des regionalgeschichtlichen Vereins für Limburg (LGOG), stellte sich die Frage:
Wie sah es aber mit Maastricht aus?
In Maastricht gibt es seit dem hohen Mittelalter aufgrund einer mehr legendenhaften als geschichtlichen Überlieferung die Überzeugung, daß Karl der Große selbst der bedeutenden, dem Heilige Servatius geweihten Reichsabtei besonders zugetan war. Ja man schrieb ihm sogar eine Erneuerung der Basilika zu. Den Grund für diese Bevorzugung sah man darin, daß der Heilige Servatius als Ortsheiliger bei den Karolingern in ihrem Kernland besondere Verehrung genoß. Rom, in dem Karl zum Kaiser gekrönt wurde, hatte das Grab Petri. Aachen, das „altera Roma“ entbehrte einer solchen Attraktion. Die Funktion der Grablege eines bedeutenden Heiligen im Bereich der Königspfalz Aachen erfüllte die Basilika St. Servatius in Maastricht. Aber im Itinerar Karls des Grossen fehlt das nahe Maastricht. Auch sonst gibt es keine direkten Belege für seine Anwesenheit an diesem Ort. Wohl ergibt sich aus der Lage Maastrichts und seiner Ausstattung seit der Antike eine hohe Wahrscheinlichkeit, daß Karl auch diesen Ort besucht und vielleicht sogar dort verweilt hat. Seinen bevorzugten Paladinen Alkuin und Einhard überließ er diese Reichsabtei, was daraus zu schließen ist, daß beide Laienäbte der St. Servatius-Abtei waren.
In der Nachkriegszeit haben haben allein in und um St. Servatius und um den Vrijthof herum acht Ausgrabungskampagnen stattgefunden. Mehrere archäologische Ausgrabungen standen unter der Leitung des Referenten während seiner Zeit als Stadtarchäologe von Maastricht. Besonderes Aufsehen erregte die Grabung 1981 im nördlichen Querschiff, weil Mauerzüge darauf hindeuteten, daß es in Maastricht einen mit der Pfalzkapelle von Aachen vergleichbaren karolingischen Zentralbau gegeben habe. Die Grabung im südlichen Querschiff knapp zehn Jahre später, ergaben dann aber eine südliche Entsprechung, die sich nunmehr als polygonale Abschlüsse des Querhauses einer großen vorromanischen Basilka darstellten. Einen Neubau zur Zeit Karls des Großen gab es nicht. Wohl war die Kirche zu dieser Zeit schon mehrfach umgebaut und erweitert worden, war also einer bedeutenden Reichsabtei würdig. Die zentrale Grablege, nach der Überlieferung die Grablege des Heiligen Servatius, läßt sich zwar archäologisch keinem bestimmten Heiligen zuordnen. Unter den ältesten Teilen der Grablege fanden sich jedoch spätantike Münzen. Alle Umbauten der Kirche behielten die Orientierung auf diese Grablege, die auch von ihrer Ausstattung her in Maastricht einzigartig war, bei. Daher spricht viel für die Richtigkeit der örtlichen Überlieferung, daß der Ortsheilige Servatius an dieser Stelle begraben liegt. Denkbar ist auch, daß man eine hier vorgefundene Grablege erst im Frühmittelalter im Zuge einer intensiveren Christianisierung des Maas-Rheinlandes als Grablege des Heiligen zu erkennen glaubte und die Heiligenverehrung des Servatius an dieser Stelle begründet hat.
Die historischen und die archäologischen Quellen weisen Maastricht in der vor- und nachkarolingischen Zeit als bedeutenden Ort aus, von dem aus sich über Alkuin und Einhard Bezüge zu Karl dem Großen herstellen lassen. Auch wenn diese nicht unmittelbar nachweisbar sind, besteht kein Anlaß, die Maastrichter Überlieferung völlig zu verwerfen.
Dr. Titus Panhuysen, der in den Jahren 1979-2004 als Stadtarchäologe von Maastricht tätig war, ist jetzt als Lehrbeauftragter der Universität Amsterdam mit der Publikation seiner Ausgrabungen in der St. Servatiuskirche (1981-1989) befaßt. Die Uni Amsterdam (Professor Dr. Frans Theuws) strebt eine intensivere grenzüberschreitende Zusammenarbeit der Archäologie und der Erforschung u.a. der Karolingerzeit an.