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Aachener Geschichtsverein
 
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Wiederaufbau verlorenen Erbgutes

Zwei ältere Projekte wählten neue Standorte, um möglichst historisch getreu eine mittelalterliche Burg (Chateau Guédelon) oder ein Kloster nach dem Musterplan von St. Gallen (Meßkirch) erstehen zu lassen.

zur Seite des Rekonstruktionsprojektes

Ein großes Segelschiff der Ostindien – Schifffahrtsgesellschaft wurde bei Lelystad rekonstruiert und auf den Kiel gesetzt. In kleinerem Maßstab findet im Rahmen der experimentellen Archäologie die Rekonstruktion von römischen Bauten, Flußschiffen, Wurfgeschützen, Bögen, Steinzeitbeilen usw. statt.

Seite des Rijksdienst voor Cultureel Erfgoed

In fast jedem Falle gewinnt die Wissenschaft aus einer Rekonstruktion mit den technischen Geräten und Materialien der Entstehungszeit zusätzliche Erkenntnisse zur Deutung archäologische Befunde und Funde bzw. von historischen Ruinen und Realien.

Die Großprojekte nutzen die oft jahrelange Dauer der Rekonstruktion zur Beschäftigung arbeitsloser Jugendlicher oder – wichtiger noch – zur Schulung in handwerklichen Techniken. Sie können sowohl auf Berufe vorbereiten, wie zur Ausbildung von Spezialisten für die Pflege und Unterhaltung von Denkmälern genutzt werden.

Seit ein paar Jahren gibt es ein derartiges Projekt nördlich von Aachen jenseits der deutsch-niederländischen Grenze:

Der Wiederaufbau des Schlosses Schaesberg

Die Lage des Schlosses ist in der Karte mit rotem Pfeil markiert.

Projekt Wiederaufbau Schloß Schaesberg

Das Schloß war eines der bedeutendsten Beispiele der maasländischen Renaissance. Die Herren und späteren Reichsgrafen von Schaesberg waren ursprünglich Vasallen der Grafen von Valkenburg. Das Geschlecht starb in dem auf dem Stammschloß sitzenden Zeig im 18. Jh. aus. Graf Sigismund von Schaesberg starb 1733 kinderlos.

Die Gebäude standen im 19. Jh. leer und verfielen zusehends.

Da die Mitglieder der erbberechtigte Familie von Schaesberg deutsche Staatsangehörige waren, wurde das Schloß nach dem II. Weltkrieg vom niederländischen Staat als Feindvermögen beschlagnahmt und eingezogen. Leerstand und evtl. auch Bergschäden setzten dem Schloßbau weiterhin zu, bis 1968 ein Großbrand zur völligen Zerstörung des Denkmals führte. Der nicht mehr standsichere Turm der Hauptburg stürzte 1974 ein. Seit dem 2008 geht es wieder im wahrsten Sinne aufwärts. Die Gemeinde Landgraaf erwarb das Grundstück. Es wurde eine gemeinnützige Stiftung errichtet. Mit Freiwilligen und Berufspraktikanten wurde das Grundstück von Schutt und Wildwuchs befreit. Die Reste des Turmes wurden mit einer Hilfskonstruktion, die auch als Aussichtsturm fungiert, gesichert. Ein Besucherzentrum entstand. Für die verschiedenen Gewerke der Bauhandwerker wurden Flächen und Werkstätten eingerichtet.

Begleitet wird die Maßnahme von Historikern und Bauhistorikern sowie vom Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed (Staatliche Denkmalpflege). Eine Bauaufnahme der TU Delft von 1987 ging zwar bei einem Brand an der Uni verloren.

Erhalten ist aber eine sorgfältige Dokumentation des Architekten Adolph Mulders von 1881, die sich nicht nur auf Grundrisse und Ansichten beschränkte, sondern auch im Geiste Violett Leducs Details von Baubeschlägen usw. umfaßte. Sogar Fotos entstanden im Zuge dieser Bauaufnahme. Ein Artikel von Aryan Klein über das Projekt „Op z`n 17 eeuws“ ist im Heft 1/2016 des Rijksdienst voor het Cultureel Erfgoed abgedruckt und auch über die Seite des Rijksdienstes einsehbar.

Die Baustelle kann besichtigt werden.