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Was war das Sensationelle am Fund der Beneficiariersteine

Die Medien feierten den Fund von den teilweise fast vollständig erhaltenen Beneficiarierweihesteinen im letzten Jahr (2016) als „archäologische Rarität“.

Dabei war es nicht der erste derartige Fund, wie schon vor einigen Generationen Paul Pick in den Aachener Tageszeitungen berichtete.

Der beneficiarius gehörten neben folgenden Funktionsträgern zu den Unteroffizieren (principlaes) der römischen Legionen

aquilifer: Feldzeichenträger der Legion

cornicularius: Leiter der Schreibdienste der Legion

signifer: Feldzeichenträger einer Centurie

optio: Stellvertreter des Centurio und Träger anderer Funktionen

tesserarius: eine Art Spieß oder Leiter der Wachstube.

Der beneficiarius diente als persönlicher Sekretär oder Beauftragter eines Legaten oder Tribunen (hohe Offiziere der Legion) oder hatte Sonderfunktionen außerhalb des Standortes der Legion. Häufig waren sie für eine halbes Jahr abgeordnet, um an einer Straßenstation Polizei-, Aufsichts- oder Zollfunktionen wahr zu nehmen. Die Zahl der principales je Legion wird mit 400 bis 500 angenommen. Bei mehreren Jahrhunderten und 30 Legionen des komplett ausgebauten Militärs mag es im Verlaufe der Zeit im ganzen IMPERIUM eine hohe drei- oder gar eine vierstellige Zahl an Beneficiariern gegeben haben. Viele von ihnen werden als Dank für ihre Beförderung, für eine glückliche Heilung oder andere Gründen Weihesteine gestiftet haben. Das dürfte auch für eine kleinere römische Ansiedlung wie Aachen noch nichts Außergewöhnliches sein.

Das Besondere an den Aachener Funden ist, dass einige der Steine in ursprünglicher Lage wieder gefunden worden sind, wie der Stadtarchäologe Andreas Schaub minutiös in seinem archäologischen Bericht vor unserem Verein darlegte. So ist das römische Aachen nach Obernburg a/M und Osterburken die dritte römische Siedlung im heutigen Deutschland, in der der Beneficiarierweihebezirk genau lokalisiert werden kann. Außerhalb des heutigen Deutschland gibt es das sonst nur noch in Sirmium (Serbien). Zwei der Steine belegen mit einer frühen (142-150 n.Chr) bzw. späten (Mitte 3. Jh.) Datierung, dass der Weihebezirk jedenfalls über mehrere Generationen hinweg bestanden hat.

Der schönste Stein wird seit Beginn diesen Monats (Feb. 2017) bis zum 19. März im Landesmuseum Bonn ausgestellt.

Das Foto und die Auflösung der Inschrift verdanken wir der Stadtarchäologie Aachen.