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Videantur acta! oder 100 Jahre Denkmal "Wehrhafter Schmied"

So wichtig die Legende von der Gründung der Stadt durch Karl den Großen persönlich und die Legende von der Rettung von Dom und Stadt vor dem Teufel durch ein „lueses“ (schlaues) Marktweib für das Bewußtsein der Oecher über ihre Ursprünge sind, so wichtig ist die Sage vom „Wehrhaften Schmied“ für ihren städtischen Stolz, ihre Eigenständigkeit und ihr Selbstbewußtsein. Prof. Karl Burger schuf ein Denkmal, das an die Sage erinnert und das 1909, also vor 100 Jahren, zu Ehren des städtischen Volkshelden aufgestellt wurde.

zur Sage

An besagter Stelle stand allerdings jahrhundertelang ein ganz anderes Denkmal:

>>30.1.1766:Zu ehren des 1277 zu Aachen erschlagenen Wilhelm den 7. Grafen von Jülich ist an dem Ort, wo derselbe erschlagen worden, in S. Jakobstrasse nemlich uber den sog. Paufluss grad über dem Kloster deren weissen Frauen zu Aachen (heutigen Tages deren Coelestinerinnen) ein monumentum von Stein aufgerichtet worden; solches hatt in 4 steinernen Pilaren bestanden(NB ! Solches war von groben und schlechten Sandsteinen erbauet und keine Versen seind auf solchen ausgehauen gewesen) welche überwöbet gewesen und mitten auf dem Gewölb war ein grosses Kreuz von Eisen, sodann an deren 4 Ecken 4 kleine Kreuze gesetzet. Inwendig in dem gebau ist die statua eines manns gestanden, der ein Schwerd in der Hand gehalten und vor demselben eine große Latern oder Lamp gehangen, andere sagen, es sei ein grosser stein gewesen, in dessen mitte ein eiserner Ring gewesen, in welchen man eine Kerz habe aufsetzen können. 1666 ist das Gewölb eingefallen und anno 1705 sind 2 Pilaren eingestürzet. Heutigen tags seind nur noch die rudera von diesem munumento übrig und dessen Herstellung ist daher vernachlässiget worden, weilen nicht hat ausgefundig werden können, dass Magistratus zum Unterhalt erwenten Munumentii verbunden seie.Videantur acta! <<
(nach: Brosius, Annales Iuliae, T. I; P. 42, mit dem lateinischen Ausruf am Schluß des Zitats ist wohl gemeint: „die sollten einmal richtig in die Akten schauen!“)

Dieses Denkmal erinnert daran, daß die Stadt Aachen wegen der Erschlagung des Jülicher Grafen, seiner Söhne und etlicher Ritter aufgrund des Sühnevertrages von 1280 zu einer hohen Entschädigung an die Gräfin und zur Errichtung von vier Altären verpflichtet wurde – darunter einer im Weißfrauenkloster an der Jakobstraße.

Jüngere Forschungen von Dr. Thomas Kraus (Aachen und das Reich, Studien zur Entstehung der Landesherrschaft der Grafen von Jülich, 1987, S. 137 ff.) haben ergeben, daß der Kampf sich in Wirklichkeit nicht bei einem mißglückten nächtlichen Überfall, sondern beim Versuch des Jülicher Grafen, in Aachen Reichssteuern für den Krieg König Rudolfs von Habsburg gegen Ottokar von Böhmen einzutreiben, ausgebrochen war.

So verlegt eine im 14. Jh. unter Verwertung älterer Aufzeichnungen gefertigte Kölner Chronik das Geschehen keineswegs in die Nacht:

„in den jaren uns heren 1277 do wart der greve van Guylghe erslagen van den vleyschmetzeren zo Aiche in der stat up sent herbrichts dach in dem halven mertze.“
[zitiert nach Ennen, AnnHistVNRh Bd 23 (1871), S. 48; der Jahreswechsel fand nach dem damaligen Stil der Zeitrechnung an Ostern statt. St. Heribert wurde in Köln am 16. März gefeiert und lag also noch vor Ostern und damit nach unserer Zeitrechnung im Jahre 1278; nach der Aachener Überlieferung soll der Vorfall in der Gertrudennacht stattgefunden haben, die nach damaliger Zeitrechnung mit dem dem 17. März vorhergehenden Sonnenuntergang begann.]

Die versammelten Bürgermeister, Ratsherren und Bürger dürften empört auf das Privileg König Richards von 1257 verwiesen haben, wonach sie zum Ausgleich für Bau, Unterhaltung und Verteidigung der Befestigung der königlichen Stadt Aachen auf ihre eigenen Kosten von derartigen Steuern und von der Teilnahme an Kriegen des Reiches befreit wurden, es sei denn, die Kämpfe spielten sich innerhalb der direkten Nähe Aachens ab, was bei Böhmen eindeutig nicht der Fall war.

Ein Wort mag das andere gegeben haben, bis man zu den Waffen griff. Auf dem Fischmarkt, wo sich damals noch Rathaus (später umgenutzt zu Gefängnis, Kornhaus und Stadtarchiv) und Markt befanden, und auf den engen Straßen konnten die gepanzerten Ritter ihre Überlegenheit in offenen Feldschlachten nicht ausspielen, zumal die Aachener mit quer über die Straßen gespannten Ketten verhindern konnten, daß die Ritter auf ihren Pferden in Galopp kamen, um die ihnen entgegen stehenden Bürger einfach nieder zu reiten. (Anm.: Darauf ging das Traditionslokal „Goldene Kette“ zurück.) Der bedrängte Graf konnte sich mit seinen Rittern wohl nur noch bis zum Weißfrauenkloster an der Ecke Klappergasse/Jakobstraße den Weg frei hauen. Dort wird ihm eine Kette den Weg versperrt haben. Die Bürger konnten ihn und seinen Mannen nun einfach vom Pferd herunter ziehen und erschlagen. Der Zwischenfall mag sich damals aus Sicht des Reiches als ungerechtfertigter Übergriff auf einen Reichsfürsten dargestellt haben. Er hat aber zur Wahrung der Selbständigkeit der ehemaligen Reichsstadt nicht unerheblich beitragen.

Zur Veranschaulichung des Kriegsgeschehens können Sie sich nachfolgend einen Übersichtsplan der Altstadt innerhalb der Barbarossamauer herunterladen. (Der zweite Befestigungsring wurde erst ein bis zwei Generationen später aufgrund der inzwischen stark gewachsenen Bevölkerung notwendig. Der im 18. Jh. gezeichnete Plan gibt natürlich die örtlichen Verhältnisse zu jener Zeit wieder.)
zum Plan