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Sys willekomen heire kerst

Das älteste Weihnachtslied in deutscher Sprache soll „Gelobet seist Du, Jesu Christ!“ sein, dessen Entstehung um 1380 datiert wird. Wir haben Grund zur Annahme, daß ein Aachener Weihnachtslied älter ist.

„Sys willekomen heire kerst“ ist der Titel im sog. Incipit-Register
Register der Lieder nach ihren Anfängen

Heinrich Capellmann geht davon aus, daß „unser“ Weihnachtslied um 1450 eine überlieferte Melodie und folgenden Wortlaut hatte:

„Nun siet uns willekomen, hero kerst,
Die ihr uns aller hero siet.
Nun siet uns willekomen lieber hero.
Die ihr in den Kirchen schöne siet.
Kyrie-Eleison!

Nun ist Gott geboren unser aller trost,
Der die höllschen pforten mit seinem Kreuz anstoßt.
Die Mutter hat geheißen Maria.
Wie in allen kerstenbüchern geschrieben steht.
Kyrie-Eleison!“

In dieser ursprünglichen musikalischen Fassung sei das Lied in der Christmette nicht von der Gemeinde, sondern nur von den Chorherren gesungen worden. Die Gemeinde antwortete dann nach jeder Strophe mit „Kyrie-Eleison!“.
download:Heinrich Capellmann, Geschichte der Weihnachtslieder

W. Rein gibt den Text in einer moderneren Sprache wieder:

“|:Nun sei uns willkommen
Herre Christ,
Der du unser aller
Heiland bist
Willkommen auf Erden! :|“

Melodie

Andere wiederum halten die Melodie für flämisch/niederländisch und datieren das Aachener Weihnachtslied in das 12. bis 13. Jh..

Nach Lutz Felbick findet sich das Aachener Weihnachtslied „Syt willekomen heirre Krist“ zwar nicht so früh, aber immerhin bereits 1394 in einer Erfurter Handschrift. Für 1339 – 1351 ist nach seinen Forschungen belegt, daß das Lied in der Aachener Liturgie verwendet wurde.
Zu den Daten der Aachener Musikgeschichte von Lutz Felbick

Nörremberg gibt den Text des Liedes in seiner Abhandlung über Aachener Dichter des 14. Jh. (ZAGV Bd. 11, S. 59) wie folgt wieder:

„sijs willekomen heirre kerst,
want du unser alre heirre bis,
sijs willekomen, lieue heirren,
her in ertriche also schone.
kirieleis“

Die historischen Notationen gibt Böckeler im gleichen Band (S. 176 ff.) wieder. Von den verschiedenen, historischen Aachener Handschriften der textlichen Überlieferung des Weihnachtsliedes ist die älteste eine liturgische Aufzeichnung in einer „ordinatio chori“, die aus den Jahren 1339 – 1351 stammt. In der besonders feierlichen Christmesse in der Münsterkirche wurde nach der Lesung aus dem „Liber Generationis“, also der Weihnachtsgeschichte aus dem Neuen Tesament, das Weihnachtslied angestimmt. Nach einigen Überlieferungen oblag das dem anwesenden ältesten Schöffen, daher auch „Schöffenlied“.

Das Lied ist (natürlich) auch im „Gotteslob“ für das Bistum Aachen, Mönchengladbach 1975 als „Aachener Schöffenlied“ aus dem 11./12. Jh. enthalten (Nr. 842)- eine Datierung, die Janota (s.u.) für nicht beweisbar hält:

„Nun sei uns willkommen, Herre Christ,
der Du unser aller Herre bist!
Willkommen uns auf Erden, Du lieber Heiland!
Zieh ein in unsre Herzen in alle Land!
Ehre sei Gott!

Nun ist uns geboren unser Trost,
der mit seinem Kreuz die Höll einstoßt.
Willkommen uns auf Erden, Du lieber Heiland!
Zieh ein in unsre Herzen in alle Land!
Ehre sei Gott!“

In den niederländischen Gesangbüchern findet man folgenden Text:

„Nu zijt wellekome Jesu, lieve Heer,
Gij komt van alzo hoge, van alzo veer.
Nu zijt wellekome van de hoge hemel neer.
Hier al in dit aardrijk zijt Gij gezien nooit meer.
Kyrieleis.

Christe Kyrieleison, laat ons zingen blij,
Daarmeed‘ ook onze leisen beginnen vrij.
Jezus is geboren op de heilige kerstnacht,
Van een Maged reine, die hoog moet zijn geacht.
Kyrieleis.

D’herders op den velde hoorden een nieuw lied,
dat Jezus was geboren, zij wisten ‚t niet.
„Gaat aan geender straten en gij zult Hem vinden klaar;
Bethl’em is de stede, waar ‚t is geschied voorwaar.“
Kyrieleis.

D’heilige drie Koon’gen uit zo verre land,
zij zochten onze Here met offerhand.
Z’offerden ootmoedelijk myr‘, wierook ende goud
t’ere van den Kinde, dat alle ding behoudt.
Kyrieleis.“

Die Zusammenfassung des Forschungsstandes durch Johannes Janota

oder im Internet

Inzwischen haben uns Leser darauf hingewiesen, dass es neben den beiden bereits oben angesprochenen Arbeiten noch 2 größere Beiträge in unserer Zeitschrift gibt:

C. NÖRRENBERG, Ein Aachener Dichter des 14. Jahrhunderts, in: ZAGV 11, 1889, S. 50-66
H. Böckeler, Die Melodie des Aachener Weihnachtsliedes, in: ZAGV 11, 1889, S. 176-184
Odilo GATZWEILER, Die liturgischen Handschriften des Aachener Münsterstiftes, in: ZAGV 46, 1924, S. 1-222
Erich STEPHANY, Der Aachener Dom. Liturgie und Kirchenraum. Eine Studie, in: ZAGV 84/85, 1977/78, S. 825-852

Zumindest den Band 11 können Sie im Internet einsehen:
hier weiter

Nach der Lektüre von Gatzweiler bin ich mir sicher, dass die älteste Handschrift, die sog. Ordinatio Chori Nr. 1 zwischen 1330 und spätestens 1358 zu datieren ist. Die überlieferte Notation ist jünger. Da die fraglichen Handschriften zum Bestand der liturgischen Handschriften des Domkapitels gehören, könnte ich mir Vorstellen, dass Ihnen das Domkapitel einen Einblick und vielleicht auch ein Foto ermöglicht.

Uns würde interessieren, ob unseren Lesern mehr darüber bekannt ist.