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Seffent - einer der kleinsten Orsteile Aachens mit großer Geschichte

Der karolingische Herrenhof Seffent (curtis indominicatus VII. fontes), auf den dieser Ortsteil zurück geht, wurde am 30. Juli 896 von König Zwentibold an seine Tante Gisela (“dilecta propinqua nostra kisla”, der Äbtissin von Nivelles, verschenkt (Lacomblet Bd. I Urk. Nr. 78).

Text und Übersetzung der Urkunde

Diese Aufnahme aus den frühen 60er Jahren zeigt die malerische Lage des Weilers im Tal von Dor- und Wildbach.

Die damals noch südlich der Burg stehende die Schmiede und das Backhaus sind auf der älteren Schwarzweiß-Aufnahme deutlicher zu erkennen. [Die Durchfahrt im Turmgebäude war damals vermauert.]

Die Abtei Nivelles (ndl. Nijvel) wurde von niemand geringerem als von Pippin dem Älteren und seiner Frau Ita gegründet. Auf sie wird das karolingische Geschlecht zurück geführt. Ihre Tochter, die Hl. Gertrud, war erste Äbtissin des Klosters. Die beschenkte Äbtissin Gisela war Tochter König Lothar II. In ottonischer Zeit behielt das Kloster seine Königsnähe. So stand Mathilde, die Gemahlin Otto I., dem Kloster – wie übrigens auch dem Kloster Fosse – als Laienäbtissin vor.

Die Gründungskirche, auch Grablege vieler Karolinger, wurde in ottonischer Zeit durch einen riesigen, noch erhaltenen und nach schweren Beschädigungen im Jahre 1940 wieder hergestellten frühromanischen Bau ersetzt.

Ansichten der „Collégiale“ von Westen und Osten

Zwentibold (870 – 900) war ein illegitimer Sohn König Arnulfs II. von Kärnten. Arnulf konnte sich selbst als König des ostfränkischen Reiches und später auch seine eigene Kaiserkrönung durchsetzen. Zwentibold wird in den gängigen Regententabellen und in den Geschichtsbüchern weder als König des west- noch des ostfränkischen Reiches geführt. In der Tat gelang es Arnulf erst recht spät, seinen zweiten Sohn im fränkischen Mittelreich Lotharingien zum König wählen zu lassen (895). Die lange Zeit der Karolingerherrschaft neigte sich schon ihrem Ende zu. Diese Situation des Verfalls wird mit den Daten der beiden Reichsteilungen von Verdun (843) und Meerssen (870) nur unzureichend erfaßt. Die Regentschaft Zwentibolds stellte die Situation von 843 dem Anspruch nach in ganz Lotharingien, tat-sächlich jedenfalls in Niederlothringen, noch einmal kurz wieder her. Zwentibold konnte sich letzlich gegenüber den streitenden Parteien und gegen den widerstrebenden lothringischen Adel nicht durch-setzen und fiel am 13. August 900 in einem Gefecht in Haelheide an der Maas. In seiner Grablege in der Stiftskirche von Susteren, heute eine halbe Stunde von hier aus entfernt, fand er seine letzte Ruhestätte.

Bemerkenswert ist die Ehe mit Oda, der Schwester Heinrich I. Es war nach der Ehe Ludwig des Deutschen mit Liutgard die zweite familiäre Verbindung einer Ottonin mit einem Karolinger. Dies mag schon als Vorzeichen des kommenden Dynastiewechsels im ostfränkischen Reich gesehen werden (s. Eugen Ewig, Die späte Karolingerzeit, in: Rheinische Geschichte Bd. 1.2, insb. S. 190 – 195; Klaus-Jürgen Matz, Wer regierte wann?).

Die Schenkung Seffents vom 30.7.896 an Äbtissin Gisela ist die früheste spezielle Erwähnung eines der zur Aachener Pfalz gehörenden Nebenhöfe. Die Urkunde ist nicht im Original, sondern in nur einer Abschrift in einem Kopiar des Aachener Marienstiftes überliefert. Dieses erhielt 1226 den Besitz von Seffent durch König Friedrich II. bestätigt. Der Besitz sei St. Marien durch Heinrich IV. übertragen worden (in der Urkunde fälschlich als tertius gezählt). Daß die Schenkung jeweils aus der Hand des Königs erfolgte, ist ein gewichtiges Indiz dafür, daß Seffent zum ursprünglichen Reichsgut gehörte hat. Nach dem Tode der Äbtissin Gisela, der es ja persönlich übereignet worden war, wird es zunächst wieder in den Reichsbesitz zurückgefallen sein.

Mit Seffent verschenkte Zwentibold seinerzeit alle dazu gehörenden Rechte einschließlich einer Kirche (“cum ecclesie cunctisque ad illa pertinentibus loca iuste legaliterque in mansis”). Während einige in der Kirche die 870 erwähnte „capella ad antiquum campum“, also unsere Pfarrkirche St. Laurentius, wieder erkennen wollen, nehmen insbesondere Dietmar Flach und Ingrid Pelzer eine besondere Kirche in Seffent an, die allerdings sonst nicht belegt wäre (s. Dietmar Flach, Untersuchungen zur Verfassung und Verwaltung des Aachener Reichsgutes, insb. S. 140 f.; Ingrid Pelzer, Seffent, Aachen o.J. S. ). Die noch erhaltene Reste einer Kapelle im Südflügel des Palant´schen Hofes wird man weder baulich noch als geistliches, mit Rechten und Pflichten behaftetes Amt so weit rückdatieren können.

Der Name Seffent taucht bereits im 12. bis 14. Jh. wiederholt in Urkunden, in den Bußenregistern und im ältesten Aachener Totenbuch auf. So gehört Winandus de Seffunt zu den Zeugen eines Kaufvertrages im Jahre 1237. Baldewinus de Seffonth und seine Erben nehmen 1242 landwirtschaftliche Grundstücke in den Feldern bei Seffent und beim Melatener Leprosorium in Erbpacht. Das Bußenregister des frühen 14. Jh. enthält neben einem molendinarius, d.h. Müller, de Seffoyt einen Arnold, Sohn der Aleydis de Seffont. Damit ist noch kein Nachweis für eine Mühle in Seffent selbst erbracht. Es läßt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es sich bei den oben genannten Belegen jeweils um eine Namens- oder eine Herkunftsbezeichnung von Seffent handelt.

Seffent gehörte zu den bei Noppius verzeichneten “allodialen Schöpfengütern” im Aachener Reich, d.h. zu den Eigengütern des Aachener Stadtadels. Der Name der Besitzer der Seffenter Burg im 17. Jh. wird – wohl infolge eines Druckfehlers – mit Buin, statt mit Buir (s. Noppius, 3. Aufl. S. 123) angegeben.

Die Ortschaft Seffent macht noch einen recht ursprünglichen Eindruck, unterscheidet sich jedoch in wichtigen Details vom historischen Befund.

So verläuft die wegemäßige Erschließung heute über die Schurzelterstraße. Bis zum Ausbau des früheren Fußweges nach Schurzelt bestand die Hauptanbindung Seffents nach Norden aus einem inzwischen zugewachsenen Weg durch die Wiesen in Richtung von Berger Hochkirchen und nach Süden aus dem heutigen Septfontainesweg (früher Pontweg).

Die Situation des 18. Jh. wird auf einem Lageplan von Mefferdatis aus dem Jahre 1722 wiedergegeben. Der Wassergraben der Burg ist inzwischen verfüllt. Die erhaltenen Burggebäude gehen weitgehend auf das 16. Jh., z.T. aber auch auf das 18. Jh. zurück. An die Stelle der westlich gelegenen Wirtschaftsgebäude sind neue Wohngebäude getreten. Die Hauptgebäude sind durch eine hohe Mauer von dem neuzeitlichen Wirtschaftshof abgetrennt. In der Burg ist seit den neunziger Jahren ein Restaurant eingerichtet.

Die Quellen des Wildbaches werden in der Karte des Stadtvermessers Heinrich Copso von 1772 von „Stadt und Reich Aachen“ als „Wildbachersprung“ bezeichnet. Die Schreibweise “.. VII. fontes …” in der Urkunde Zwentibolds könnte dafür sprechen, daß die römische Sieben in der Tat als Zahl und nicht als verdorbene Schreibweise für Siefen, d.h. für Bäche zu gelten hat. Lange vor Einführung der arabischen Zahlen und der neuzeitlichen Mathematik, stand die Zahl “sieben” häufiger für eine unbestimmte große Menge.

Die Quellen haben über den Wildbach nicht nur einige Textilbetriebe in der Soers mit Wasser versorgt,

seit 1929 wurde auch Wasser mit zwei Kreiselpumpen zunächst zu Hochbehältern auf dem Wachtelkopf hoch gepumpt, von wo aus Vaals und dortige Textilbetriebe sogar während des II. Weltkrieges mit Wasser versorgt wurden. Die Seffenter selbst legten keinen Wert auf den Anschluß an eine Wasserleitung, sondern nutzten dieses Geschenk der Natur bis in die 50er Jahre nicht nur für den Haushalt, sondern auch zum Tränken des Viehs und Kühlen der Milch – und zwar völlig kostenlos.

Der nachfolgende Kartenausschnitt entspricht dem Zustand Ende des 19. Jh.. Die wieder gegebenen Steinbrüche lieferten einst nicht nur das Baumaterial für die Höfe, sondern auch Walkerde für die Textilindustrie.

Über den vor dem Bau des Westbahnhofes und dem neuen Bahndamm vom Ponttor direkt nach Seffent führenden Pontweg, fanden schon früh Landschaftsmaler wie Bücken, aber auch normale Ausflügler nach Seffent, die sich damals wie heute in den verschiedenen Restaurants erfrischen konnten bzw. können.

Der Maler Bücken gibt das Gasthaus „Sieben Quellen“ noch als einfache Schäferei mit Einkehrmöglichkeit wieder.

Ein 1996 anläßlich des 1.100jährigen Jubiläums verfaßter Text in PDF