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Aachener Geschichtsverein
 
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Neuzeitliche Chroniken zur Geschichte Aachens

Anfang des Jahres 2007 gab ein Ratsantrag der Stadtverwaltung Aachen Veranlassung, zu überprüfen, ob sich die überlieferte und in das internationalen Schrifttum eingegangene Zuschreibung der Erfindung der stählernen Schreibfeder an den Aachener Bürgermeistereidiener Johannes Janssen als nachweisliche Tatsache gewertet werden kann. Die Untersuchungen haben ergeben, dass die Überlieferung letztlich auf das Selbstzeugnis von Janssen in seinen „Historischen Notizen“ zurück geht. Diese chronistischen Aufzeichnungen wurden erstmals von Hermann Ariovist Freiherr von Fürth in Band 3 von „Beiträge und Material zur Geschichte der Aachener Patrizier-Familien“ (Aachen 1890, S. 3 – 390, insb. S. 148) und jüngst auszugsweise bei Dieter P.J. Wynands (Kleine Geschichte Aachens, 1. Aufl. Aachen 1982, S. 94 ff.insb. S. 103 f.) publiziert.

Die Quelle zur Erfindung der stählernen Schreibfeder:

>>1748 – Eine neue Schreibfeder – Erfindung von mir Joan Janssen Eben umb den Congres Versammlung hab ich auch alhier ohn mich zu rühmen neuwe Federn erfunden.
Es kunnte vielleicht sein, dass mir der liebe Gott diese Erfindung nicht ohngefähr hätte lassen in den Sinn kommen mit diese meine stahlene Federn zu machen, deweil alle und jede alhier versammlete H.Hr.Gesandten davon die Erste und Mehreste gekauft haben, hoffentlich den zukünftigen Frieden damit zu beschreiben, und dauerhaft wird sein wie diese meine stahlene Federen, dass der liebe Gott will geben, dan der verderblichen Krieg hatt lang genug genug gewährt; weilen aber jetzo alles wohl zum Frieden aussieht, hatt man auch Hoffnung, dass er lang dauren soll, eben wie der harter Stahl, damit er beschrieben wird.
Dergleiche federn hatt Niemand nie gesehen noch von gehört, wie diese meine Erfindung ist, allein man muss sie rein und sauber von Rost und Dinten halten, so bleiben sie viel Jahr zum Schreiben gut, ja wenn auch einer 20 Reis Papier damit würde beschreiben mit einer Feder, so wäre die letzte Linie beschrieben wie die erste, sonder was an die Feder zu veranderen, sogar sie seindt in alle Ecken der Welt hingeschickt worden als eine rare Sach, als nach Spanien, Frankreich, Engelland, Holland, ganz Teutschland. Es werden deren von anderen gewiss nachgemacht werden, allein ich bin doch derjenige, der sie am ersten erfunden und gemacht hat, auch in einer grossen Menge verkauft ausser und binnen Lands, das Stück für 9 M. aix oder ein schilling specie und was ich hier nur hab kunnen machen ist mir abgeholt worden.<<

Der ehemalige Direktor des Diözesanarchivs Dr. Schiffers, der auch ein Zeit lang Vorsitzender unseres Vereins war, würdigte dies mit einem kleinen Artikel in einer Fachzeitschrift (Büromarkt 1949, S. 492):

Die jüngere Überlieferung, wonach das Exemplar, mit dem der englische Vertreter beim Aachener Friedenskongreß von 1748 den Friedensvertrag unterzeichnet haben soll, einmal in einer Ausstellung im Londoner Science-Museum ausgestellt worden sei, ist von diesem Museum in einer kurzen Nachricht vom 30.8.2007 (Subject FOI SCM/01/0981-Object inquiry: Steel pen nib from 1748) nicht bestätigt worden („I`ve searched our electronic catalogues, and with the relevant curator, but unfortunately we do not seem to have the steel pen nib you are interested in within our collection.“)
Damit bleibt die Quellenlage so, dass man einerseits weiß, dass es seit der Antike immer wieder Ausführungen von metallenen Schreibfedern gegeben hat und dass für die Erfindung der stählernen Schreibfeder jedenfalls ab Ende des 18. Jh. immer mehr Hinweise auf (kongeniale) Erfindungen durch verschiedene Personen an verschiedenen Orten auftauchen. Die üblicherweise verwandten Gänsefedern für Vielschreiber wie Johannes Janssen hatten den Nachteil, daß sie schnell verschlissen und oft mit em Federmesser wieder neu zugeschnitten werden mußten. Die aus verschiedenen Edelmetallen gefertigten Federn waren für den praktischen Gebrauch zu teuer und vielleicht auch zu weich. Derartige Federn sind schon für die Antike nachgewiesen. Der damals gebräuchlichere STYLUS aus Bronze zum Beschreiben von Wachstäfelchen dürfte in der französischen Sprache später zur Bezeichnung des moderneren Schreibgeräts geführt haben (le stylo). Als Daten für die Erfindung der Stahlfeder werden 1775 (durch den Berliner Mechaniker Müller), 1780 (durch den Schlüsselmacher Samuel Harison aus Birminham) und 1800 (durch den Dänen Jans Hammer) genannt.

Johannes Janssen starb bereits am 9. November 1780. Einige Monate zuvor enden seine „Historische Notizen“, offensichtlich weil er gesundheitlich nicht mehr zur Fortführung seiner Chronik in der Lage war. Die Eintragung in den „Historischen Notizen“ erfolgte mithin zu einem Zeitpunkt, als die später datierten Erfindungen Janssen noch gar nicht bekannt sein konnten. Dieser Umstand stützt die Glaubhaftigkeit des Selbstzeugnisses von Johannes Janssen. Wenn stählerne Schreibfedern um 1748 noch gar nicht durch anderweitige Erfindungen bekannt gewesen sein konnten, findet seine zweifellos Mitte des 18. Jh. vorgenommene Notiz nur dann eine sinnvolle Erklärung, wenn er selbst etwas mit der Erfindung zu tun hatte. Das schließt nicht aus, dass er sich die Schreibfedern etwa durch einen der zu jener Zeit in Aachen ansässigen Uhrmacher hat fertigen lassen. Zweifellos gab es zu jener Zeit in Aachen exzellente Uhrmacher. Das Aachener Couvenmuseum besitzt z.B. eine kostbare Präzisionsuhr aus jener Zeit, die von einem Aachener Uhrmacher hergestellt worden ist. Evtl. hatte der Uhrmacher die Idee zur Erfindung und nicht Janssen selbst. Bei dieser wie bei späteren Erfindungen der stählernen Schreibfedern scheint der besonders hochwertige und elastische Stahl der Uhrfeder verwandt worden zu sein.

Zu bedenken ist in diesem Zusammenhang, dass Janssen seit Mai 1737 das schmale Häuschen „Zur Uhrglocke“ neben dem Granusturm des Rathauses als Dienstwohnung bewohnte und dass zu seinen Aufgaben auch die Wartung der Uhr und der Glocke im Granusturm (östlicher Turm des Rathauses) gehörte. Über die Werk – und Feuer – Glocke auf dem Granusturm heißt es bei Johannes Noppius (Aacher Chronick, Aachen 1631, 1. Buch, Cap. 25):

>> Von dem ansehnlichen Rathhause dieser Stadt, ….. nach Sonnenaufgang hat es einen Thurn, Grani-Thurn genannt, darinnen einen Glock, so dem Werk-Volk ein Zeichen gibt ihrer Arbeit, nemlich Morgens und Mittags um 12. und 1. Uhr, und solches nur auf Werk- oder Prophan Tägen, so sie aber auf Son- oder Feyertägen, oder auch auf prophan Tägen ausserhalb jetztgesagter gewöhnlichen Zeit lautet, bedeutet es Feuer oder Aufruhr.<<

Diese Glocke fiel dem Großen Stadtbrand von 1656 zum Opfer und wurde durch eine neue mit neuer Inschrift ersetzt:

>>Inschrift der Brand- und Werkglocke a. D. 1656:
Den Acher Werck- und Arbeitsleuthen/thue ich dreimahl im Dach ahndeuten/umb welche Stundt sie sollen gehen/zur Arbeith und sie lassen stehen/Hort man mich bausen solcher Frist/wans auch Sonn- oder Feirtag ist/so zeich ich ahn Allarm und Brandt/solch ist euch Leider zu viel bekannt. In diesem Jahr bin ich hergossen/von diesen beiden Rhatsgenossen/F.V.J.v.Treir 1656<<

Ob seinerzeit auch ein neues Uhrwerk in dem vom Brand weitgehend verschonten Granusturm eingebaut werden mußte, kann dahin stehen. Jedenfalls kann man davon ausgehen, dass es sich bei dieser Uhr um die „Normaluhr“ für die ganze ummauerte Stadt – und evtl. darüber hinaus – gehandelt hat, nach der sich die Arbeitszeiten in Aachen richteten. In den Raths- und Staatskalendern der Reichstadt, die ab dem letzten Drittel des 18. Jh. jährlich herausgegeben wurden, kann man nachlesen, an welchen Tagen die Werkglocke abweichende Arbeitszeiten anzeigen sollte. Wenn Janssen sich bei seinem Auftrag nicht durch Uhrmacher unterstützen ließ (was hier offen bleiben muß), mußte er eine gewisses Maß an Kenntnis im Umgang mit dieser Technik gehabt haben. Auch dieser Umstand kann die Glaubwürdigkeit seines Selbstzeugnisses erhöhen, ist aber immer noch kein zwingender Beweis für dessen Richtigkeit.

Der Kulturausschuß hielt die hohe Wahrscheinlichkeit noch nicht für ausreichend, um Janssen wegen der überlieferten Erfindung der stählernen Schreibfeder, wie auch immer, zu ehren. Damit ist die Sache kommunalpolitisch abgeschlossen.

Wir würden es begrüßen, wenn die Sache aber doch noch eines Tages von der Technikgeschichte oder der Geschichtswissenschaften weiter aufgeklärt werden könnte. In Zweifelsfällen könnte das Wissen um das Schreibmaterial und die Schreibgeräte behilflich sein, weiteren Aufschluß über die Echtheit von mit der Schreibfeder geschriebenen, historischen Quellen zu gewinnen. Die zu Beginn des 19. Jh. einsetzende industrielle Fertigung von stählernen Schreibfedern und deren zunehmende Differenzierung verbesserte neben anderen Entwicklungen die Verschriftlichung der Gesellschaft. Damit bekam die Schreibfeder auch Bedeutung für die Literatur- und mit der nun aufkommenden Federzeichnung auch für die Kunstgeschichte.

Hier können Sie eine auszugsweise Zusammenstellung von Notizen strafrechtsgeschichtlichen Inhalts downloaden:

Auszug aus der Chronik von Johannes Janssens

Zum Beitrag über die etwas ältere Chronik des Aachener Stiftskanonikers von Schrick:

Beitrag zur Chronik des Aachener Kanonikers von Schrick