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Mit dem Rad Geschichte erfahren - der Aachener Fahrradsommer 2012

Die diesjährige Streckenlänge beträgt ca. 20 km, davon 8,3 km auf der Vennbahn, auf der es nur minimale Steigungen gibt. Die Tour folgt dem Vennbahnradweg bis Kornelimünster. Danach gibt es zwei mäßige Steigungen jeweils vor Bierstrauch und vor Eich.

Alle aktuellen Touren – Termine, die Tourenkarte und die Beschreibung der Auftakt – Route finden Sie in einem Flyer, der während des Sommers 2012 in den städtischen Verwaltungsgebäuden Lagerhausstraße und Bahnhofplatz kostenlos für alle Interessierten ausliegt oder hier heruntergeladen werden kann:

Download des Flyers,4MB

Hinweis: Um die zweite Seite des Flyer auf dem Bildschirm betrachten zu können, müssen Sie das Dokument unter „Ansicht“ zuvor im Uhrzeigersinne drehen. Die Titelseite des Flyers steht wie bei der Druckfassung gegenüber dem nachfolgenden Text auf dem Kopf.

Motto der Tour ist „Raus ins Grüne!“

Die Tour 2012 wurde von Robert Leclaire erarbeitet, der auch die Flyer für den Indeweg und die Wanderwege um Brand und Kornelmünster erarbeitet hat, die man in den dortigen Bezirksvertretungen bekommen kann. Bei den unten folgenden Texten beziehen sich die fett gesetzten Überschriften mit durchlaufenden Nummern auf die Punkte in der nachfolgenden Karte.

Bei der Eröffnungsfahrt kam auch das vermutlich älteste fahrbereite Fahrrad Aachens zum Einsatz, zu dessen Ausstattung u.a. eine Karbidlampe, eine Hebelbremse vorne, eine Rücktrittbremse hinten und eine Lederwerkzeugtasche gehören:

Ein paar Eindrücke von der Eröffnungsfahrt, hier an den Aachen – Arkaden…

weiter vom Eisenbahnweg auf den Vennbahnradweg,

die Rast an der „Bahnhofsvision“ in Kornelmünster,

auf der alten Straße Kornelimünster-Aachen kurz vor Eich

Beim Abbiegen vom Augustinerweg in den Büfferweg (abgeleitet von einer alten Schreibweise der Bever „Byfer“).

Beschützt und begleitet wurde die Tour vom ADFC

und einem Rettungsassistenten der Feuerwehr.

Frau Nacken, für das Radfahren in Aachen zuständige Beigeordnete, fuhr mit und freute sich über ideale Rahemnbedingungen.

1.) Elisenbrunnen

Der klassizistische Elisenbrunnen wurde vom Architekten Johann Peter Cremer entworfen und vom Leiter der preußischen Oberbaudeputation Karl Friedrich Schinkel überarbeitet. Die weitläufige Rotunde mit den angrenzenden Flügelbauten verleiht dem Thermalwassertrinkbrunnen, der aus der Kaiserquelle gespeist wird, einen besonders repräsentativen Charakter. Der Brunnen wurde nach der Kronprinzessin Elisabeth benannt. Die Grundsteinlegung nahm König Friedrich Wilhelm III. am 16. November 1822 selbst vor. Probleme in der Bauausführung und bei der Finanzierung verzögerten die Fertigstellung bis zum 2. Mai 1827. Heute ist der Elisenbrunnen eines der Wahrzeichen der Stadt Aachen.

2.) Burg Frankenberg

Die Burg Frankenberg wurde erstmals 1352 urkundlich erwähnt. Die stark befestigte Wasserburg war Sitz des Vogtes der Reichsabtei Burtscheid. Heute ist sie Mittelpunkt des Frankenberger Viertels.

3.) Vennbahn

Hierbei handelt es sich um die ehemalige Eisenbahnstrecke zwischen Aachen-Rothe Erde beziehungsweise Stolberg und Luxemburg über Monschau und St. Vith. Sie wurde ab dem Jahre 1882 von der preußischen Regierung geplant und in Angriff genommen. 1889 begann der Güterverkehr und anschließend der Personenverkehr. Es wurde hauptsächlich Kohle aus dem Aachener Gebiet nach Luxemburg transportiert und im Gegenzug Eisenerz. Der Personenverkehr war im Jahre 1960 nicht mehr rentabel und wurde eingestellt und etwa 20 Jahre später – im Jahr 1980 – der verbliebene Güterverkehr. In den Jahren 1982-1985 wurden die Gleise abgebaut und danach die Trasse in Abschnitten von Rothe Erde bis Walheim als Fuß- und Radweg ausgebaut. Heute ist er sehr bekannt und beliebt als Vennbahnweg oder Vennbahntrasse.

In den ehemaligen Bahnhöfen in Brand und Kornelimünster sind Restaurants eröffnet worden.

4.) Viadukt über den Rollefbach

Hinter Brand überspannt ein Viadukt in mehreren Bögen, mit einer Länge von circa 130 m und einer Höhe von circa 30 m das Rollefbachtal. Er wurde in den 1880er Jahren im Zuge des Baus der Vennbahn in der typischen Pfeiler- und Bogenkonstruktion mit Kalkstein aus der hiesigen Gegend erbaut.

5.) Bierstrauch

Dieser Ausschnitt aus einer Karte des Münsterländchens (17. Jh.) zeigt zwar nicht die Straßen und Wege an. In der Mitte des Ausschnittes liegt „St. Cornelij Münster“ und in der Mitte unten „hittfeld“ (=Hitfeld). Der Weg dahin führt über das „haus am aacherweg“ (=Bierstrauch) und „Eiche“.

Den Weg soll es schon in römischer Zei gegeben haben, als Kornelimünster  – das römische Varnenum – mit dem Übergang über die Inde und einer Kreuzung des von Lüttich nach Jülich führenden Weges ein wichtigerer Verkehrsknotenpunkt als Aachen war.

Bierstrauch

besteht zunächst aus einem landwirtschaftliche Betrieb,

der voll und ganz als Pferdehof fungiert.

Bewohner von Bierstrauch, Frau Anna und Herr Alfred Steyns, hatten im Jahre 2002 dort zur Erfüllung eines Gelübdes eine der Muttergottes geweihte kleine oktogonale Kapelle gestiftet.

Der schwerst kranhe Bruder Peter Steyns,dem Ärzte kaum noch Hoffnung machen konnte, war gerade wieder gesund geworden.

Die alte Straße wurde aber seit dem hohen Mittelalter auch von Jakobspilger auf ihrem Pilgerweg nach Santiage de Compostela genutzt. Der alte Weg Aachen – Trier war ein Glied im Netz der Hauptpilgerwege zu diesem bis heute populären Wallfahrtsort. Seit ein paar Jahren sind sie als europäische Kulturwege unter Schutz gestellt. Trier mit der Reliquie des Heiligen Rockes war ebenso wie Aachen auch selbst auch ein gern besuchtes Pilgerziel. Seit Jahren haben die Pilgerfahrten nach Santiago de Compostea wieder zugenommen.

Viele gehen nicht nur die letzten Etappen, sondern den ganzen Weg zu Fuß. Die vorbei kommenden Pilger haben die kleine Votivkapelle für sich entdeckt und um eine Statue des Hl. Jakob bereichert. Ein Gästebuch liegt aus, in das sich allerdings auch Vorbeikommene ohne das fromme Fernziel eintragen können.

Ob die Bäume der ebenso alten wie berühmten Obstsorte „Münsterbirne“ früher als „byrrenstrauch“ bezeichnet wurden, haben wir nicht verifizieren können. Möglicherweise ist mit dem Bierstrauch aber der Gagelstrauch gemeint, aus dem man in unserer Region früher das Kräuter- oder Grutbier braute.

Die Unterdrückung der Klein- und Hausbrauereien, die Wiedereinführung des abteilichen Brauzwanges und die Erhebung einer Biersteuer (Bierakzise) waren einst Ende des 17. Jh. Streitpunkt zwischen dem Abt als Landesherren und seinen Untertanen. 1699 kam es zur Katastrophe, über die damals wie folgt berichtet wurde:

>>Cöln, am 18. Julii st. N. ist der Hoch-Ehrwürdige des heil. Röm. Reiches Prälat/hr. Bertrandus Goswinus (gebohrener Freiherr von Gevertzhagen) Abt und Landherr der Kayserlichen freyen Reichs-Abtei/Land und Eigenthumbs zu S. Cornelii Munster/ ../als mit etlichen seiner Conventualen und Knechte nach Acken/ die Relquien daselbst zu sehen/ reiten wollen/ in einem unweit bemeldter Stadt gelegenen Busch/ der Schonfoerst genand/ erschossen worden/. Der Thäter ist/ indem die seinigen den Prälaten zu helffen/ und von der erden auffnehmen beschäfftiget gewesen/ entwichet. Und weil sonst niemand dabey beschädiget worden/ so muthmasset man/ dass diese grausame That von keinem Straßenräuber/ sondern von einem seiner Unterthanen oder Bauern geschehen/ als mit welchen er durch Process führen sehr uneinig gelebet/ auch durch den mit dem Fruchthandel von ihnen gezogenen Profit und weil er ihn öfters Korn vor Geld geweigert/ sich verhasst gemacht…>>

Historische Remarques der neuesten Sachen in Europa. Teil i, Hamburg 1699, S. 253 zitiert nach: GABEL, Helmut , „Äußerliche Verfolgung und innerliche Rebellion“. Zur Ermordung des Abtes von Kornelimünster am 18. Juli 1699, ZAGV 93, 1986, S. 87-126, insb. S. 114, FN 126

Eich

Der Weiler Eich hat sich aus zwei Hofanlagen entwickelt, die im 15 Jh. noch eine Einheit und ein Ritterlehen der Reichsabtei Kornelimünster waren (s. Kartenausschnitt aus der Tranchotkarte Blatt Aachen 1805).

Der Ritter, seit dem 15. Jh. ist auf diesem Sitz die Familie Ostländer zur Eich bezeugt, bewohnte den zweigeschoßigen, giebeölständigen Bau mit 50 Grad steilem Dach,

der laut Denkmälerliste im Kern dem 17. Jh. zuzuordnen ist, nach neueren Forschungen aber viel älter ist, worauf die Gestaltung der Fenster hinweist.

Der Pferdehof Eich an der Hitfelder Straße, dessen Hauptgebäude im Erdgeschoß aus Bruchstein und im Obergeschoß aus Fachwerk besteht, ist der alte Wirtschaftshof des Rittersitzes.

6.) Augustinerwald

Hier stehen bis zu 300 Jahre alte Eichen. Er gehörte früher den Augustiner- Eremiten am Augustinerbach (jetzt Sitz des Kaiser-Karl-Gymnasiums) und befindet sich heute im Besitz der Stadt Aachen. Der Bestand wird naturnah bewirtschaftet.

7.) Beverbach

Der Beverbach (früher „bivera, byfer“) entspringt im Bereich Forsthaus Grüne Eiche und fließt durch den Augustinerwald in Richtung Kornelimünsterweg.

Von dort geht es weiter durch das Regenrückhaltebecken im Tierparkgelände und weiter in Richtung Bahnhof Rothe Erde. Ab der Drimbornstraße ist die Bever verrohrt. Der Name soll von den früher dort vorkommenden Bibern abgeleitet sein. Er war früher bis etwa Banhhof Rothe Erde Grenzfluß zwischen der Reichsabetei Burtscheid und der Herrschaft Schönforst und später zwischen den Gemeinden Burtscheid und Forst.

8.) Stauanlage Diepenbenden

Die Stauanlage Diepenbenden wird gespeist durch den aus Richtung Heidweg kommenden Wurmbach. Die heutige Anlage dient dem Regenwasserschutz und wurde in den 1920er Jahren gebaut. In den früheren Jahrhunderten lagen hier Stauweiher, die der Wasserhaltung für die unterhalb gelegenen Mühlen an der Wurm dienten und in denen Fischzucht betrieben wurde.

Der nördlich gegenüber liegende Hang wird vom barocken Gut Tönnesrath beherrscht.

9.) Dom

Der Aachener Dom ist das erste deutsche Baudenkmal, das 1978 als UNESCO-Weltkulturerbe unter Schutz gestellt wurde. In ihm ist weitgehend die karolingische Pfalzkapelle erhalten, wenn auch die Innenausstattung eine romantische Rekonstruktion des 19. Jh. ist. Der bedeutendste Anbau an die Urkirche ist die zum 600. Todestag Karls des Großen (28.1. 1414) eingeweihte gotische Chorhalle. Außerdem umgibt den Zentralkirchenbau ein Kranz von 5 Kapellen vom gotischen bis zum barocken Stil. Das ganze Mittelalter hindurch war „et Mönster“ keine Bischofskathedrale, sondern Stiftskirche. Die Vorsteher (praepositi) bzw. Pröpste des Stiftes des Hochmittelalters entstammten alle dem hohen Reichsadel oder den Königsgeschlechtern. Sie residierten selten in Aachen, sondern waren häufig als Vorsteher der königlichen Hofkanzlei tätig und waren meistens auch Bischof einer der deutschen Reichsbistümer. In Aachen wurden sie durch den jeweiligen Dekan vertreten. Die Archäologie hat unter dem Dom eine der großen römischen Thermen von Aquae Granni nachgewiesen.

Kornelimünster:

Am südlichsten Punkt der Rundfahrt liegt der Zentralort Kornelimünster der ehemaligen gleichnamigen Reichsabtei. Ihr Territorium wurde von den Untertanen der Reichsäbte liebevoll Münsterländchen genannt. Eindrücke aus diesem einzigartigen kleinen Residenzstädtchen sollen dazu einladen, die Tour evtl. als Tagestour mit einem Rundgang durch Kornelimünster zu planen. Zumindest bietet sich eine Rast an.

Nach der Tour kann man sich aber auch gut in der sog. Bahnhofsvision stärken,

wie aber auch in den Cafés und Restaurants im Ort.

Kornelimünster mit seiner umgebenden Landschaft wirkt nicht nur im Sommer reizvoll, sondern sogar im Winter:

ein Rundgang im Winter

Historisch gesehen führt der Weg von Aachen aus durch die ehemaligen Territorien der Reichsstadt Aachen (Aachener Reich), der Reichsabtei Burtscheid, der Herrschaft Schönforst und der Reichsabtei Kornelimünster, wie man aus der nachfolgenden historisch – topographischen Karte von E. Arnold ersehen kann. Auf der Karte ist allerdings der alte Weg von Kornelimünster nach Aachen in dem Abschnitt zwischen Kornelimünster und Eich und der kleine Weiler Biertrauch nicht dargestellt.

Nahe beim ehemaligen Bahnhof Kornelimünster beginnt der von Schülern des Inda-Gymnasiums eingerichtete Planetenweg (unten folgen Bilder von Sonne, Erde und Jupiter). Sie hatten die Idee, die Proportionen der Gestirne des Sonnensystems durch Markierungen entlang des Vennbahnradweges zu veranschaulichen. Als Ausgangspunkt oder Standort der Sonne hatten sie einen Punkt am Radweg gegenüber der Bezirksverwaltung von Kornelimünster festgelegt. Sie stellten nicht nur die Entfernung der Planeten zur Sonne und untereinander maßstäblich am Rand des Radweges dar, sondern schufen auch maßstäbliche Modelle der Planeten, die deren jeweiligen Größe entsprechen. Dank der Hilfe von Sponsoren konnten von den Modellen Messing-Abgüsse genommen und auf massiven Blausteinsockeln montiert werden. Unser Bild gibt das Modell des Planeten Jupiter wieder, der nach dem höchsten, im ganzen römischen Reich verehrten Gott benannt ist.

Die Km – Angaben in der Tabelle der Planeten, die Sie nachfolgend downloaden können, beziehen sich auf die Fahrstrecke gemessen auf dem Fahrradtacho beim Start vom Hauptbahnhof aus.

Information zum Planetenweg