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Aachener Geschichtsverein
 
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Loyalität der Beamten im NS-Staat

Nehmen wir doch einmal einen einfachen Beamten oder Lehrer.

Zu den ersten und frühesten Instrumenten der Nazis gehörte das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7.4.1933, das schon vom Namen her seinen wahren Charakter auf den Kopf stellte.
Ausgabe des NS-Beamten-Gesetzes im Reichsgesetzblatt 1933

In § 1 des Gesetzes hieß es dann schon etwas genauer, daß es um das „nationale“ Berufsbeamtentum gehe. Allein der Zweck der „Verwaltungsvereinfachung“ sollte nun Durchgriffe des Reiches in die Verwaltungen der Länder und der Gemeinden rechtfertigen. Bei welchem Beamten die tatsächlich nicht wieder hergestellten, sondern vielmehr neuen politischen Voraussetzungen insbesondere der „sonstigen Eignung“ nicht vorlagen, konnte nicht nur, sondern mußte nach § 2 entlassen werden – bei Fortzahlung der Bezüge für nur 3 Monate. „Nichtarische“ Beamte wurden (vorerst) nur gehalten, wenn sie schon vor dem Eintritt in den ersten Weltkrieg Beamte oder sogar „Frontkämpfer“ gewesen waren oder wenn nahe Angehörigen von ihnen im Weltkriege gefallen waren.

Bot ein Beamter nicht die „Gewähr sich jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat einzusetzen“ konnte er entlassen werden – ebenfalls bei Fortzahlung der Bezüge für nur 3 Monate

Der NS-Staat hatte sich also ein drückendes und die Existenz der Beamtenfamilien bedrohendes Instument geschaffen. Die Beamtenschaft war nämlich noch durchweg männlich und die einzelnen Beamten die einzigen Ernährer ihrer Familie. Verbeamtete Frauen, wie z.B. die Tochter des ehemaligen Aachener Oberbürgermeisters Peltzer waren die große Ausnahme und wurde allein damit gefeuert, daß der Arbeitsplatz nun mit einem Mann besetzt werden konnte.

Gemäß § 14 des Gesetzes wurden die so entlassenen Beamten auch noch einem anschließenden Dienststrafverfahren unterworfen.

Jeder Beamte mußte also ab April 1933, wollte er nicht die Existenz seiner Familie riskieren, ein „dienstlich einwandfreies Verhältnis“ zum „Nationalen Staat“, sprich zur Nazi-Partei, haben. Eine gänzliche Distanzierung von der „Bewegung“ – selbst die passive – wurde mit wenigen Ausnahmen nicht geduldet. Mindestens mußte man Mitglied eines der Massenorganisationen der Partei sein z.B. im Nationalsozialistischen Rechtswahrerbund (NSRB), im Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) oder im Nationalsozialistischen Kraftfahr – Korps(NSKK).

Wir hatten schon in unserem Beitrag über die „Machtergreifung“ in Aachen darauf hingewiesen, daß der NS-Oberbürgermeister Quirin Jansen im ersten Verwaltungsbericht für das Jahr 1933 stolz verkündet hatte, die Aachener Beamtenschaft entschlossen gesäubert zu haben. Aachen war erfolgreich gleichgeschaltet.
zum Beitrag über die sog. Machtergreifung

Unter solchen Voraussetzungen war es kein Wunder, daß allein im April und Mai 1933 Millionen Anträge zur Aufnahme in die NSDAP gestellt wurden (die sog. Märzgefallenen). Die Lehrer z.B. waren schließlich im Laufe der Jahre zu fast 95 % Mitglieder der NSDAP. Die Mitgliedsnummern der Partei, deren Zählung allerdings durchaus systembedingte Lücken hatte, war bis 1945 auf Zahlen über 9 Millionen angestiegen. Weit mehr als jeder 10. Erwachsene war Parteimitglied.

Nach der Zerschlagung des NS-Unrechtsstaates durch die Alliierten wurden die für die NS-Verbrechen Hauptverantwortlichen in den Nürnberger Prozessen zur Rechenschaft gezogen. Auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit (Art. 10 Kontrollratsgesetz) stand die Todesstrafe. Diese wurde nur in wenigen Verfahren gegen Hauptverantwortliche verhängt.

Für den Wiederaufbau Deutschlands konnte man aber nicht auf alle die Fachleute verzichten, die zum großen Teil eher nolens als volens in die Partei eingetreten waren (s.o.). Es gab nun einfach zu wenig Unbelastete. Sogenannten Mitläufern wurde nach einer im Laufe der Zeit immer großzügeren Prüfung bald ebenfalls die Wiedereinstellung ermöglicht. Hatte man einige gute Leumundsbescheinigungen unbelasteter oder gar verfolgter Personen, die oft aus reiner Gefälligkeit ausgestellt wurden, bekam man alsbald seinen „Persilschein“.
anonymisiertes Exemplar eines Persilscheins

Die nachträgliche Beurteilung von Personen, die in der NS-Zeit gelebt und gewirkt haben, erfordert deshalb eine umfassendere Untersuchung aufgrund möglichst aller verfügbaren Quellen. Schwarz-Weiß-Malerei führt häufig zu ungerechten Ergebnissen, denn meist liegt das Ergebnis irgendwo dazwischen. Man kommt ohne Wertungen nicht aus und gelangt häufig unter deren Einbeziehung zu Feststellungen, die nicht eindeutig sind oder die nicht von jedermann akzeptiert werden können.