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Glück auf! - Das Aachener Steinkohlenrevier

Gerne beruft man sich im ganzen Wurmrevier darauf, daß der Begriff „kalculen“, der im Jahre 1113 in den lateinisch verfaßten Annales Rodenses (Jahrbücher des Klosters Klosterrath oder Rolduc) vermerkt ist, die älteste schriftliche Erwähnung des Steinkohlebergbaues in Europa sei. Erst ab dem 19. Jh. trennten die neuen politischen Grenzen das früher einheitliche Bergbaurevier in eine deutsche und eine niederländische Seite.

Über „kalculen“ hat sich ein langer Streit unter Sprachforschern entwickelt, den wir hier nicht entscheiden können. Archäologische Nachweise für die Nutzung der Steinkohle gibt es jedenfalls mehrfach aus Befunden der römischen Zeit.
Download Büttgenbach 1898
Download Schué 1924

Nachweise für eine regelmäßige Nutzung der Steinkohle setzen im 14. Jh. ein. Holz oder Holzkohle waren für das Mittelalter der Brennstoff bzw. die Kohle schlechthin. Steinkohle war etwas für Arme oder für spezielle gewerbliche Nutzungen. Für die Frage, ob die Steinkohle als Energiequelle bei der Kupferverarbeitung bzw. der Messingherstellung im 15. Jh. eingesetzt wurde, wird uns hoffentlich bald die Archäologie eine Antwort geben.
Download zum Kohlevertrieb in alter Zeit

Die geologischen Besonderheiten unserer Region lassen die Steinkohle in der Indemulde und im Wurmtal bis an die Erdoberfläche treten. Durch die Region zieht sich eine geologische Verwerfung (der „Feldbiß“), an dessen östlicher Seite die Kohleflöze um hunderte Meter tiefer liegen.

Die folgende Karte zeigt die bis 1940 aufgeschlossenen Grubenfelder.

Der Bergbau hatte sich vom eigentlichen Wurmtal und erst recht von der alten Grube Karl-Friedrich zwischen Richterich und Laurensberg aus weit nach Osten vorgeschoben. Die mächtigen Abraumhalden waren vom Aussichtsturm am Dreiländereck dennoch deutlich wahrnahmbar, wie die folgende schematische Skizze von Frau Prof. Ingeborg Monheim um 1960 zeigt.

Der mittelalterliche und frühzeitliche Bergbau konnte nur die erdoberflächennahen Vorkommen an Inde und Wurm aufschließen.
Download Lage und Namen der alten Bergbaue an der Wurm

Im kleinen Aachener Territorium gab es auch rechtlich eine Sonderentwicklung gegenüber dem limburgischen oder jülicher Umland.

Download Willms, Anteil der Reichsstadt Aachen..
Download Mijnregelement
Download Land van Rode,23,7 MB

Die Reichsstadt, die schon ein Galmeibergwerk auf dem sog. Herrenberg bei Verlautenheide betrieb, ließ an der ehemaligen Teuter Mühle ein Bergwerk einrichten, bei dem die Wasserhaltung vermittels einer sog. Wasserkunst geregelt wurde. Über lange Gestänge übertrug man die Kraft des Mühlrades über eine längere Strecke bis zum Pumpwerk.

Die Verwaltungs- und Rechtsreformen der französischen Zeit verbesserten die Möglichkeit eines modernen, kapitalintensiven Bergbaus. Es gab nun vom Grundeigentum gelöste Bergbaukonzessionen in bestimmten, abgegrenzten Grubenfeldern.
Download Dissertation Hinzen

Dampfmaschinen erhöhten die Leistungsfähigkeit der Pumpen, so daß man in größere Tiefen abteufen konnte.

Um das alte Morsbacher Bergbaugebiet, das schon auf der Karte des Cornelius Janson Fries von 1569 als „Kollberg“ („Gouley“ steht für „Goude Ley“ = guter Berg) dargestellt ist,

faßte eine „Vereinigungsgesellschaft für den Steinkohlebergbau im Wurmrevier“ mehrere Bergwerke zusammen.

An der Grube Teut gab es in der Schicht vom 25. auf den 26. Januar 1834 das erste große Grubenunglück des Reviers.
Download Unglück 1834

63 Bergleute (Kumpels) wurden verschüttet. Am 6. Februar stellte man die vergeblichen Rettungsversuche ein. Es gab eine große Spendenaktion für die Opfer bzw. deren Angehörigen, für die es noch keine geregelte Versorgung gab. Letztlich geht die Gründung der „Knappschaft für die gewerklichen Steinkohlegruben im Wurmrevier“ durch eine königliche preußische Verordnung vom 17.5. 1839 und die Errichtung des ersten Knappschaftskrankenhauses in Bardenberg auf dieses Unglück zurück.

Im Inderevier begann das „Glück auf “ mit einem Unrecht am Schultheißen und Pächter von Burg und Burghof Kinzweiler Johann Peter Wültgens (1738-1787), das nicht mit Geld, sondern mit Bergbaukonzessionen entschädigt wurde. Ohne ihn zu fragen und ohne seinen noch 18 Jahre laufenden Pachtvertrag zu beachten, hatte man Kinzweiler einfach an den Grafen von Hatzfeld verkauft. Er stellte von Landwirtschaft auf Bergbau um und baute das neue Bergbauunternehmen zielstrebig aus.
Download o.V., Geschichte des EBV

Noch erfolgreicher wurde seine Tochter Christine, deren Mann Hauptmann Carl Englert, nach dem Ausscheiden aus dem Militärdienst, zunächst in die Leitung einstieg. Obwohl Christine für 10 Kinder zu sorgen hatte, übernahme sie 1814 nach dem Tode ihres Mannes die Leitung des gesamten Bergwerksbesitzes. Um eine Zersplitterung des Besitzes zu vermeiden, gründete sie am 2. August 1834 den Eschweiler Bergwerksverein (EBV) als erste preußische und deutsche Bergbau-Aktiengesellschaft. Ihre Nachfolger expandierten von der Indemulde ins Wurmrevier. Ab Mitte des 19. Jh. ging man tiefer und rückte zunehmend weiter nordöstlich in die tiefer gelegenen Fettkohlevorkommen vor.

Die alten, z.T. recht kleinen Dörfer wie z.B. Merkstein, Würselen, Kohlscheid und Alsdorf wuchsen gewaltig. Ein dichtes Eisenbahnnetz ermöglichte den günstigen Abtransport der Ausbeute.

Alsdorf wurde der größte Standort mit der größten Kokerei Europas.

Alsdorf erlebte dann am 21. Oktober 1930 auch das größte deutsche Grubenunglück. Infolge einer gewaltigen Explosion stürzte ein Förderturm auf das benachbarte Maschinenhaus. 271 Menschen starben (unten Ausschnitt aus dem Luftbild um 2005).


Gerade bei Alsdorf, das 1950 die Stadtrechte verliehen bekam, lohnt ein Blick auf Karten unterschiedlicher Zeitstellung zur Veranschaulichung der enormen Bedeutung des Bergbaus für die städtebauliche und wirtschaftliche Entwicklung. Die im Internet einsebaren Satelitenbilder zeigen schon den Zustand des riesigen Areals mit weitgehend geschliffenen Bergbaugebäuden und technischen anlagen.

Die Pfarrkirche Alt St. Castor, die noch Teile der alten Burgkapelle einschloß, mußte aus Platzgründen einem großen Kirchenneubau weichen. Erst in den letzten Jahren hat sich die Zahl der praktizierenden Katholiken so reduziert, daß der Altbau wieder ausgereicht hätte. Die Burg der Freiherren von Blanckart umfaßte einst ein riesiges Areal. 1889 wurden die Wirtschaftsgebäude durch einen Brand weitgehend zerstört. Nach Ankauf durch die damalige Gemeinde im jahre 1928 wurden die Ruinen niedergelegt. Die repräsenativen Schloßgebäude sind heute die „gute Stube“ der Stadt.

Nach dem II. Weltkrieg erlebte der Bergbau nochmals eine Blüte, konnte aber ab den 60er Jahren nicht mehr gegen die billigere Importkohle konkurrieren. Während die Konversion in der benachbarten Oostelijke Mijnstreek (das limburgische Steinkohlenrevier) in 10 Jahren umgesetzt wurde, hielt man im Aachener Steinkohlerevier in den modernsten Gruben den Betrieb noch bis 1997 aufrecht. Am 27. März war schließlich „Schicht“ für das ganze Revier.

Wir danken unserem Beiratsmitglied Prof. Dr. Werner Kasig für die Erlaubnis, einige Grafiken und Tabellen aus Kapitel 8 „Stein- und Braunkohle“ aus seinem Vorlesungsskript des WS 2005/2006 „Geologische Grundlagen der Industriegeschichte im Aachener Gebiet“ entnehmen zu dürfen.
Download Kasig, Grube Karl Friedrich
Download Kasig allgemeine Zeittafel Bergbau

Natürlich stellten sich die RWTH (Institut an der Wüllnerstraße) und die Fachhochschule auf den hiesigen Bergbau ein:
Download Stegemann, Bergbauschule Aachen

Eine Auswahl an Internetseiten:

zur Homepage des Bergbaugeschichtsvereins in Alsdorf

zur Homepage des ENERGETICON Alsdorf

zur Homepage des Bergbaugeschichtsvereins in Merkstein

der EBV wegen der Hinweise auf die einzelnen Zechen ausnahmsweise einmal in WIKI

Zur Beschreibung der Haldentour

Literaturauswahl:

Aretz, Josef, Die Kohlscheider Bergwerke, Herzogenrath 1972
Bast et al., Das Alsdorfer Grubenunglück, HBlLKrAC 2004/5, S. 3-176
Bast, Rudolf, Die Geschichte des Bergbaues in Alsdorf JBlAlsdGV 1982
Berk, K. van, Die Gewerkschaften der Bergleute im Wurmrevier (Grundzüge der Entwicklungen und Episoden) JBlAlsdGV 1984
Boventer, Karl, Die Wechselbeziehungen zwischen Medizinalwesen und Bergbau (1850 bis 1950) JBlAlsdGV 1987
Boventer, Karl, Zur Geschichte der Bergbaumedizin und Knappschaft im Steinkohlenbergbau an der Wurm, in: ZAGV 78, 1966/67, S. 210-256
Boventer, Karl, Zur Geschichte der Bergbaumedizin und Knappschaft im Steinkohlenbergbau an der Wurm, HBlLKrAC 1967, Heft 4, S. 85-87; 1968, Heft 1, S. 16-18
Bruckner, Clemens, Zur Wirtschaftsgeschichte des Regierungsbezirkes Aachen, Köln 1967
Bücken, Josef, Der Kohlenbergbau in Alsdorf vor 50 Jahren, HBlLKrAC 1935, Heft 2, S. 14-15
Büttgenbach, Franz, Geschichtliches über die Entwicklung des 800jährigen Steinkohlenbergbaues an der Worm 1113-1898, Aachen 1898
Edmann, Walter, Eschweiler Steinkohle schon zur Römerzeit? Zur Geschichte des Steinkohlenabbaus in der Indemulde, SEGV 5 (1983, S. 27 – 33)
Errenst Josef, Der Bergbaus in Bardenberg zu Beginn des 19. Jh., HBlLKrAC 1935, Heft 4, S. 24-27
Gierlichs, Wilhelm, Vom alten Bergbau im Ländchen zur Heyden, HBlLKrAC 1940, Heft 13, S. 91-101
Gierlichs, Wilhelm, Over de minbouw der abdij Klosterraade, RJ 17 (1937), S. 102 – 157
Kasig, Werner, Die Nutzung der geologischen Gegebenheiten durch den Menschen im Bereich der Stadt Aachen, in: ZAGV 102, 1999/2000, S. 3-49
Kasig, Werner, Geologische Grundlagen der Industriegeschichte im Aachener Gebiet, Vorlesungsskript RWTH – Aachen WS 2005/2006 (Abschnitt 8: Stein- und Braunkohle)
Knisch, Heinz: Erinnerungen an „Anna“: Geschichte der Gruben, Kraftwerke und Kokereien auf dem „Anna-Gelände“ in Alsdorf, Alsdorf, 1997
König, Walter, Die Bardenberger Kohlbergs-Ordnungen von 1774 und 1775, BHH 4 (1988), S. 2-9
König, Walter, Die Bardenberger Bergbau-Karte von 1789 und 1775, BHH 6 (1991), S. 3-6
König, Walter, Der Steinkohlenbergbau im Raum Würselen vom Mittelalter bis zum 20. Jh.. eine historisch-technische Untersuchung, in: Wensky-Kerff, Geschichte der Stadt Würselen, Bd 1., S. 219 – 270
Langer, Wolfhart, Zur Erforschungsgeschichte der Steinkohlen im Inde-Revier, in: ZAachenerGV 78, 1966/67, S. 257-259
Loersch, Hugo, Die Rechtsverhältnisse des Kohlenbergbaus im Reich Achen während des 14. und 17. Jh., ZfB 13 (1872), S. 481 – 540
Lentzen, Bardenberg und seine Wormknappschaft, HBlLKrAC 1935, Heft 4, S. 29-37
Michel, Johann Jakob, Der Steinkohlenbergbau im Wurmrevier von 1113 bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts. Bearbeitet von Patricia Schulze. Alsdorf, Bergbaumuseum Grube Anna, 2009
N.N., Europas ältestes Bergbaugebiet, HBlLKrAC 1936, Heft 4, S. 17-67
N.N., Das Alsdorfer Grubenunglück: Heimatblätter des Kreises Aachen
Eine der größten deutschen Bergwerkskatastrophen – ein Rückblick auf das Jahr 1930
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N.N., Zu Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Bardenberg, HBlLKrAC 1935, Heft 4, S. 22-24
Oidtmann, Paul Heinz, Die technische und wirtschaftliche Entwicklung des Aachener Steinkohlenbergbaus, 2 Bd. Diss. Aachen 1955
Peters, J., Das Alsdorfer Grubenunglück (21.10.1930) in der Erinnerung von Zeitzeugen JBlAlsdGV 2005/2006
Pohlmann-Schillings, R. Kriegsende und Neuanfang 1945 in Alsdorf, dargestellt an den Bemühungen um den Fortbestand des Bergbaus, JBlAlsdGV 1996/1997
Redlich, Otto, Urkundliche Beiträge zur Geschichte des Bergbaus am Niederrhein, DjB 15 (1900), S. 118 – 164
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Schmidt, Dr. Ing. Walter, Der Eschweiler Bergwerks-Verein und die Grube Anna – Ein historischer Rückblick JBlAlsdGV 2005/2006
Schneider, Dr. F., St. Barbara-Kirche, Alsdorf-Ofden JBlAlsdGV 1999/2000
Schröder, Franz, Mariadorf – Die Geschichte eines Bergbauortes, HBlLKrAC 1961, Heft 4, S. 90-92
Schröder, Josef, Die Entwicklungsgeschichte des Bergbaus im Aachener Raum, HBlLKrAC 1969, Heft 4, S. 90-97
Schué, Carl, Die geschichtliche Entwicklung des Eschweiler Kohlbergs bis zur französischen Herrschaft, Ein Beitrag zur Geschichte des Steinkohlenbergbaus an der Inde, in Festschrift zur Anerkennung des Eschweiler Gymnasiums, Eschweiler 1905, S. 74 – 110
Schué, Carl, Die Geschichte des Kohlenbergbaus an der Wurm, in: Huyskens, Albert, Aachener Heimatgeschichte, Aachen 1924, S. 154 – 163
Schunder, Friederich, Geschichte des Aachener Steinkohlenbergbaus, Essen 1968
Sistemich, Franz, Der Bergbau in Kohlscheid nach 1700, HBlLKrAC 1936, Heft 4, S. 67-76
Stegemann, Oskar, Der Eschweiler Bergwerksverein, HBlLKrAC 1935, Heft 2, S. 18-24
Wiesemann, Jörg, Steinkohlenbergbau, HBlLKrAC 1997, S. 3-140
Willms, Bernhard, Der Anteil der Reichsstadt Aachen an der Kohlengewinnung im Wurmrevier, in: ZAGV 45, 1923, S. 67-182