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Geschichte Aachens - ein kurzer Abriß

Die Geschichte Aachens im kurzen Überblick

Die seit 1966 wiedereingerichtete Stadtarchäologie hat das bisherige Bild insbesondere der Vor- und Frühgeschichte Aachens erheblich ergänzen und korrigieren können.
Die ältesten paläolithischen Fundstücke, wie z.B. ein Faustkeil an der Sonnenscheinstraße in Forst, können keiner Besiedlung zugeordnet werden. Die ersten größeren Siedlungsnachweise stehen im Zusammenhang mit dem Abbau des wichtigsten Werkstoffes der Steinzeit auf dem Lousberg (Feuerstein bzw. Silex). Dazu passende Siedlungsspuren in den letzten Jahren mehrfach im Altstadtgebiet Aachens gefunden. Auch die bislang nur vermuteten Kelten konnten nunmehr mit einigen Bodenfunden nachgewiesen werden.
Die römische Besiedlung Aachens beginnt um die Zeitenwende und beschränkte sich nicht auf die Funktion eines Militärbades in sicherem Abstand zum nassen Limes (Rhein). Ein Bautrupp einer wohl vom Rhein (vielleicht Xanten – CUT) stammenden Legion bewohnte während seines Einsatzes in Aachen ein kleines Castellum im Bereich des Parkplatzes Prinzenhofstraße. Inmitten eines kleinstädtischen, römischen Straßenrasters dominierten die schon länger bekannten Thermen unter dem Dom und am Büchel sowie dazwischen ein kultischer Bezirk. Das Frischwasser wurde in Burtscheid vom Kalten Bach (Wurm) abgeleitet und kam in einem weiten Bogen entlang der Höhenlinien etwa bis zur Kreuzung Harscampstraße und Lothringerstraße. Von da an wurde es in gerader Richtung auf ein Wasserschloß in der Kleinmarschierstraße zu weiter geleitet, wobei es die kleine Niederung entlang des Grabenringes vermutlich mit einem kleinen Aquaedukt überbrückte.
Angesichts der großen Menge römischer Spolien (= wieder verwandte Bauteile) in mittelalterlichen Bauten ist wahrscheinlich, dass es hier weitere Großbauten – evtl. auch ein Forum – gab. Die römische Besiedlung ging seit dem späten 3. Jh. zurück. Jüngst wurde überraschend ein spätantiker Burgus auf dem Markthügel archäologisch nachgewiesen. Die karolingische Palastaula wurde später in dessen Südwestecke gebaut, wobei zumindest einige Mauerreste bis zum 12. Jh. stehen geblieben sind.
Angesichts archäologischer Funde bestehen inzwischen auch keine Zweifel mehr daran, dass Aachen während des ganzen ersten Jahrtausends, aus dem es mit Ausnahme des 8. und 9. Jh. eine nur sporadische schriftliche Überlieferung gibt, kontinuierlich besiedelt war. Die Schenkung einer domus indominicata (=herrschaftliches Haus) im Bereich des Elisengartens an die Doppelabtei Stablo-Malmedy dürfte noch vor Karl und Pippin erfolgt sein. Für diese Zeitstellung spricht die zugehörige, der der Hl. Adelgundis geweihte Eigenkapelle. Die Niederlassung dürfte mithin auf merowingische Könige oder deren Hausmeier zurückgehen.
Vielleicht gehen die ersten Ausbau – Maßnahmen noch Pippin zurück. Spätestens hat Karl schon in seinen ersten Regierungsjahren den Plan gefaßt, den Aachener Königshof zu seiner bevorzugten Pfalz auszubauen. Die Realisierung hat sich allerdings bis weit in das letzte Jahrzehnt des 8. Jh. hingezogen und war auch dann noch nicht vollständig abgeschlossen. Die baugeschichtliche Untersuchung der alten Pfalzkirche, des jetzigen Doms, passt zum überlieferten Weihedatum im Jahre 805. Die Aula Regia, das jetzige Rathaus, sowie die Wohnungen der Königsfamilie und der Höflinge dürften schon zuvor fertig gestellt worden sein. Außer dem sicherlich reichlichen, jedenfalls für das königliche Palatium ausreichenden Hofpersonal gab es im Umfeld der Pfalz Niederlassungen von Künstlern, von Handwerkern und von auf Fernhandel ausgerichteten Kaufleuten. Zur Versorgung des Hofes und der im Umfeld lebenden Menschen mit Gemüse, Obst und landwirtschaftlichen Erzeugnissen reichte natürlich nicht ein einzelner Garten neben den Wohngebäuden der herrscherlichen Familie (wie der kleine Karlsgarten vielleicht suggeriert), sondern war ein ganzes Netz an Nebenhöfen um Aachen herum erforderlich. Schon in karolingischer Zeit werden namentlich die Höfe in Seffent (Septem Fontes)und Schurzelt (Cirsuli) erwähnt.
Der königliche Hof lebte natürlich nicht in klösterlicher Abgeschiedenheit, sondern war über ein Wegenetz mit allen Orten des Reiches mehr oder weniger gut verbunden – wenn auch keineswegs mit heutigen Straßen vergleichbar. Einhard berichtet, man habe zweitausend Schritte von der Pfalz entfernt eine Brücke über den Wurmfluß. Ob diese mit der im 10. Jh. in einer Grenzbeschreibung des Aachener Wildbannes genannten Brücke bei Haaren identisch war, ist noch nicht geklärt. Der Genuß von Früchten bzw. Produkten von in Aachen nicht gedeihenden Pflanzen, kostbare Produkte aus fernen Ländern, diplomatische Missionen und die bekannten Boten (Missi) des Königs waren ohne ein nutzbares Wegenetz nicht denkbar. Wiederholt verreiste der König selbst – und zwar häufig samt Familie und Hofstaat. Es gab auch etliche Heerzüge. Das erforderte die Verbesserung der Verkehrsverbindungen zu den südlich gelegenen Pfalzen Worms, Frankfurt und Ingelheim. Hierzu wurde sogar bei Mainz eine Brücke über den Rhein geschlagen.
Karls Sohn Ludwig (der Fromme) nutzte Aachen mindestens ebenso lange wie Karl als feste Residenz. Deren Infrastruktur war ja zu seiner Zeit weitgehend fertig gestellt und für diese Zwecke also noch besser gerüstet. Der Zerfall des karolingischen Reiches nach Karl dem Großen und Ludwig dem Frommen wirkte sich nachteilig auf Aachen aus, das – wie zahlreiche andere Orte in jener Zeit – im Jahre 881 sogar den Überfall, die Plünderung und erhebliche Zerstörungen durch die Normannen hinnehmen musste.
Aachens Stern begann nach dem Dynastiewechsel von den Karolingern zu den sächsischen Ottonen jedoch wieder zu leuchten. Man hielt es im Jahre 936 im Sinne der Festigung der Legitimität des Königs für nützlich, die Krönung Otto I. am Sitz des in der Erinnerung alles überstrahlenden Kaisers Karl stattfinden zu lassen. Die Krönungsmesse und die feierliche Thronsetzung auf dem Thron Karls des Großen begründet eine lange Tradition von Krönungen am „richtigen Ort“. Im Mittelalter galten nur die Krönungen als wirksam, die auf dem Aachener Krönungsstuhl im Hochmünster vollzogen wurden. Das trug im Jahre 1248 der staufertreuen Stadt eine fast 8monatige Belagerung durch den als Gegenkönig gewählten Wilhelm von Holland ein. In der Goldenen Bulle von 1356 wurde gewissermaßen als Reichsgesetz festgeschrieben, dass die Wahl des Königs in Frankfurt stattfinde, seine Krönung in Aachen und der erste Reichstag in Nürnberg. Nach dem zuvor bereits erwähnten König Otto dem Großen folgten bis 1531 weitere 29 Könige. Die Krönungsstadt Aachen wurde insbesondere anlässlich der Krönungen reichlich mit Privilegien bedacht, wie auch die Krönungskirche wertvollste Gaben zu ihrer Ausstattung erhielt. Die Legende der angeblichen Gründung von Aachen als des Reiches Erzstuhl durch Karl den Großen selbst und ihre Bestätigung als Haupt des Reiches fand in gleicher Weise Eingang in die der Stadt verliehenen Privilegienurkunde Friedrich Barbarossas vom 9. 1. 1166 wie in die Umschrift auf dem von Barbarossa gestifteten Karlsschrein. So wie die Einschlagung des letzten Nagels in den vollendeten Karlsschrein durch seinen Enkel Friedrich II. im Jahre 1215 stattfand, musste sich die Stadt von diesem 1244 nochmals die Bestätigung ihrer Privilegien verbriefen lassen. Vermutlich hatte sich die 1166 zu ihren Gunsten erteilte Urkunde nicht als solche erhalten oder war nur als Notiz in den Büchern der Kanzlei vermerkt.
Urkunden und vor allem das Siegel (das sog. ältere Karlssiegel) verwahrte bis dahin der Dekan des Aachener Marienstiftes. In den Jahrhunderten mit geringer Präsenz der Könige in Aachen war allein das reich ausgestattete Stiftskapitel, dessen Mitglieder und insbesondere dessen Würdenträger (Propst und Dekan), die in der Regel aus dem Hochadel stammten, nach Ausbildung und Organisation in der Lage eine ordentliche Kanzlei zu führen. Die Pröpste waren im hohen Mittelalter ohnehin häufig zugleich Vorsteher der königlichen Kanzlei oder gar königliche Kanzler und als solche mit Reichsgeschäften befasst. Das Stiftsgebiet innerhalb Aachens unterstand bis zum Ende des Alten Reiches als sog. Münsterimmunität ihrer eigenen Verwaltung, von dem aus auch der umfangreiche und z.T. weit entfernte Streubesitz verwaltet wurde. Auch das Adalbertsstift und die Abteien Kornelimünster und Burtscheid waren gut dotierte königliche Gründungen. Nur das Salvatorkloster erlangte keine dauerhafte Verfügungsgewalt über das ursprüngliche Ausstattungsgut, was seiner Entwicklung im Vergleich zu den anderen Stiftungen sehr abträglich war.
Die den Staufern folgenden Könige hatten kein Interesse mehr an ihrem Besitz in und um den von königlichen Beamten verwalteten Aachener Königshof. Ab der Mitte des 13. Jh. überließen sie den „nostri fideles“ (sinngemäß: unseren treuen Bürgern) die Verwaltung des königlichen Ortes durch Schöffen, Rat und Bürgermeister. Die wirtschaftliche Entfaltung der Stadt wurde durch mit jeder Krönung erteilte weitere Privilegien nachhaltig gefördert. König Ludwig der Bayer bestätigte z.B. 1336 der Reichsstadt erstmals den rechtmäßigen Besitzes der Weiler und Dörfer um Aachen herum. Dieses reichsstädtische Territorium lag als sog. Aachener Reich inmitten einer beträchtlichen Anzahl weltlicher und geistlicher, zum Teil kleinster Territorien:  – die Reichsabteien Burtscheid und Kornelimünster,  – die Reichsherrschaft Wittem,  – das Sonnenlehen Schönau,  – das Herzogtum Limburg mit den Landen van Overmaas (insb. Herzogenrath oder Rolduc),  – die Herrschaft Vaals (faktisch ab 1632 zu den Generalstaaten gehörig),  – das Heydener Ländchen,  – die Herrschaft Schönforst  – sowie das Herzogtum Jülich (das auch die Herrschaft über das Heydener Ländchen und die Herrschaft Schönforst erlangte).

Wirtschaftlich waren die Tuchherstellung und ab dem späten 15. Jh. zunehmend die Messingherstellung sowie später die Nadelherstellung bedeutend. Da man Messing noch nicht als Metalllegierung erkannte, sondern nur für durch Zugabe von Galmei gelb gefärbtes Kupfer hielt, nannten sich die reichen Betriebsinhaber der Röst- und Schmelzöfen „Kupfermeister“.
Die reiche Ausstattung der Aachener Krönungskirche St. Marien mit Reliquien ließ ebenso wie die Grablege des 1165 heilig gesprochenen Kaisers Karl eine ab dem späten Mittelalter immer bedeutsamere Aachen-Wallfahrt entstehen. Ab 1349 empfing Aachen alle 7 Jahre für eine Woche im Sommer hundertausende von Pilgern aus ganz Europa. Namentlich der Zustrom von Wallfahrern aus den ungarischen Landen wird hervorgehoben. Für diese wurden eigens Seelsorger in ihrer Landessprache bestellt und eine eigene Kapelle errichtet (Ungarnkapelle).
Im Verlaufe des 15. Jh. gelang es den Burgunder Herzögen nach und nach die niederländischen Territorien mit Ausnahme der beiden Fürstbistümer Lüttich und Utrecht unter ihre Herrschaft zu bringen. In diesen beiden Bistümern drücken sie bei den Bischofswahlen aber Kandidaten aus ihrer Familie durch. Der Tod Herzog Karls des Kühnen 1477 läßt dieses Erbe für lange Zeit dem Hause Habsburg zufallen. Bei seiner Abdankung 1556 verfügt Karl V., dass die Niederlande zusammen mit Spanien und anderen Ländern seinem Sohn Philipp II. zukommen sollten. Aachen grenzte damit nun an das Reich der spanischen Krone. Nach dem spanischen Erbfolgekrieg fielen die Niederlande dann 1714 an Habsburg-Österreich.
Im 16. Jh. gewann die Reformation durch Glaubensflüchtlinge aus den Niederlanden zunehmend an Boden. Offiziell erklärte sich Aachen gegenüber dem Kaiser und auf den Reichstagen von 1530 und 1555 für altgläubig (katholisch). 1581 kam es aber zu einer protestantischen Mehrheit bei den Ratswahlen. Das „Ius Reformandi“(d.h. das Recht als Reichsstand nach eigenem Belieben den Glauben zu wechseln) wurde der Reichsstadt Aachen streitig gemacht. Nach langer Gegenwehr wurde die Reformation durch Reichsacht unterdrückt, die 1598 vollzogen wurde. Die 1611 unter Tumulten wieder aufgestandene Reformation wurde 1614 erneuten nieder geschlagen. Jetzt fielen die Sanktionen noch schärfer aus. Viele Tuchmacher und Kupfermeister wanderten nach Eupen, Monschau und Stolberg ab. Die Vertreibung bzw. der Wegzug von vermutlich mehr als einem Drittel der Bevölkerung war aus wirtschaftlicher Sicht ein Aderlaß, von dem sich Aachen kaum erholte. Das Unglück wurde durch den Großen Stadtbrand von 1656 aufs Extremste gesteigert. 90 % der Stadt lagen in Schutt und Asche.
Mit der Wiederbelebung des Badelebens stieg die Stadt langsam wieder gewissermaßen als Phönix aus der Asche. Moderne Badeärzte wie Dr. Franziscus Blondel propagierten statt der tradierten Badekur nun die Trinkkur. Wesentliches Element dieser Therapie waren Promenaden (Spaziergänge) auf Plätzen und in Parks. Mit dem Wiederaufbau Aachens gingen aufwendige barocke Neubauten einher, die Aachen zum Modebad der Reichen und der Adeligen Europas machte.
Damit waren zugleich die Voraussetzungen geschaffen, gleich zwei Mal bedeutende Friedenskongresse nach Aachen zu holen (1668, 1748). Parallel zu diesem langsamen Aufschwung erholte sich das Gewerbe. Insbesondere die anfangs noch protoindustrielle Nadelherstellung bekam mit und mit Weltgeltung.
Der Export der Revolution aus Frankreich führte 1794 faktisch und seit einem geheimen Zusatzartikel im Frieden von Campo Formio von 1797 auch verfassungsrechtlich zur Eingliederung der Rheinlande nach Frankreich. Der wirtschaftlichen Entwicklung kamen die Aufhebung alter Zunftschranken und der bürgerlich-rechtlichen Hemmnisse für Juden und Protestanten sehr zugute. Aachen wurde unter ihrem französischen Namen „Aix-la-Chapelle“ Hauptstadt des Départements de la Roer (Rurdepartement) mit dem Sitz zentraler Behörden und auch eines Bischofs. Die meisten der rund 30 Klöster und Beginenhöfe wurden aufgehoben. Die Verkaufserlöse wurden vom französischen Staat vereinnahmt.
Unter preußischer Krone entwickelte sich Aachen weiter recht dynamisch als Bade- und Industriestadt, litt aber auch mehrfach -wie das ganze Land – unter Rezessionen und Unruhen. Eine preußische Garnison wurde zunächst in den zu französischen Kasernen umfunktionierten ehemaligen Klöstern in der Altstadt eingerichtet. Im Zuge der Stadterweiterungen des 19. Jh. wurde die Garnison später in die gelbe und in die rote Kaserne verlegt. An die Stelle des französischen Gouverneurs trat der preußische Regierungspräsident. Für ihn baute Cremer am Elisengarten einen Palais und am Theaterplatz ein neues Regierungsgebäude, das im gleichen klassizistischen Stil wie das 1825 eröffneten Stadttheater errichtet wurde.
Die Vertreter unserer Stadt konnten sich 1839 bei der ersten internationalen Eisenbahnstrecke Köln-Antwerpen für eine Trassierung über Aachen durchsetzen. Die Schienenverbindung von Aachen nach Maastricht bestand eher als die von Maastricht nach Den Haag und Amsterdam. Dem Bau des Rheinischen Bahnhofs folgte die Verlegung des Hauptzollamtes an den Bahnhof, dem – zusammen mit seinem belgischen Korrespondenten – ersten Grenzbahnhof der Welt. Mit der Niederlegung des bis dahin genutzten ehemaligen Ursulinenklosters wurde der Weg zur Anlegung eines Kurgartens hinter dem Elisenbrunnen frei. Dieser wurde 1827 von Cremer gebaut. Wie beim Theater nahm Schinkel Einfluß auf die Gestaltung.
Am Tage der Huldigung der Rheinlande anläßlich der 50jährigen Zugehörigkeit zu Preußen wurde in Gegenwart König Wilhelm I., seiner Gemahlin und des Kronprinzenpaares 1865 am Templerbend der Grundstein zum Königlichen Polytechnikum gelegt (jetzt Rheinisch-Westfälische Hochschule Aachen – RWTH).
Wenn Aachen auch bei der industriellen Entwicklung und der Zunahme der Bevölkerung in der zweiten Hälfte des 19. Jh. von mehr und mehr Städten an der Rheinschiene und im Ruhrgebiet überflügelt wurde, verzeichnete es bis zum I. Weltkrieg eine stetige positive Entwicklung. Die Montanindustrie entwickelte sich in der ganzen Region. Aachen wuchs um Burtscheid (1897) und Forst (1907).Es gab Innovationen bis hin zum Eisenbahnbau (Talbot), Fahrzeugbau (Fafnir, Scheibler, Mannesmann) und Flugzeugbau (Hugo Junkers). Im Umfeld von Prof. Wüllner und Sommerfeld gab es an der TH vier Nobelpreise (Starke, Lenard, Wien, Debye).
Der verlorene I. Weltkrieg brachte für Aachen wie für das gesamte Rheinland einen empfindlichen Rückschlag. Die Kreise Eupen und Malmedy als Hinterland wurden belgisch. 1923 gab es Hungerrevolten und einen separatistischen Aufstand. Das Rheinland blieb bis 1928 militärisch besetzt. Das Badeleben und die Industrie brachen zusammen. Die Arbeiten am als Hotel geplanten „Hochhaus“ am Bahnhof standen fast 10 Jahre still und drückten als eine weithin sichtbare Bauruine auf die Stimmung. Erst nach 1930 wurden die Arbeiten – nun zur Schaffung eines neuen Verwaltungsgebäudes – wieder aufgenommen.
Vor dem Hintergrund dieser negativen Erfahrungen begriffen zu viele Bürger die „Machtergreifung“ am 30.1.1933 in Berlin zu spät als Beginn einer verbrecherischen Diktatur. Die Machtergreifung setzte sich rasant und rücksichtslos in den Ländern, Provinzen, Kreisen und Städten fort. Sie wurde in den 30er Jahren bis zu völligen Gleichschaltung weiter geführt. Die angefeindeten Juden wurden auch in Aachen mit zunehmende Härte ausgegrenzt, beraubt, häufig auch körperlich verletzt, der beruflichen Existenz beraubt, vertrieben und schließlich in die Massenvernichtungslager verschleppt. Im II. Weltkrieg war Aachen wie alle deutschen Großstädte wiederholt das Ziel alliierter Bomber. Aachen war einer der Orte, von denen aus am 10. Mai der Angriff auf die Niederlande, Belgien und Frankreich stattfand. In der Nacht vom 12. auf den 13.9. 1944 erreichten die ersten amerikanischen Panzer den Aachener Stadtwald und rückten damit zum ersten Male in das Stadtgebiet einer deutschen Großstadt ein. Die Eroberung zog sich nach der großräumigen Einkreisung und dem Vorrücken von Osten her bis zum 21. 10. 1944 hin. Damit stiegen die bereits durch verschiedene Bombenangriffe verursachten Zerstörungen auf etwa 80 % des Baubestandes.
Aachen unterstand damit mehr als ein halbes Jahr vor der allgemeinen Kapitulation Deutschlands der amerikanischen Militärverwaltung und konnte entsprechend früher mit dem Wiederaufbau beginnen. Dadurch bedingt ereigneten sich manche Nachkriegsereignisse erstmals in Aachen wie z.B. die Herausgabe einer nicht von der NSDAP zensierten Zeitung, die Gründung einer freien Gewerkschaft, der Postversand mit „AM“- Marken. Aachens erster von den US-Truppen ernannter Oberbürgermeister Franz Oppenhoff wurde am 25. März 1945 das Opfer des Mordanschlages eines von Himmler befohlenen Wehrwolfkommandos.
Die Entwicklung der Nachkriegszeit ist gekennzeichnet von starkem Wachstum:  – Bevölkerungswachstum – Wachstum beim Bau von Wohnungen und Verkehrsanlagen – Wachstum der Zulassungszahl von Fahrzeugen – Enorme Ausweitung der bebauten oder besiedelten Flächen – Wachstum der RWTH und der FH sowie entsprechender Studentenzahlen – Ausbau der Bildungseinrichtungen

und gegenläufigen Entwicklungen: – Einstellung des örtlichen Schienennahverkehrs – Rückbau von Bahntrassen – Abwandern des Einzelhandels und kleiner Betriebe auf die „Grüne Wiese“ insb. am Aachener Kreuz im Stadtgebiet Würselen – Veränderung des Freizeitverhaltens (Tanz, Kinos usw.) zugunsten neuer privat genutzter Medien – Minderung der kirchlichen oder weltanschaulichen Bindungen – Wegfall der Grenzkontrollen – Wegbrechen der „klassischen“ Industrien  – und der privat bezahlten Badekuren  – Auflösung der Regierung Aachen – Eingemeindungen – neue Kreiseinteilung  – Bildung der Städteregion Aachen

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