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Gediegene Eisenmasse, Rennfeuersau, Metereorit oder was ???

1762 zum ersten Male ausgegraben ruht das ca. 3 to schwere Eisenstück still und unverrückbar in der Schinckelstraße in der kleinen Grünanlage vor der Westfassade des RWTH-Hauptgebäudes.

1829 schrieb Christian Quix in seiner historischen Topograhie Aachens (S. 122) über die von ihm so genannte „gediegene Eisenmasse“:
„Als man im Jahre 1762 in der Büchelstraße das Pflaster ausbesserte, bemerkte der kursächsische Leibarzt D. Löber, der damals den sächsischen Prinzen Karl Maximilian nach Aachen begleitet hatte, eine unförmliche Masse hervorragen, die mit einer braunen Rinde umgeben war, woran man an einer Seite , wo die Rinde abgestoßen, etwas metallisch Glänzendes wahrnahm. Hr. Löber ließ sie ausgraben und ausmessen; ihre Schwere wurde auf 15 – 17.000 Pfund bestimmt. Die Masse lag nun ein paar Jahre offen auf der Straße; dann wurde sie wieder in die Erde vergraben. ... Sie wurde im Jahre 1814 wieder ausgegraben; man begann damit den 3. Oktober, und den 4. November wurde sie in Gegenwart des damaligen General-Gouverneurs Herrn Sack und anderer Behörden zu Tage gefördert. Sie liegt jetzt im Hofe des Regierungsgebäudes.“

Dazu ist anzumerken, daß Preußen die ihm durch den Wiener Kongress zugesprochenen Rheinlande erst im April 1815 definitiv in Besitz nahm. Nach der Rückeroberung dieser deutschen Territorien bestand bis zur endgültigen Niederwerfung Napoleons vorübergehend das von Aachen aus durch Sack verwaltete Generalgouvernement des Niederrheins. Als Sitz der Regierung übernahm man den Londoner Hof (der durch Bürgermeister Frhr. Lambert von Cortenbach errichtete Mefferdatisbau Kleinkölnstraße Nr. 18), in dem zuvor der französische Gouverneur zuvor residierte.

Man schenkte dieses merkwürdige Objekt der technikgeschichtlicher Forschung dem Königlichen Polytechnikum (etzige RWTH) zu seiner Eröffnung im Jahre 1870.

Ende des 18. Jh. gab es in damaligen Wissenschaftsjournalen eine Diskussion, ob die vielfältigen Berichten über vom Himmel gefallene Steine (daher Aerolithen, heute Metereoriten) auf Aberglauben beruhten oder den Tatsachen entsprächen. Die Naturwissenschaftler hielten den Einschlag von Himmelskörpern auf der Erde lange für unmöglich, mußten sich aber schließlich durch gut bezeugte Beobachtungen doch überzeugen lassen. Auch der Aachener Brocken wurde als ein potentieller Metereorit angesprochen, der schon wegen seiner Größe als sensationell empfunden wurde. Noch in der französischen Zeit Aachens hatte der Pharmazeut und Chemiker Johann Peter Joseph Monheim den Stadtschreiber und Architekten Jakob Couven (1735 – 1812) nach den Umständen der Bergung des Brockens befragt.

Nach der Zuordnung der Rheinlande zu Preußen wandte sich die Universität Berlin an Generalgouverneur Sack, der eine Ausbildung als Naturwissenschaftler genossen hatte und dessen Interesse an der Sache man deshalb leicht wecken konnte. Monheim wurde mit der chemischen Analyse beauftragt, die noch 1814 veröffentlicht wurde und die Grundlage seiner Promotion im folgenden Jahre durch die Universität zu Göttingen wurde.

Bei seiner und bei weiteren Analysen fiel der hohe Gehalt an dem hochgiftigen Arsenwasserstoff auf, der bei der Analyse unter den damaligen Laborbedingungen ohne Abluftabzug als Gas in den Raum entwich und mehreren der wißbegierigen Wissenschaftler gesundheitliche Schäden zufügte [s. Felix Monheim, Johann Peter Joseph Monheim 1786 – 1855, Aachen 1981, S. 47 ff.].
Downlod des Berichtes von 1818

Nach der Schenkung des Eisenbrockens an die Aachener Hochschule wurde diese von Prof. Andreas Arzruni untersucht. Er deutete das Objekt als „Rennfeuersau“ (Verhüttungsrelikt aus einem vormodernen Verhüttungsofen) und plädierte für eine Datierung in römische Zeit.

Der in Aachen geborene und in Bonn tätige Laurenz Lersch war einer der ersten Archäologen, die Gelegenheit hatten, die Büchel- oder Kaisertherme vor Errichtung des neuen Kaiserbadgebäudes Ende des 19. Jh. zu untersuchen.
Auszug aus Lersch, Ruinen der Römertherme, Aachen 1878

Der Lageplan aus dem Grabungsbericht

2001 wurden die ausdehnten Reste der römischen Therme bei Bauarbeiten jenseits der Buchkemerstraße wieder angetroffen und in diesem Jahre 2008 an der Ursulinerstraße beim Abbruch von RADIORING.

Lersch fand in der römischen Therme eine größere Menge von Eisenschlackebrocken und veranlaßte ebenfalls deren chemische Analyse. Wieder wurde ein hoher Arsengehalt ermittelt.
In der Zeit des Wiederaufbau der Innenstadt nach dem Krieg griff die Aachener Volkszeitung das Thema noch zwei Mal auf. Der erste Artikel stammt sogar aus der Feder des bekannten Aachener Chronisten Will Hermans.

Wir fragen uns heute, handelt es sich um Eisenverhüttungsrelikte aus der gleichen Provenienz ?
Ist die Datierung in römischen Zeit noch zu halten, wenn die gleiche Schlacke oberhalb der römischen Thermenruine gefunden wurde?
Darf angesichts der üblicher weise mit einer Eisenverhüttung einher gehenden Emissionen, derentwegen man Rennöfen oder Hochöfen möglichst nicht siedlungsnah anlegte, eine Datierung in eine Zeit nach Wiederherstellung des Kaiserbades für den karolingischen Hof in Betracht gezogen werden?
Eine Antwort könnte die archäometrische Untersuchung der „Rennfeuersau“ in der Schinckelstraße liefern.