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Aachener Geschichtsverein
 
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Firmenjubiläen wecken Erinnerungen an das alte Aachen.

Gerade die aktuellen Umbrüche im Einzelhandel und im Versandhandel zeigen, daß es für das Über- und Weiterleben der Unternehmen im wirtschaftlichen Sinne darauf ankommt, auf dem Markt gut präsent zu sein. Das scheint bei der aktuellen Filiale des sein Jubiläum feiernden Konzerns in Aachen nach der Vergrößerung und Modernisierung durchaus der Fall zu sein.
Man darf aber durchaus darüber nachdenken, wie sich die Innenstadtentwicklung vollzogen hätte, wenn das alte Tietz-Gebäude noch am Markt stünde. Sicherlich sprengte es – übrigens ebenso wie das etwa zur gleichen Zeit gebaute Pützersche Verwaltungsgebäude hinter dem historischen Rathaus – die gewachsenen historischen Proportionen. Die Städtebauer und Planer der 50er und 60er Jahre hielten diese Architektur im historistischen Baustil nicht ganz zu unrecht für maßlos und für Fremdkörper in der Umgebung bedeutsamer Baudenkmäler, die aber gleichwohl – heute eher noch mehr als vor 50 Jahren – von der Bevölkerung als attraktiv empfunden wurden und werden. Diese Gebäude waren immerhin auch Zeugnis für eine historische Epoche und für deren Selbstdarstellung in Großbauten.

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Alte Postkarten zeigen, daß „der Tietz“ schräg gegenüber dem historischen Rathaus ein durchaus ansehnliches Gegengewicht gegen die gemessen an der Größe des Marktes ein wenig übergewichtige Nordfassade des historischen Rathauses war.

Er zog ein großes Publikum an. Auch vor seinen Toren fand ein lebhaftes Markttreiben statt. In diesem Gebäude und an diesem Standort wäre der Mutterkonzern in Aachen sicherlich mindestens so gut „am Markt geblieben“ wie in der Adalbertstraße. Die Verlagerung des Einzelhandelsschwerpunktes in diese Straße als solche ist aber inzwischen ebenfalls Geschichte und die Entwicklung nicht mehr umkehrbar.

Die Jubiläen der Unternehmens- und Filialgründungen hat in vielen Städten auch Kritik am Umgang der Kaufhof AG im Umgang mit der „Arisierung“ in der NS-Zeit hervorgerufen.

Der Sohn des Unternehmensgründers, Alfred Leonhard Tietz, und dessen Partner Julius Schloss erkannten frühzeitig den (Un)geist der Zeit. Die von der SA organisierten massiven Boykottmaßnahmen „jüdischer“ Geschäfte und der darufhin eingetretene Verfall des Börsenkurses von 300 auf 11 Punkte veranlaßten sie, sich frühzeitig und „freiwillig“ aus dem Vorstand der Aktiengesellschaft zurückzuziehen und ihre Anteile zu dem im Verhältnis zum realen Wert viel zu niedrigen Kurswert an die drei Großbanken (Commerzbank, Dresdener Bank, Deutsche Bank) abzutreten. Die Familie Tietz floh in die Niederlande und später nach Palästina.

Gleichwohl hetzte der „Stürmer“ in Wuppertal weiter gegen das in Kaufhof AG umbenannte Unternehmen. Die Gewinne aus dem Warenhaus flössen weiterhin verdeckt in „jüdische Taschen“. Erstaunlicherweise konnte die Kaufhof AG gerichtlich einen Widerruf gegen den „Stürmer“ durchsetzen. Sie mußte allerdings nachweisen, daß die vormaligen jüdischen Aktionäre, die jüdischen Mitglieder in den Organen und die jüdischen Mitarbeiter der Gesellschaft restlos verdrängt waren und daß diese auch keinen Pfennig mehr von der Kaufhog AG bekämen.

Diese „freiwillige Arisierung“ mag ohne physische Gewalt abgegangen sein. Ohne den erpresserischen Druck des NS-Regimes wäre dieser „Verzicht“ auf das bedeutende Wirtschaftunternehmen ohne eine angemessene Abfindung allerdings undenkbar gewesen.