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Die VIA REGIA oder Aachen-Frankfurter-Heerstraße zwischen Maas und Rhein

Eine sächsische Landesausstellung in Görlitz im Jahre 2011 befasste sich mit der historischen VIA REGIA (= Königsstraße) zwischen Breslau und Leipzig.

Internetseite der VIA-REGIA-Landesausstellung 2011

Der Europarat hat 2007die Königsstraßen ähnlich den Jakobspilgerwegen als europäische Kulturstraßen anerkannt. In Erfurt betreibt das Netzwerk VIA REGIA eine eigene Internetseite,

Internetseite des VIA-REGIA-Netzwerkes

auf der man den Streckenverlauf der einzelnen Königsstraßen ersehen kann und vielfältige Informationen angeboten bekommt.

[Karte der VIA REGIA von Maas über Aachen, Düren, Sinzig, Mainz und Ingelheim nach Frankfurt; auch Aachen-Frankfurter-Heerstraße genannt]

In einige Karten der frühen Neuzeit ist der Verlauf der Straße von Maastricht bis vor Düren schon ohne gravierende geographiasche Fehler eingetragen – nachfolgend als Beispiel ein bearbeiteter Ausschnitt aus der Karte „Limburgensis Ducatus Tabula Nova“ des Aegidius Martin von 1603:

Die steil aus der Aachener Altstadt nach Westen führende Königsstraße lässt heute kaum noch erkennen, dass sie einst Bestandteil eines bedeutenden Wegenetzes war. Die Bezeichnung „VIA REGIA“ kommt erstmals in eine Urkunde vom 24.2.1234 vor, mit der Papst Gregor IX. allen Wohltätern für die Aussätzigen Aachens einen 40tägigen Ablaß versprach. Es sei das traurige Los dieser armen Kranken, in der Leproserie von Aachen nahe der Königsstraße bleiben zu müssen („iuxta Aquis in via regia“). Der päpstlich benannte Ort ist das Gut Melaten westlich von Aachen.

Der historische Straßenname „Königstraße“ hat weniger etwas damit zu tun, dass auf ihr des öfteren Könige reisten, was eher für die nach Osten aus Aachen heraus führende Straße zutraf. Sie standen vielmehr unter Königsschutz, so wie Fernstraßen heute als Bundesstraßen klassifiziert sind.

Die historische Straße vom Stadtzentrum Aachen bis zur Grenze in Lemiers ist zwar erhalten geblieben, hat aber nicht einmal mehr die Funktion einer innerörtlichen Verbindungsstraße. In Höhe des Uniklinikums verlässt man an Gut Melaten, dem historischen Hospital für Aussätzige mit eigener Kapelle und noch als Bodendenkmal erhaltenem Friedhof, das Stadtgebiet ….

Abb 1. Gut Melaten in Aachen; zwischen dem Kreuz und den Resten der romanischen Kapelle liegt das Bodendenkmal Leprosenfriedhof

... und geht oder fährt mit dem Rad am Golfplatz vorbei über den nicht all zu hoch liegenden „Paß“ zwischen dem Schneeberg und dem Wachtelkopf hinunter nach Lemiers.

Abb 2. Alt-Lemiers von Deutschland aus gesehen

Abb 3. Katharinakapelle von Lemiers

Abb 4. Altaachener Grenzstein, ursprüngl. an der Grenze im Senserbach

Abb 5. Schloß Lemiers/ Kasteel Genhoes

Jenseits des die Grenze bildenden Senserbaches geht der Weg weiter nach Vijlen und Gulpen. Von Gulpen an ist der historische Weg über Scheulder, Wolfshuis, Gasthuis, Bemelen und Scharn bis nach Maastricht als Radweg ausgeschildert. Moderne Entwicklungen haben den Verlauf der historischen Trasse nur wenig verändert. Wer diesen abseits gelegenen Weg fährt, wird durch wunderbare Landschaftserlebnisse und gepflegte alte Dorfbilder belohnt.

Der Verkehr, insbesondere der in Richtung Osten, wird heute aber über völlig neue Hauptstraßen oder gar Autobahnen geführt.

Östlich von Aachen ist der historische Weg als Aachen-Frankfurter Heerstraße bekannt, die seit karolingischer Zeit die bevorzugten Königspfalzen in Aachen, Ingelheim und Frankfurt verband. Im Mittelalter gab es auf diesem Wege etwa 30 Krönungszüge vom Ort der Königswahl (Frankfurt) zum Ort der Königskrönung (Aachen). Das ganze Mittelalter hindurch fehlte es darüber hinaus nicht an weiteren Anlässen für die Könige, Aachen zu besuchen – und zwar zumeist auf diesem Wege.

Einige Abschnitte der Straße gehörten auch zum Netz der Pilgerstraßen nach Santiago de Compostela. Seit dem 14. Jh. entwickelte sich die Pilgerfahrt nach Aachen zu einer der bedeutendsten Wallfahrten Europas, deren 7jähriger Turnus mit den Wallfahrten zu anderen Orten der Region wie Düren Kornelimünster, Maastricht und Susteren korrespondierte. Päpste und Erzbischöfe spendeten Ablässe zur Finanzierung von Brücken z.B. über die Mosel oder beanstandeten z.B., dass Gastwirte an den kirchlich betriebenen Gasthäusern das Gerät zur kostenlosen Entnahme von Brunnenwasser für Pilger entfernten. Über die Straße von Aachen über Düren an den Rhein nach Sinzig, die gegenüber der Trasse über Köln mindestens einen Tag Reisezeit ersparte, zogen natürlich auch Händler sowie reitende Boten mit ihrer Post.

Stadterweiterungen, Intensivlandwirtschaft, Flurbereinigung, große moderne Verkehrsbauten, Tagebaue und ausgedehnte Industriegelände machen es leider unmöglich, über größere Strecken hinweg akribisch genau der historischen Trasse zu folgen. Die ausgeschilderte NRW-Radwegeroute folgt jedoch in etwa der authentischen alten Straße. In Aachen-Haaren verläßt man das Stadtgebiet über die Würselener Straße und den Alten Kaninsberg (abgeleitet von Koningsberg=Königsberg). In Würselen verläuft die historische Trasse über eine ruhige, für Radfahrer ideale Nebenstrecke: Mauerfeldchen, Salmanusstraße, Dommerswinkel, Helleter Feldchen.

Abb 6. – 8. Das Erscheinungsbild der Höfe:

Backstein mit Blausteingewänden

oder weiß geschlämmt

oder altes Fachwerk

Auf der Höhe der Abzweigung der Eschweilerstraße von der parallel verlaufenden Jülicherstraße (B 264) muß man darauf achten, den Weg in Richtung Eschweiler-Merzbrück durch das schmale Adenawgäßchen (nicht beschildert) vorbei am barocken Hof Adenaw zu finden.

Abb 9. Haus Adenaw, Würselen –Broichweiden, alter Grenzpunkt

Abb 10. Altaachener Grenzstein an der ehemaligen Ostgrenze des Aachener Reiches (Übergang in das Herzogtum Jülich, der kleine Stein befindet sich vermutlich noch in situ auf dem Hof von Gut Adenaw)

Abb 11. Der große Stein wurde nachträglich in der Grünanlage aufgestellt und trägt auf Vorderseite den Aachener Adler und auf der Rückseite den Jülicher Löwen.

Von hier aus verlief früher einmal der Weg direkt auf das Dorf St. Jöris zu. Heute muß man erst einmal die Autobahn unterqueren und kann in Höhe des Flugplatzes Merzbrück nach links in den Wirtschaftsweg einbiegen, der schnurgerade bis zum Knotenpunkt 78 führt.

In St. Jöris fährt man an einigen alten Höfe mit großen zur Straße hin gelegenen Toren vorbei und entdeckt nahe der neugotische Pfarrkirche auf der gegenüberliegenden Seite des Dorfangers die Reste des dem Hl. Georg geweihten Zisterzienserinnenklosters.

Abb 12. Das ehemalige Kloster St. Jöris

Im Dorf Kinzweiler überraschen die inzwischen zu Wohnungen umgebaute alte Merzbach-Mühle und das barocke Haus Kambach (Sitz des Golfclubs). Die beiden frühmittelalterlichen Burgen (Motten) an der Mühle und der St. Blasiuskirche entdeckt nur, wer Fachmann ist oder besonders darauf hingewiesen wird.

Abb 13. Die Blasiuskirche von Kinzweiler (Die angrenzende Motte ist als Kalvarienberg hergerichtet worden.)

Der historische Weg führte an der Kinzweiler Burg vorbei über Hehlrath und Dürwiß nach Weisweiler. Reizvoll und auf Radwegen gut erreichbar liegt ein wenig nördlicher der Blausteinsee, ein für Badegäste und Wassersportler verfüllter ehemaliger Braunkohletagebau.

Abb 14. Der Blausteinsee

Den historischen Weg findet man wieder jenseits der Brücke der Aldenhovenerstraße über die BAB A 4 (westlich Kraftwerksgelände Weisweiler)

Abb 15. Kraftwerk Weisweiler

und kann diesem über Langerwehe und Geich bis Mariaweiler folgen.

Der etwas weiter nördlich verlaufende Radweg führt an der „Alten Burg Weisweiler“, in dessen Mauern einer der Soldatenfriedhöfe für die Opfer der Schlacht im Hürtgenwald und eine Gedenkstätte eingerichtet ist, und an Haus Palandt, einer vierflügeligen Hofanlage im Renaissancestil, vorbei.

Abb 16. Haus Palandt, Weisweiler

Das vielleicht älteste und ursprünglichste Denkmal an der Strecke ist die dem Hl. Nikolaus geweihte ehemalige Gasthauskapelle von Geich.

Abb 17. Die Kapelle

Abb 18. Als Kantenstein fand eine Spolie mit einem Herkules-Relief Wiederverwendung, das vermutlich von einen römischen Viergötterstein stammt.

Die Rur quert man bequem über die Brücke bei Birkesdorf oder näher an der historischen Trasse über die stillgelegte Eisenbahnbrücke mit begleitendem Geh- und Radweg bei Mariaweiler und folgt dem Rurradweg bis Düren, wo seit dem Mittelalter das Haupt der Hl. Anna als Reliquie verehrt ist und wie Aachen Ziel einer siebenjährigen Wallfahrt ist.

Abb 19. Das Heiligenrelief aus der im II. Weltkrieg zerstörten und modernen wieder aufgebauten Annakirche

Zum weiteren Wegeverlauf zwischen Düren und Sinzig hier nur die geschichtlich belegten Zwischenstationen: Velden, Sievernich, Wichterich, Wüschheim, Großbüllesheim, Essig, Oberdrees, Rheinbach, Klein-Altendorf , Eckendorf, Landskron, Bodendorf

Heimat- und Geschichtsvereine überlegen, diesen Weg mit VIA REGIA – Aufklebern von 10×10 cm Größe ähnlich den Wegweisern der Jakobspilgerwege auszuweisen. An den Radwegweisern des NRW-Radwegnetzes könnte man entsprechenden Ansteckschildchen anbringen und an ausgewählten Orten Informationstafeln aufstellen, wie sie jetzt schon z.B. an der Nikolauskapelle von Geich oder am hergestellten Wanderweg des Eifelvereins in Bad Bodendorf stehen. So wie der Eifelverein schon einen Abschnitt in seine Wanderkarten eingearbeitet hat, könne der ADFC Anstoß zur Ausweisung des historischen Weges in Radwegekarten geben.

Codemarker nach dem QR-Codesystem (Quick Response) können den Besitzern von internetfähigen Mobiltelefonen jederzeit die im Internet hinterlegten Informationen zugänglich machen. Das in Aachen für die Route Charlemagne entwickelte „Aixplorer“ – System mit eigenen Geräten und von einem Server aus abrufbaren Informationen könnte mit in das Netz einbezogen werden.

[Der Beitrag ist die überarbeitete Fassung eines Beitrages in der Zeitschrift „Luftpumpe“ des ADFC Aachen Heft 3/2011, S. 23 – 25.]

zu unserem ersten Online-Beitrag über die VIA-REGIA

zu unserer Online-Fortsetzung über die VIA-REGIA, Abschnitt Düren-Sinzig

Zur Beschreibung des Abschnittes Antwerpen-Aachen