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Der "Klenkes" (kleiner Finger)

.... darf ich mich mit einer Frage an Sie wenden ?  – Wann der „Klenkes„ als Gruß entstanden ist? Im Mittelalter, in der Zeit der Verleger oder in der Industrialisierung?  – Kommt er vom Arbeitsvorgang des Sortierens oder auch vom Aushacken?  – Hatten die Kinder aufgrund der Arbeit missgebildete Finger? Und haben so ein „Armutszeichen„ zu einem „Ehrenzeichen„ umfunktioniert?

In einem Frauenmagazin von 1782 (Nachdruck Fa.Schmetz Herzogenrath) werden diese Fragen von einem Prof. Sander aus Karlsruhe recht instruktiv beantwortet.

Demnach ist die Nadelherstellung schon zur reichstädtischen Zeit fabrikmäßig mit einem erheblichem Anteil an Kinderarbeit betrieben worden: „Zu gar vielen Arbeiten bei Verfertigung der Nadeln kann man auch die kleinsten Söhne und Töchter brauchen. Aber Schade ist, wenn diese liebenswürdigen Kinder in frühen Jahren ihre Augen anstrengen und sie dadurch abnüzen müssen. ... “ Der Sortiervorgang dürfte wohl ganz in den Händen – um nicht zu sagen: ganz im kleinen Finger (=Klenkes)- der Kinder gelegen haben. Beim Sortieren mußten sie sowohl die mangelhaften Stücke aussortieren, wie aber auch die Nadeln nach Größe und Zahl sortieren, damit sie dann in Päckchen à 100 oder 1000 Stück abgepackt werden konnten.

Jüngere Forschungen haben ergeben, daß hinter dem zeitgenössischen Bericht u.U. Konkurrenzneid steckte. Daß damals Kinderarbeit bestand, ist immer noch unbestritten. Das Prüfen und Sortieren der Nadeln bei der Endkontrolle in den Nadelfabriken erforderte jedoch schon rein physisch Handgriffe und daneben auch solche Erfahrungen und Kenntnisse, daß damit kleine Kinder(hände) überfordert waren.

Da der Gruß eigentlich erst als Erkennungszeichen untereinander außerhalb von Aachen Sinn macht, ist zu vermuten, dass der Klenkes-Gruß erst im 20 Jh. entstanden ist. Der Karneval kann so etwas initiieren und als Brauchtum verfestigen.

Der Kataloge der Fa. Rheinnadel von 1995 enthält am Schluß in englischer, spanischer und chinesicher (?) Sprache eine 57seitige, illustrierte „History oft he needle“. Hieraus sind folgende Daten entnommen:

1513 erstmalige besondere Erwähnung der Nadelmacher in Aachen in der Zunft der Drahtzieher und -schmiede

1566 läßt sich ein Aachener Nadelmacher (Elias Krause) in London nieder.

11.8.1584 die Nadelmacher in Aachen erhalten eine eigene Zunftrolle.

3.11. 1615 die „spanischen“ Nadelmacher in Aachen , die Nadeln aus Stahldraht fertigen, erhalten die Zunftrolle.

30. Mai 1626 spezielle Handelsmarken werden eingeführt (es gibt 46 Marken).

Mitte des 17. Jh. gelten Quirin Chorus und sein Sohn als (weltweit) größte Nadelmacher; ein weiterer bedeutender Nadelmacher ist Goddart Pastor in Burtscheid.

1698 Der hl. Quirinus wird Patron der Aachener Nadelmacher.

1730 die Nadelfabrik Beissel wird gegründet.

1801 wird die Nadelfabrik von Jeker für 250 Arbeiter (davon 225 Kinder zwischen 4 und 12 Jahren) gebaut. Die Maschinen können durch Kinder bedient werden. Jährliche Produktion über 1 Mio. Nadeln. 1807 gibt es in Aachen 17 Nadelfabriken mit 7.500 „Arbeitern“ (darunter viele Kinder).

Nadelfabrik Stephan Beissel Witwe sel. & Söhne

(s.a. Gasper, Margot, Kleiner Fingerzeig mit großer Geschichte, Aachener Nachrichten vom 19.07.2008; zur Gewerbegeschichte s. Bruckner, Clemens Zur Wirtschaftsgeschichte des Regierungsbezirks Aachen, Köln 1967, S. 184 -193)