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Der Große Stadtbrand zu Aachen im Jahre nach der Geburt unseres Heilands 1656

Das Chrongramm

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enthält die römische Zahl „MDLLLVI“, die der Jahreszahl 1656 entspricht.

Jokob Masenius, Vorsteher des Aachener Jesuiten-Kollegs war überzeugt, daß hinter der lateinischen Bezeichnung für „Geissel Gottes“ nicht zufällig das Chronogramm auf das Jahr 1656 verbergen konnte. Das mußte doch ein Fingerzeig Gottes, eine Warnung und eine Strafe für das sündhafte Aachen gewesen sein (s. K.F. Meyer, Aachensche Geschichten, Mühlheim am Rhein 1781, S. 656). Karl Franz Meyer glaubte die Strafe des zornigen Gottes schon bei den früheren überlieferten Stadtbränden erkennen zu können (jeweils zitiert nach den Aachensche Geschichten von 1781=):

S. 249  – 1146 …. und zu diesem Jammer gesellte sich noch ein anderer, indem der Brand große Verwüstungen anrichtete; zum Glück, daß die Kaiserliche Gutthätigkeit diesen Schaden noch ziemlich ausbesserte.

S.277  – 1224, 1.8.,.. so wäre es zudem Elend nicht gekommen, wovon sie in dem nachfolgenden Jahre heimgesucht wurden: denn am ersten August gieng ein entsetzlicher Brand auf; wobei die Krönungskirche und der Königliche Palast hart mitgenommen, die herrlichsten Gebäude der geistlichen und weltlichen Reichsfürsten, ja der größte Theil der Stadt in die Asche gelegt, auch dreyßig Personen aus der Bürgerschaft vom Feuer verzehret wurden, ohn was die Fremden betraf, deren Zahl sich nicht bestimmt findet. …

S. 279 f.  – 1236, 15.6.,.. wo alsdann der große Schöpfer nicht so oft mit der Zuchtruthe drein zuschlagen bedürfte; Aachen, das durch Menschengunst verzärtelte Aachen, hatte hievon durch die im Jahre 1224 erlittene Feuersbrunst das kläglichste Gefühl gekriegt; dieses verlor sich allgemach so, wie die Striemen auswuchsen; der Bürgerfleiß schleppte Holz und Steine zusammen, und in kurzem stand schon wieder ein halb neues Aachen da; jedoch hiemit war die alte Schuld entweder noch nicht bezahlet, oder gar durch neue vergrößert: denn nach zwölf Jahren mahnte der Himmel fast ebenso empfindlich; es gerieth nämlich die Stadt am 15ten Junius zwischen neun und zehn Uhr Abends zum vierten Male in vollen Brand; beinahe das ganze Mitteltheil ward zum Steinhaufen, und der Königliche Palast bekam auch diesmal seinen Rest, der von dem vorigen Brandschaden noch nicht hergestellet war, wenigsten finden sich hievon, oder auch von dessen nachmahliger Ausbesserung keine Nachricht. Desgleichen muß es auch hiebey um die Krönungskirche sehr elend ausgesehen haben ….

S. 315  – 1333, im Mai, .. beynahe 97 Jahre waren vorbey, da sie die göttliche Zuchtruthe zum letztenmale empfunden hatte, und nun mußte sie wieder herhalten; im May brach das Feuer in der Köllner Straße aus, und wütete dergestalt, daß das Franziskaner-Kloster nebst 500 Häusern in die Asche gelegt wurde; gleich war Ludwig [gemeint ist L. IV. oder L. der Bayer] mit einem Pflaster auf diesen fünften Brandschaden da; und gab der Stadt die dritte Bestätigung ihrer Privilegien und Gerechtsame; dieses aber konnte gar nichts helfen, um aus der schütt neue Häuser zu machen. ..

S. 652 – 659  – 2. Mai, Der Große Stadtbrand im Jahre nach der Geburt unseres Heilands 1656….. es brach nämlich am 2ten May des gefolgten Jahres zwischen acht und neun Uhr Morgens in der zum Kucks-Hause genannten Behausung des Beckers und Rathsverwandten Johann Mous unweit der St. Jakobs.Pfarr-Kirche gählings eine Flamme aus; worzu, wie einige dafürhalten, der Zündel aus der Luft gefallen, nach anderer Meynung aber die noch nicht völlig gelöschten Holzkohlen, so derselbe auf seinem Speicher geschüttet hatte, die Ursach gewesen seyn sollen; ……. Häuser zu beeden Seiten der Straße in Brand geriethen …. [insgesamt eine sehr ausführliche Schilderung, s. ebendort ; der Prior des Jesuitenklosters Jakob Masenius verfaßte das eingangs gezeigte Chronogramm.]

Der Brand ging vom äußersten westlichen Rand der Stadt, vom Kuckhaus nahe St. Jakob, aus. Das Gelände um St. Jakob ist das am höchsten liegende Viertel der Altstadt. Der vorherrschende Westwind konnte die Funken deshalb schnell über den größten Teil der Stadt verbreiten.

„In der ersten Viertelstunde übertrug der Wind die glühenden Kohlen bis in die Königstraße hinüber ….“

„sodann über die Tempelherren Graben in die Pontstraße hinein…“

„legte vom [Pont]Mittelthor bis zum äußern [Ponttor] alles in Asche ….“

„inzwischen fraß das Feuer ungehindert um sich her und war schon an verschiedenen Orten über die inneren Ringmauern….“

Eine Verkettung unglücklicher Umstände trugen wesentlich zum verheerenden Ausmaß des Großen Brandes bei:  – Schlechte Organisation des Brandschutzes.  – Länger andauende warme und trockene Witterung.  – Am 2. Mai 1656 herrschte kräftiger Wind aus Südwest.  – Der Brandherd lag im Südwesten der Altstadt und relativ hoch über der Stadt.  – Mißverständnis über den Anlaß des Alarmläutens (Gerücht von Überfall auf die Stadt); daraufhin Schließen der Pforten und Unterbrechung von Löschmaßnahmen.  – Gerüchte über einen angeblichen erneuten Aufstand der Protestanten schürten Angst vor explodierendem Pulver im Pulverturm, Zeughaus usw.-

Die Mängel bei der Organisation der Feuerbekämpfung in der Stadt:

-Wachdienst für alle Bürger, mit einer langen Reihe von Befreiungen; Wächter auf Granusturm (Aachener Wachtordnung von 1537; Nuwe ordnung der wachen: Der rath ist uiß beweglichen ursachen anno vunfzienhundert sevenunddrissich, am 20. tag novembris eyndrechtlich entschlossen, und nachfolgende ordonanncie, zo wissen wilche der nachtswachen erlassen werden solln, upgericht; Zom eirsten, dat hynfurder gheyn burger oder dieser stede ingesessener, wilches stands oder wesens der ist, der nachtswachen gefreyet syn sall, dan alleyn die hern burgemeisteren, scheffen und kleyn rath, ire zyt lank duyrende; darneven die cristaefelsen gemeyner graefschaften, artylleriemeistere und des grossen geschutz bussenmeistere, des raths und scheffen schryveren mit den seeß burgemeisterknechten, auch die der werkmeistere leuffen siegel in gewarsamen haven, mit dem komphuißknecht, bewerrer der urklocken und des burgerhuyß up den Fyschmart, sampt der stat geschwoern boiden; desglichens, wilche der stede gryndelen oder ketten up und zu sliessen, sunst auch wilche zu dienst gemeyner burgerschaft die syffen und weschen bewaren. Auch sall yeder wechter uiß urlaub des raths alleyn an der uisserste portzen umb hulpf und beystant, soe van noeden zu bewysen, vier der niester nachbaurn, neymlich an jeder syden zwen, obgemelter wach fry halden, desglichens die senger unser liever frauwen kirchen up wernltlichen platzen woenhaftich, die offermanner der vier pfarrkirchen und clockner sampt der wyse frauwen manner und die meyersknecht mit den nachtsumgengeren. Soe auch eynich man oder fruwe mit kenlichen armoet beladen were, sullen dieselvige mae erkenntnyß der cristaelsen gefryet syn. Furder in sal gheyn wechter up verlierong syns ampts fur eynichem burger wachen moegen, auch niemants um gunst oder gelt beroirte wachen erlaissen oder oeversien, sal auch hynfurder iglicher wechter alle aevents und morgens die schlusselen zo syner behoerlicher zyt den cristaefelsen oder iren undersatzten stathelder heymdragen und an dieselvigen wider gesynnen. Sullen ferner alle burgere, soe niet eynger person selbst wachen, eynen wehrhaftigen manne, daemit die wache zer notdurft versorget ey, stellen. Original: Stadtarchiv; Druck: Richard Pick, Eine alte Aachener Wachtordnung, Aus Aachens Vorzeit Bd. 1 (1887), S. 85 f. ).

-Keine Bevorratung von Löschwasser.  – Alarm durch Läuten der Glocken in der jeweiligen Grafschaft; bei großen Bränden alle Glocken.  – Besondere Einsatzkräfte oder Helfer gab es nicht.  – Es gab keine besonderen Gerätschaften (nur in Haushalten und Werkstätten vorhandene Leitern, Äxte, Haken, Eimer),  – Die Bauweise der Wohn- und Gewerbebauten bezweckte keinen Brandschutz; keine Brandabstände; Brandwände konnten bei der giebelständigen Bauweise nicht bis zur Firsthöhe geführt werden.  – mit Stroh- oder Holzschindeln gedeckte Dächer; Fachwerkkonstruktionen; Rauchfänge anstatt gemauerter Kamine.

Altaachener Fachwerkhäuser auf Ausschnitten von Stadtansichten des Jahres 1566.

Das Ausmaß der Brandkatastrophe:

Dauer des Brandes: rd. 24 Stunden
Nachglühen des Brandschuttes : 4 Tage  – 17 Menschen tot, 90 % obdachlos; dann bezog man die Keller.  – 4600 Häuser vollständig abgebrannt (andere Berichte: Kapuziner: 5612; Franziskaner: 4425; Bruder Erven: 5511; Brief eines Augenzeugen von Burtscheid aus : 2600; der Rat der Stadt in einem Brief an den Kaiser: 4600 und etliche 50; Verschont blieben etwa 450 Häuser (weniger als 10 %) in der Außenstadt in der Sandkaulstraße (92), der Alexanderstraße (98), der Peterstraße (90), der Rosstraße und andere (70) und der Franzstraße (100); im Allgemeinen blieben überwölbte Räume vom Feuer verschont.  – Zerstörung fast aller Kirchen (außer St. Jakob, St. Adalbert, St. Peter und der Rochuskapelle )und Klöster (außer Jesuitengymnasium, Kloster Marienthal, Karmeliterkloster, Kloster St. Leonhard, Kapuzinerkloster und Klarissenkloster (Ecke Elisabeth- und Kleinmarschierstraße).  – Verlust sämtlicher Öffentlichen Gebäude (Explosion im Rathaus; das Große Archiv im Granusturm blieb verschont).  – Verlust der Akten und Urkunden mit Ausnahme des im Granusturm sicher untergebrachten „Großen Archivs“.

Der berühmte Jost van den Vondel verglich das tragische Geschehens des Jahres 1656 mit dem Untergang Trojas:

Maßnahmen des Rates und Hilfen von dritter Seite:

Der Rat versammelte sich schon am 5.Mai im vom Brand verschonten Klarissenkloster.  – Der Rat ließ sofort von außerhalb Lebensmittel zur Erstversorgung kommen.  – Es kamen Hilfen vom Papst, vom Kaiser und von den benachbarten Städten.  – Vorkehrungen gegen Plünderungen und Hehlerei.  – Bereitstellung von unentgeltlichen Bauholz aus dem Stadtwald und auch aus den jülicher Waldungen.  – Erlaubnis größere Gebäudehöhen und Begradigung der Baufluchten.  – Verpflichtende Einführung von Brandwänden.  – Verbot von „Überhäusern“.  – Festlegung von Normmaßen, (Bau-)Preisen und Tarifen
Zulassung externer Handwerker und Kaufleute.  – Beseitigung des Brandschuttes.  – Baugebote.  – Vereinfachung des Immobilienverkehrs und des Verfahrens bei Nachbarstreit.  – Versteigerung der „wüst“ gebliebenen Bauplätze (1664).  – Werben um Zuzug von katholischen Handwerkern und Kaufleuten.  – Jedoch keine Lockerung der Maßnahmen gegen die Protestanten.

Literatur:

Emil FROMM, Die materiellen Wirkungen des Aachener Stadtbrandes vom Jahre 1656, in: ZAGV 16, 1894, S. 177-179

J. HANSEN, Breven des Papstes Alexander VII. aus Anlaß des Aachener Brandes von 1656, in: ZAGV 16, 1894, S. 175-176

Reinhard HILDEBRANDT, Reich und Reichsstadt um die Mitte des 19. Jahrhunderts. Zur Bedeutung des Aachener Stadtbrandes von 1656, in: ZAGV 84/85, 1977/78, S. 459-472

Hermann KEUSSEN, Unterstützung Aachens durch Köln nach dem Stadtbrand von 1656, in: ZAGV 22, 1900, S. 348-350

Hermann KEUSSEN, Zum Stadtbrand von 1656, in: ZAGV 33, 1911, S. 289

Hermann KEUSSEN, Hilfe der Stadt Köln nach dem Aachener Stadtbrande 1656, in: ZAGV 51, 1929, S. 392-393

Thomas R. Kraus, Der Aachener Stadtbrand vom 2. Mai 1656 und seine Folgen, ZAGV 109 (2007), Seite 35 – 99

Richard Pick, der angebliche Stadtbrand von 1146, in: ders,. Aus Aachens Vorzeit – Beiträge zur Geschichte der alten Kaiserstadt, Aachen 1895, S.109 ff.

Carl Rhoen, Der große Brand zu Aachen am 2. Mai 1656, Aachen 1896

Martin SCHEINS, Noch einmal der Aachener Stadtbrand von 1237, in: ZAGV 31, 1909, S. 198

Ludwig SCHMITZ, Aachen und der Roermonder Stadtbrand 1665, in: ZAGV 32, 1910, S. 356-357

Die Universitätsbibliothek Göttingen hat einen zeitgenössischen,

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