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Das Bild des alten Aachen am Beginn der Neuzeit.

Die Titelkartusche der Stadtansicht enthält die Jahreszahl MDLXXVI (1576). Unterhalb der rechten Wappenkartusche steht in einem gewellten Spruchband : „Depingebat Henri…. Steenwichi“..: Das seltene Blatt erschien mit lateinischem Rückentext in den „Civitates Orbis Terrarum“ von Braun und Hogenberg.

Die Stadtansicht von Hendrick van Steenwijk ist u.a. abgedruckt in: Bruhn,W./Oehme, R., Alte Deutsche Stadtbilder – 32 Darstellungen auf 27 farbigen Blättern nach Georg Braun und Franz Hogenberg, Stuttgart-Zürich-Salzburg 1964; S. 25 ff. Nach Bruhn stammen die Texte aus der Feder des Kanonikus Braun. Die deutsche Ausgabe ist in einem von C. Broekema 1986 in Güterloh unter dem Titel “Deutschland vor drei Jahrhunderten” herausgegebenen Reprint erschienen. Nach dem Nachwort beruht der Reprint auf der späteren Verwendungen der Stadtansicht von Steenwijk durch Joan Bleau in einer deutschen Fassung, der von 1635 bis 1662 den erweiterten Bestand an Karten und Stadtansichten in verschiedenen Ausgaben und in verschiedenen Sprachen herausgebracht hat.

ACH

„Ach … ein Keiserlich Stadt, zwischen dem Rhein und der Maasen an den grentzen des Hertzogthumbs Gülich gelegen, ist der Römischen Keysern erste krönung, auch Karls des Grossen begräbnuß, und des sieben jaerlichen wallens halben, gar namhafft.
Nach deren anfang der wolerfarner Herr Franciscus Fabricius ein Arzt von Ach also schreibt. Es ist auß des Keysers Julii und Cornelii Taciti, auch viele anderer historien genügsam kundig, das weiland die Römer so gegen die Teutschen gekriget, an disen örtern zwischen dem Rhein und der Maasen, iren sitz und schirm gehabt haben, dessen die namen etlicher platzen und andere gedenckzeichen gezeugnuß geben. Zu disen zeiten, schreiben die historien, soll einer auß den römischen Fürsten mit namen Granus (der auch der bruder Neronis sollte gewesen sein, diese warmen Bäder, so in Bergen und Büschen umb dieselbe zeit verborgen waren, erfunden, auch umb die gegent gewonet und ein Schloß dabey gebauwet haben, dessen noch heut zu tag ein mercklich gedenckzeichen der alte gesehen und Grani Thurn genennt wirdt. Welches Schloß sol von Ptolomeo, wie etliche andere vermeinen, im anderen Buch seiner Cosmographi a, 9. Capitul Veterram genennet sein. Zwar von den einwoneren werden die bäder und das ort der gegend in Latein Aquae Grani genennet, haben den namen von den wasserm, so aquae, und dem ersten erfinder, so Granus geheissen, zusamen geflicket und mit verkerter deklination Aquisgranum außgesprochen, welcher nahm auch der stadt verplieben ist. Nach etlichen zeiten ungefehr 700 jaren, da der Francken König Karl, mit seinem zunahmen der grosse, im gejächt irrig an disen ort kommen und ihn der warmen bäder, auch fröligkeit und bequemigkeit dieser platzen belustiget. Hat er dieselbige sampt dem Schloß erneuert und ein Königlich Pallast alda erbawet. Darnach weil er ein überaus Gottesfürchtiger mensch war, hat er am selbigen ort negst beim Pallast mit großen kosten die vortreffentliche kirch auffgerichtet und dieselbige und dem Römischen Bischof Leone zu ehren Gottes und der seligen Jungfrauwen Marien lassen weihen, hat dieselbige mit reichen gaben vornemlich aber mit tewren gedenckzeichen eines standhafftigen glaubens und heiligthumb begabet. Deren halben er die sieben järliche Pilgerfart, so noch bis auff den heutigen tag im brauch, angestellet. Da nun dieser starckester und Gottesfürchtigster König und der Kirchen ernster verfechter durch Gottes vorsehung des Römischen Reiches vergwaltung auff sich nam, hat er den vorgenenneten mit mauren umbzogen und zu ehren de Kirchen die Stadt erbawet, welcher er des Reichs sitz und ein haupt des Welschlands, swo auff jenseit der Alpen gelegen, verordnet hat.
Dise statt wiewol sie in eim thal gelegen, und rings umbher mit bergen umbgeraten, hat sie doch eine ungleubliche gesunde laufft, welches bezeuget, das die menschen alhie zu höhestem alter geraten, auch das man selten pistilentzische siegtagen vermercket.
In dem negst umbligenden kreiß der stadt ists schier eine weite ebene, drin seind wisen zur vihe weite gar dienlich, feiste äcker, so allerley früchten fortbringen. Diese umbgeben buschreiche berghe, so allerley notturtftigkeit zum fewr, auch stein und holtz zum bawen dienlich, überflussig fortbringen. Es mangelt jnen auch keine brunnen, die außwendig die äcker befüchten und inwendig der stadt auff verscheiden örtern, so wol in gemeiner strassen, als eignen häusern entspringen. Ist aber ein fontein jres gebäws und grösse halben vortreffentlich: so mitten auff dem marck, so rechtt gegen uber dem herrlichen Rathauß durch acht canalen jmmerlauffende wasser auß der höhe von sich geust. Es fliessen auch sonst vill Bäche mitten durch die Stadt , so der sauberkeyt und mülen treiben bequem. Uber die berg zwischen einer meil von der stadt gegen die Sonnen winter nidergang, wirt die gattung der erden gegraben, so sie ins gemein kalmißstein nennen, damit das rote kupffer zu Goldgelber farbe gebracht wirt. Nit weit hie von ab gegen mittag, findt man eysen und pley ertze. Von der statt aber gegen auffgang wirdt schwartze erde außgegraben; ist (wenn sie mit letten vermischet wird) zur kuchen am fewr dienlich. Die natur hat diß ort mit verscheidenen und vilfeltigen gaben dermassen so reichlich versehen, daß im nichts wider allein ein schiffreich wasser scheinet zu mangeln. Und wiewol mit solchem nicht versorget, diewol es gegen den Auffgangk den Rhein, gegen Nidergangk aber die Maaß hatt, ist doch alda allerdingk solche menige und wolfeilung , das sie auch derhalben wasserreiche stett übersteiget. Aber über alle tugenden dieser Stadt übertreffen meines bedunckens die heisse und gesunde wasserbrunnen, welche an wärme und wasser nimmer abgehen, sonder so überflüssig herauß quellen, das dieselbe all tag mit frischem wasser grosse und neuwe wassersärcke erfüllen mögen, deren seindt etliche einwendig der stadt etliche aber außwendig deren selbigen in der vorstadt gelegen. In der stadt sein vornemlich zwey bäder, deren das eine das Königs- das andere aber Cornelisbadt genennet wirt. Dieselbe, wie sie an platzen, also sein sie auch under sich selbst und denen, so für die stadt gelegen, an krafft und tugendt des wassers underscheiden.“

Der selbe Text wurde von Braun-Hogenberg auch für eine andere vielleicht etwas frühere entstandene Stadtansicht verwandt, die den Stadtgrundriß völlig verkehrt darstellt, die aber viel detailfreudiger ist. Ob die Details etwa den Bestandsaufnahmen entnommen sind, von denen noch 4 Einzelblätter in der Stadtbibliothek erhalten sind, ist im einzelnen nur schwer zu sagen oderheute gar nicht mehr aufklärbar.

Die nicht colorierte Fassung mit einer ausführlichen Legende ist wohl die ursprüngliche Fassung.

Wann dieser Nachdruck entstanden ist, ist an dem einem Buch entnommenen, in der Mitte gefaltenen Einzelblatt, das auf der Rückseite den vorstehenden Text enthielt, nicht zu entnehmen.

zum Beitrag über die ältesten Aachener Stadtansichten

Dieser Beitrag enthält auch Repros der vier erhaltenen von vielleicht ursprünglich zwölf Einzeldarstellungen Aachens von 1566.

Dom und Rathaus sind mit ihren Nordansichten nicht hintereinander, sondern nebeneinander gestellt. Der Künstler wollte sich den Blick auf die wichtigsten Baudenkmäler („gedenckzeichen“) der Stadt nicht durch eine realistische Perspektive verstellen.

Das Kölnmitteltor steht im Hintergrund, vorne links die alte Pfarrkirche St. Peter, rechts das Regulierherrenkloster.

Hier steht das Kölnmitteltor im Vordergrund. Hinter dem Minoritenkloster mit der Nikolauskirche erscheint ein wuchtiges Gebäude. Ein Adelspalast?.

Die Pontstraße und das Ponttor schließen hier nicht richtig am Pontmitteltor in der Barbarossamauer an. Man sieht hinter dem mächtigen Nordostturm dieses Mauerringes die Niederlassung des Deutschen Ordens mit der Ägidiuskapelle. Die andere Kapelle könnte zum Beginenkonvent St. Margarete gehört haben.

Das Marschiertor lag sehr exponiert – davor das St. Leonhardkloster. Im äußeren Mauerring folgen rechts der Marillenturm und links das Wirichsbongradstor, von dem nochmals ein vergrößerter Ausschnitt folgt.

Vom Wirichsbongradstor ist keine zeitgenössische Einzeldarstellung erhalten.