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Auch 2016 wieder Radeln auf den Spuren der Aachener Geschichte

Die während des Sommers und Herbstes 2016 ausgeschilderte Strecke mißt etwa 25 km. Sie führt durch die beiden nördlichen Stadtbezirke Aachens (Richterich und Laurensberg) und enthält einige kleinere Steigungen und von Schloß Rahe bis zum Landgraben einen längeren Anstieg. Geschichtlich gesehen gehörte Laurensberg noch zum Territorium der ehemaligen Reichsstadt Aachen, während sich die Herrschaft Heyden freiwillig als Unterherrschaft in den Jülicher Machtbereich als Unterherrschaft einfügte. Das sog. Sonnenlehen Schönau unterwarf sich erst im 18. Jh. dem gewaltsamen Druck aus Jülich.

Ausschnitt des Flyers (Karte)

Ausschnitt des Flyers (Texte)

Wem die gesamte Strecke zu lang ist, kann die Tour leicht an zwei Stellen abkürzen. Ab Punkt 4 der Karte (Haus Heyden) kann man über den Heyder Feldweg und die Scherpstraße direkt nach Horbach hinein fahren. Von der Oberdorferstraße kann man hinter den Oberdorfer Höfen (Punkt 5 der Karte) nach links – also direkt nach Süden – abbiegen.

die Aachener Fahrradsommer 1995-2016 auf der Seite der Stadt Aachen

Die Auftaktfahrt am 11. Juni bei herrlichem Wetter und guter Beteiligung startete am Markt (ausgeschilderte Strecke ab Republikplatz am Westbahnhof).

Rast am Wendepunkt Zollmuseum

Begrüßung durch den Vorsitzenden der Heimatfreunde des Heydener Ländchens Manfred Kuckelkorn (rechts Dietmar Kottmann, Vorsitzender der Laurensberger Heimatfreunde).

Eindruck von unterwegs

ein Halt am Kreuzungspunkt alter römischer Straßen

Der vorstehende Kartenausschnitt aus einer niederländischen Publikation zeigt „Kastelen“, die bei uns nach „Burgen“ und „Schlösser“ unterschieden werden. Beide konnten der Sitz von mittelalterlichen oder neuzeitlichen Grundherren sein und wurden als Lehen aufgetragen oder waren Eigengut (Allod). Schönau und Heyden waren solche Herrensitze, deren Herrschaften im Verlaufe der Zeit zu Unterherrschaften im Jülicher Herrschaftsbereich wurden. Die auf der Karte verzeichnete Frankenburg lag im Gebiet der Reichsabtei Burtscheid und war nicht Sitz der Herrschaft, sondern deren Vogtes. Im reichsstädtischen Territorium, dem sog. Aachener Reich, besaßen Patrizier und auch der benachbarte Landadel ebenfalls Burgen und Schlösser, waren jedoch in keinem Falle Herren der umliegenden Ansiedlungen und Höfe. Die Landesherrschaft lag vielmehr beim Rat der Reichsstadt, dessen Jurisdiktion auch die eingesessenen Adligen unterworfen waren. (Die Jurisdiktion oblag allerdings zum Teil auch dem Königlichen Schöffenstuhl zu Aachen, der sich ausschließlich aus den schöffenfähigen Patrizierfamilien rekrutierte.) Zu unterscheiden von diesen waren die Guts- oder Herrenhöfe, von denen die größeren ebenfalls als Lehen aufgetragen oder Allod waren. Bei den Burgen steht noch die Funktion als Wehrbau im Vordergrund. Mit dem Aufkommen der Feuerwaffen gab der Adel die Burgen als Wehrbauten auf und setzte sie durch Festungen mit Befestigungen im Bastionärsystem. Bei den Wohnbauten des Adels, nunmehr Schlösser genannt, stand nun der Komfort und die repräsentative Wirkung im Vordergrund. Die stadtadeligen, zumeist reichen Familien verschwägerten sich nicht nur häufig mit dem umliegenden Landadel, sondern übernahmen auch – insbesondere bei ihren Landsitzen – deren repräsentativen Lebensstil. Die geistlichen Stifte und Klöster der Stadt Aachen bekamen im Laufe der Zeit viele Höfe im Aachener Umland geschenkt, die in der Regel nicht selbst bewirtschaft, sondern an sog. Halbwinner verpachtet wurden.

download des Abschnitts Richterich bei Kaltenbach um 1850:

download des Abschnitts Laurensberg bei Kaltenbach um 1850:

download einer Leseabschrift aus E.G. Grimme, Burgen um Aachen:

download einer Leseabschrift aus G. Grimme, Burgen um Aachen:

Die auf ihrem Kirchberg hoch aufragende Laurensberger Pfarrkirche St. Laurentius ist auch heute noch von allen Seiten her von weit her – jedenfalls inmitten freier Landschaft – gut sichtbar. Bei dem Neubau des Kirchenschiffes (1912) hat der Architekt, der Aachener Münsterbaumeister Prof. Buchkremer, in jahrelanger Auseinandersetzung mit dem damals noch zuständigen Generalvikariat Köln, das einen neugotischen Neubau wünschte, die Beibehaltung der historischen Silhouette durchgesetzt. Die erhebliche Raumvergrößerung erreichte er durch die Ausdehnung des dreischiffigen Neubaus des ehemals einschiffigen Langhauses zur Nordseite hin. Der Turm mit seiner barocken Haube blieb unverändert erhalten.

Den Blick in die Richtericher Landschaft bestimmen die ausgedehnten Ackerfluren der Horbacher Börde.

Diese werden an den Standorten der ehemaligen Westwallbunker durch Gehölzinseln

und bei den Höckerlinien durch Pappelreihen oder ähnliche Bepflanzungen aufgelockert.

Die Tour führt über die Rütscherstraße an der Nordecke des Lousberges erstmals an einen Punkt mit einem Fernblick über die Landschaft – hier der Soers.

Gut Hausen liegt am Schwarzbach, einem Zufluß zum Wildbach, direkt südlich von Schloß Rahe. Es ist 1263 erstmals urkundlich bezeugt und insoweit das älteste Anwesen in der Soers. Es diente als Sommerhaus des Dekans des Aachener Marienstiftes.

Die Südfront von Schloß Rahe wurde als Schaufassade beim Umbau und der Restaurierung des Schlosses in den 80er Jahren unverändert erhalten.

Der Gartenseite sieht man am deutlichsten die Umfunktionierung des Schlosses zu einem Verwaltungsgebäude an.

Die alte Rahemühle wuchs bis in die Nachkriegszeit. Sie wurde entsprechend modernisiert und erweitert. Ab 2010 erfolgte die Nutzungsänderung und der Umbau für Wohnzwecke mit gehobenem Standard.

Diese Maßnahme bezog auch das alte turmartige Haus ein, das möglicher Weise noch aus dem mittelalterlichen Gebäudekomplex der Burg Mewenrade stammt.

1. Schloß Rahe

Rahe wurde um 1787 vom Kratzenfabrikanten Gerhard Heusch errichtet. Es ruht zumindest teilweise auf den Grundmauern der mittelalterlichen Wasserburg Mewenrade, die wie andere Herrenhöfen als „allodiales Schöffengut“ bezeichnet wurde. Der Burgherr war zwar nicht Grundherr seiner bäuerlichen Nachbarn, besaß aber seinen Stammsitz als Eigengut. 1843 ließ der niederländische König Wilhelm I. das Schloß als Witwensitz für seine zweite Ehefrau Henriette d`Oultremont kaufen. Sie war u.a. Anlaß zu seinem Thronverzicht im Jahre 1841. In den 20er und 30er Jahren wirkte das Schloß nochmals mit Adele Weidtman als gesellschaftlicher Mittelpunkt für Aachen und vor allem Laurensberg. Nach jahrelangem Leerstand sicherte der Umbau zum Verwaltungssitz einer Rückversicherungsgesellschaft den Erhalt des wohl repräsentativsten Gebäudes des Stadtbezirks.

Ein weiterer mittelalterlicher Wohnturm ist das älteste erhaltene Gebäude von Gut Groß Beulartstein,

das zwar namensgebend für die Straße „Am Beulartstein“ auf unserem Weg war. Um es sehen zu können, muß man sich aber an den Hochhäusern der Schloßweiherstraße vorbei bis an den Siedlungsrand des Neubauviertels begeben. Gut Beulartstein erinnert an ein ehemaliges Schöffengeschlecht der Reichsstadt Aachen. Es wird auch heute noch landwirtschaftlich genutzt.

2. Schloß Schönau

Die Geschichte des Freien Kaiserlichen Sonnenlehens Schönau weist sowohl Bezüge zur Pfalz wie zum Herzogtum Jülich auf. In der Frühzeit ist es als Freilehen der Aachener Pfalzgrafen belegt, das im 12. Jh. kurzzeitig an die Herren von Heinsberg, dann an die Herren von Schönau und im 14. Jh. an die von Mylendonk gerät. Z.T. gewaltsam ausgetragene Erbstreitigkeiten führten zur Vernachlässigung und Verfall der alten Burg. 1720 beauftragten die Brüder von Blanche den Aachener Baumeister Mefferdatis an deren Stelle ein Schloß errichten (Fertigstellung 1732).

Sie konnten sich jedoch nicht lange des ungestörten Genusses des Lehens erfreuen. Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz, der auch das Herzogtum Jülich besaß, ließ die Brüder 1760 unter fadenscheinigen Vorwänden festnehmen und 4 Jahre lang in der Jülicher Festung wegsperren, bis sie sich ihm schließlich unterwarfen und den Lehenseid schworen. Johann Gottfried von Blanche regierte noch bis ins 92. Lebensjahr (14.Juni 1789).Er starb kinderlos, daher ging das Besitztum an die Familie seiner Frau, die alte Aachener Schöffenfamilie von Broich über.

3. Uersfeld

Beiderseits des Weges von Richterich nach Kohlscheid gab es einst in Uersfeld drei große Uersfelder Höfe, von denen der mittlere, auch Haus Ottegraven genannt, trotz relativ geringer Kriegsschäden immer mehr verfiel und inzwischen nur noch als Bodendenkmal wahrnehmbar ist. Der südliche Uersfelder Hof (auch als Oberuersfeld oder Küppershof bezeichnet) war bis zum 14. Jh. Lehngut des Kölner Erzstiftes und wurde sodann vom Aachener Marienstift erworben. Nach einem schweren Brand vor wenigen Jahren wurde der Hof wieder hergestellt und wird seitdem als Gartencenter betrieben. Das seit dem 13. Jh. belegte Groß – oder Unteruersfeld ist im 16. Jh. innerhalb breiter Wassergräben auf drei Inseln als regelmäßig geschnittenes Herrenhaus mit Vorburg errichtet worden. Das Herrenhaus ist nicht erhalten.

Vor allem die Südseite der Vorburg, an der einer der beiden Rundtürme erhalten geblieben ist, erweckt noch den Eindruck einer Wasserburg.

Auf halbem Weg zwischen Uersfeld und Heyden liegt der prächtiger Geuchter Hof.

4. Haus Heyden

1303 trägt Ritter Arnold von Bongard seine Burg, Haus Heyden, dem mächtigen Grafen von Jülich als Offenhaus an und empfängt sie von diesem als Lehen zurück. Sein Sohn wird als Herr der von Jülich gebildeten Herrschaft Heyden eingesetzt. Die Familie von Bongard kehrt nach einigen Wechselfällen in der frühen Neuzeit wieder als Lehnsherren nach Haus Heyden zurück.

Ihr nachfolgendes Wappen war Grundlage der Gemeindewappen von Richterich und Kohlscheid.

Das Wappen mit den Turnierhelmen ist ein Ausschnitt aus einem Bild des Renaissanceportals, das bei Erneuerungsmaßnahmen im 17. Jh. von der Burg zur Vorhalle von St. Heinrich, ursprünglich wohl eine Eigenkirche der Burgherren und heute die Pfarrkirche von Horbach, versetzt worden ist. Die farbliche Fassung entstammt der im 18. Jh. gebauten 2. Vorburg von Haus Heyden.

Die als Ruine erhaltene Hochburg, der stattlichste mitttelalterliche Wehrbau im heutigen Stadtgebiet Aachen, bestand aus einem mächtigen quadratischen Wohnturm, der auf allen Seiten zusätzlich von einer Mantelmauer mit vier Ecktürmen geschützt wurde. Der Wassergraben ist teilweise erhalten.

Im 16. und 17. Jh. erhielten die beiden ausgedehnten Vorburgen ihre heutige Gestalt.

Über den Heyder Feldweg gelangt man zum nördlichsten Anwesen im Aachener Stadtgebiet, dem Bücker Hof, der kurz vor der deutsch-niederländischen Grenze am Amstelbach liegt.

Der Verlauf der Grenze folgt dem tief in einem V-Tal gelegenen Crumbach, an dem sich die seit dem Mittelalter überlieferten Frohnrather Höfe aufreihen. Zunächst kommt Gut Unterfrohnrath, das Mitte des 19. Jh. vom Freiherrn von Bongart umfassend erneuert worden ist.

Auf Mittelfrohnrath wird ein Pachthof und Pferdehaltung durch eine Eigentümergemeinschaft betrieben.

Oberfrohnrath entspricht am ehesten dem Bild eines repräsentativen Adelshofes.

Der Weg geht zunächst wieder südwärts bis zur Horbacher Pfarrkirche St. Heinrich, deren Geistliche von den Heydener Burgherren bestellt wurden (Kollatur). Die Herren von Bongard brauchten jedoch etliche Generationen, bis die Unterstellung unter die Großpfarre St. Laurentius aufgehoben wurde.

5. Oberdorfer Höfe

Am westlichen Ende der Oberdorfer Straße liegen die Höfe Mönchof, Bau, Steinstraß und die Broicher Höfe, seit dem Mittelalter Pachthöfe in kirchlichem oder adeligem Besitz.

6. Zollmuseum

Das Zollmuseum am Grenzübergang Locht ist in einem ehemaligen Zollamt I. Ordnung untergebracht. Dieser niederländische, zu Kerkrade gehörende Ortsteil wird in alten Karten „bovendste Locht“ genannt. An der Grenze stand einstmals als Grenzmarke die sog. „Hertogeneyck“. Das Haus, das selbst Zeugnis für eine seit Schengen abgeschlossene Geschichte des Zolls ist, birgt mit der Sammlung Friedrichs die umfangreichste zollgeschichtliche Sammlung innerhalb Deutschlands. Es liegt natürlich auf der deutschen Seite der Grenze und damit im Ortsteil Horbach des Stadtbezirks Richterich.

Wem die Rückfahrt mit dem Rad auf dem holperigen Alten Herler Weg zu unbequem ist, kann einen nicht ausgeschilderten, aber auch aus der Karte ersichtlichen Parallel – Weg über Avantis nehmen. Der Weg beginnt kurz hinter der Grenze auf der linken Seite. Das erste niederländische Stück Wegs entspricht dem hohen Standard unseres Nachbarlandes, in dem das „fiets“ hoch im Kurs steht. Am südlichen Ende von Avantis kann man über den Bocholtzer Weg oder den Silberpat Weg wieder zurück auf die ausgeschilderte Strecke kommen.

h3 7.Das Gewerbegebiet Avantis

Es ist eines der ehrgeizigsten Entwicklungsprojekte für eine grenzüberschreitende behördliche Kooperation im europäischen Maßstab, das vor allem um die Jahrtausendwende von höchster politischer Ebene energisch unterstützt wurde.

Schon vor Vetschau erkennt man als Landmarke die in der Ferne liegende Pfarrkirche St. Laurentius, von der wir hier auch einen fernblick aus südlicher Richtung hinzufügen.

8. Vetschau, die Alte Schmiede und die Niersteiner Höfe

Das Dorf Vetschau an der Laurensbergerstraße weist neben den modernen Neubauten eine größere Zahl historischer Bauten auf, die sich nach ihrem Grundriß und dem Baumaterial deutlich von den Neubauten unterscheiden.

Die größeren Höfe sind mehrflügelige Anlagen, die einfacheren stehen jeweils als langestreckte Bauten senkrecht zur Straße hin bis unmittelbar an die alte Straßenflucht. Bei den älteren Bauten dominiert der Mergelstein vom Vetschauer Berg als Baumaterial.

Südlich der geschlossenen Besiedlung des Dorfes liegen die Niersteiner Höfe, von denen wir hier den Großen Niersteiner Hof zeigen.

9. Gut Berger Hochkirchen und Haus Barrier

Während es sich bei Berger Hochkirchen um ein mittelalterliches Eigengut von Aachener Adelsfamilien handelte,

verdankt das Haus Barrier als Wegezoll- und Poststation seine Errichtung um 1780 dem Bau einer der ersten neuzeitlichen „Kunststraßen“ der Reichsstadt Aachen (feste Fahrbahn auf tragfähigem Unterbau; die jetzige Rathausstraße).

Das Gelände um Haus Weyenberg erfuhr im 19. Jh. den Neubau eines großen Wirtschaftshofes und einer herrschaftlichen Villa „Schloß Weyenberg. Beide verschwanden in der Nachkriegszeit und machten modernen Neubauten Platz.

10. Gut Alt-Schurzelt

Die vierflügelige, zum Wohnen umgebaute Hofanlage Alt-Schurzelt geht auf einen der wenigen Höfe zurück, die bereits in karolingischer Zeit erwähnt wurde. Der Unterkönig Zwentibold schenkte 896 seiner Verwandten Gisela, der Äbtissin von Nivelles, neben dem königlichen Gut Seffent (septem fontes) den Fronhof Schurzelt (mansus Liutbrandi de Cirsoli).