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Archäologe und Althistoriker sprechen von einem sensationellen Fund.

Schon vor Monaten wurde der Stein unter vielen anderen Fundstücken in der unterirdischen Grabung am Hof (Grabungsleiter Dr. Meffert) geborgen. Erst nach der Reinigung im Depot wurde festgestellt, dass es sich bei dem Stein um das Fragment einer Bauinschrift handelt.

(Römische Bauinschrift Material: Kalkstein Fundort: Aachen, Hof Datierung: 98-102 n. Chr., Inv.Nr.:- NW 2013/1043-412-274)

Der Fund ist derzeit im Vorraum des stadtgeschichtlichen Museums „Centre Charlemagne“ ausgestellt.

Vortrag zum Fundstück

Referenten: Prof. Dr. Klaus Scherberich und Andreas Schaub

Zeit: Donnerstag, den 12. Mai, 18 Uhr

Ort: Vortragssaal des Centre Charlemagne

Mit Hilfe des Althistorikers Prof. Dr. Klaus Scherberich vervollständigte der Stadtarchäologe Andreas Schaub (MA) den Text zu einer vollständigen Bauinschrift.

Erleichtert wird eine solche Rekonstruktion dadurch, dass römische Inschriften gewissen Gesetzmäßigkeiten folgten. Kaisertitulaturen orientieren sich an vorgegebenen Formularen und für Namensbestandteile und Titel gibt es nur eingeschränkte Abkürzungsmöglichkeiten.
Aufgrund der erhaltenen Wortteile und deren Anordnung handelt es sich hier demzufolge um eine Bauinschrift Kaiser Traians.
Trajan wurde im Jahr 97 n. Chr. durch den amtierenden Kaiser Nerva adoptiert, was ihn faktisch zum Thronfolger machte. Zu dieser Zeit war er Statthalter in der Provinz Obergermanien (Germania superior), mit Sitz in Mogontiacum/Mainz. Vom Tode Nervas und seiner Erhebung zum Kaiser erfuhr er anlässlich eines Aufenthaltes in der niedergermanischen Provinzhauptstadt Colonia Claudia Ara Agrippinensium/Köln.
Traian förderte im gesamten Reich umfangreiche Infrastrukturmaßnahmen wie den Bau und Ausbau von Straßen und Häfen. Darüber hinaus förderte er das Städtewesen. Insbesondere für Obergermanien (Germania superior) gilt Traian als Initiator der Einrichtung so genannter civitates. Diese Gebietskörperschaften (vergleichbar den heutigen Regierungsbezirken) hatten jeweils einen Hauptort, der zwar in der Regel ein urbanes Erscheinungsbild mit öffentlichen Bauten aufwies, aber kein faktisches Stadtrecht (colonia oder municipium) besitzen mussten.
Aber auch in Niedergermanien (Germania inferior) sind traianische Bauaktivitäten im Kontext von strukturellen Veränderungen zu sehen. Neben der Gründung der Colonia Ulpia Traiana in Xanten ist hier die Erhebung von Nimwegen zum municipium zu nennen. Besonders der damit verbundene städtebauliche Ausbau des municipium Batavorum weist Parallelen zu Aachen auf.

(Bild des Kaisers Trajans nach einer seiner Münzprägungen)

Der Grad der Erhaltung erlaubt eine zuverlässige Rekonstruktion der ursprünglichen Größe des Steins (Höhe: 45 cm, Breite ca. 108 cm). Die zu großen Teilen lesbare Titulatur Traians ist um seine Namensbestandteile „Caesar“ und „Nerva “, den Siegesbeinamen „Germanicus“ sowie das Oberpontifikat, das Amt des Consuls und den Titel „Vater des Vaterlandes“ zu ergänzen. Da für den Siegesbeinamen „Dacicus“, den Traian nach dem Sieg über die Daker im Herbst 102 n. Chr. angenommen hat, kein Platz vorhanden ist, muss die Inschrift vor dieser Ehrung angefertigt worden sein. Zum wievielten Male Traian die jährlich neu vergebene tribunizische Gewalt und den Consulat innehatte und ob eine zweite oder dritte imperatorische Akklamation hier zu ergänzen ist, hängt von der ganz genauen Datierung zwischen seinem Regierungsantritt 98 und dem Herbst 102 n. Chr. ab.

In der römischen Provinz Niedergermanien (Germania inferior) ist bislang außerhalb militärischer Kontexte oder außerhalb der Provinzhauptstadt Köln keine kaiserliche Bauinschrift bekannt. Aachen stellt damit einen Sonderfall dar. Leider ist der Teil der Inschrift, auf dem das gestiftete Bauwerk erwähnt worden sein könnte, nicht erhalten. Ein Zusammenhang mit der als Forum gedeuteten Platzanlage zwischen Büchel- und Münsterthermen erscheint jedoch plausibel. Ob mit dem Bau eines Forums auch eine Erhebung der Siedlung in einen städtischen Rang (municipium) oder zu einem Vorort einer Gebietskörperschaft (civitas) einher gegangen sein kann, darf von der Forschung nach diesem Inschriftenfund neu diskutiert werden.

Der Fund wird demnächst in den Bonner Jahrbüchern und in der Zeitschrift „Antike Welt“ publiziert.

(Wir danken Prof. Dr. Klaus Scherberich und Andreas Schaub für die Zurverfügungstellung des o.a. Textes und der ergänzten Reinzeichnung des Fundstückes.)