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A.E.I.O.V. - rätselhafte habsburgische Inschriften aus spätmittelalterlicher Zeit auch in Aachen belegt

Noppius führt im 1. Buch, 5. Kapitel an:

„Auf den Pfeyhleren des Chors stehen vorhaupts Unser Lieben Frau und der Heiligen Carolus Magnus folgends die Heiligen Apostel und an beiden Seiten des Chors diese fünf Vocal Litteren geschrieben: A.E.I.O.V. und à dextris [Anm.: rechts davon]stehet unten dies Datum 1486. In welchem Jahr Kayser Maximilianus I. in Aprili allhie gecrönet ist worden, welchem Kayser diese fünf Vokalen also lieb gewesen, daß er dieselbe allerwegen pro symbolo suo [Anm. als sein Kennzeichen]geführet, ja auf Gold und Silber schlagen, und müntzen lassen, und hat dadurch dies verstanden:

AQUILA ELECTA IUSTE OMNIA VINCIT.

[etwa: Der gewählte Adler besiegt geradezu alles.]

Andere haben solcher fünf Vocalen eine andere Meinung. Als

..[Auslassung]..

AQUISGRANUM EMINET INTER OMNES URBES.

[etwa: Aachen ragt unter allen Städten hervor.]

Man darf bezweifeln, daß der letztere Spruch zum Lobe der Krönungsstadt vom an dieser Stelle gekrönten König intendiert war. Gebrauchten die hier gekrönten, spätmittelalterlichen habsburgischen Herscher diesen rätselhaften Spruch doch über lange Zeit. Das stellt natürlich die auf die kurz vor der Aachener Krönung in Frankfurt erfolgte Wahl zum König abstellende Lesart in Frage, mag auch der Adler als Sinnbild des deutschen Königs gegolten haben.

Immerhin fiel schon vor hunderten von Jahren auf, daß es sich um fünf Vokale handelte[das „V“ muß hier den Gepflogenheiten der Zeit entsprechend als „U“ gelesen werden]. Kennt man keine Umlaute, handelt es sich bei diesen fünf Buchstaben um alle im Alphabet vorhandenen Vokale. Die Vokale wiederum wurden in jenen Zeiten in den abgekürzten Worten der handschriftlichen Urkunden und Diplome häufig nicht ausgeschrieben. Der Leser mußte dann beim Lesen der Dokumente die Abkürzungen auflösen, was manchmal nicht zwingend und eindeutig nur einen Sinn ergab. Die richtigen Vokale konnten also den richtigen, den eigentlichen Sinn vermitteln. Diese Interpretation mag nicht nur hintersinnig, sondern auch anachronistisch sein. Haben Sie eine überzeugende andere Interpretation, scheuen Sie nicht, uns darauf hinzuweisen.

Die dritte Inschrift „in goldenen Litteren“ befand sich übrigens zumindest bis zum Großen Stadtbrand von 1656, evtl. auch bis zum Bau der Couvenschen Freitreppe am Eingang zum Rathaus (s. Noppius a.a.O. Kapitel 25).

Das Jahr 1486 gibt in der Tat das Datum der Wahl und Krönung Maximilians I. wieder – allerdings eine Krönung neben seinem noch lebenden Vater und vermutlich nicht ganz in dessen Sinne. Friedrich regierte noch bis 1493 und Maximilian bis 1519. Ihm folgte 1520 sein Enkel Karl V.. Die Forschung weist den Spruch eher Maximilians Vater Kaiser Friedrich III. zu (des Reiches Erzschlafmütze). Mystik, Formelglauben und der Glaube an Östereichs Überlegenheit sollen ihm eigen gewesen sein. Heute bietet man natürlich viel mehr Deutungen an:

AUSTRIA EST IMPERARE ORBI UNIVERSO
[Es ist an Österreich, über die ganze Welt zu herrschen.]

AUSTRIA ERIT IN ORBE ULTIMA
[Sinn etwa: Das Habsburgerreich wird auf der Erde ohne Ende sein.An diese Lesart knüpft das Tiroler Wappen mit dem Wappenspruch „An End“ an.]

Den gleichen Sinn hat:

ALLES ERDREICH IST OESTEREICH UNTERTAN.

Auf eine etwas ironische Selbstbetrachtung läuft hinaus:

AM END IST ALLES UMASUNST.
[Übersetzung entbehrlich]

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