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Aachener Geschichtsverein
 
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10 Zentner Bombe in der Bendstraße weckt böse Erinnerungen.

Ostermontag vor elf Jahren (04. 04. 1999) wurde der Verfasser dieser Zeilen kurz nach der Rückkehr vom Urlaub an der seeländischen Küste telefonisch gebeten, sich sofort zu seiner Dienststelle in der Bendstraße zu begeben, da es dort eine Explosion gegeben habe.

Was war geschehen: ein Terroranschlag oder die Explosion eines Blindgängers aus dem II. Weltkrieg?

An Ort und Stelle gab es Klarheit über die Ursache: es war eine Gasexplosion.

Die straßenseitige Fassade des Hauses Bendstraße 40 war über drei Stockwerke hinweg weggesprengt. Teile des Mauerwerkes und das Dach drohten einzustürzen. Notdürftig wurde die Ruine abgestützt. Bis in den Abend hinein bestand Unklarheit, ob noch Menschen unter Trümmern lagen.

Die Geschichte endete 1999 relativ glimpflich. Da die meisten Bewohner des Hauses sich zum Zeitpunkt der Explosion beim Mittagessen im rückseitigen Anbau befanden, gab es keinen Toten und nur wenige Verletzte.
Auszüge aus den damaligen Berichten

Die Erinnerung an das dramatische Geschehen wird nun durch den vorösterlichen Fund eines Blindgängers wieder wachgerufen und verbindet sich mit der Erinnerung an den schwersten Bombenangriff auf Aachen im II. Weltkrieg. In der Nacht vom Ostersonntag auf -montag, den 11.4.1944, äscherten 350 Flugzeuge das Bahnhofsviertel und die Burtscheider Hauptstraße ein. 1.525 Menschen kamen im Bombenhagel um, 969 wurden verletzt.
Überblick über die einzelnen Angriffe nach Poll, Geschichtes Aachens in Daten

Wegen des Totalverlustes der Burtscheider Hauptstraße hatte sich der Geschichtsverein vor Jahren entschlossen, eine während des I. Weltkrieges verfaßte Doktorarbeit, die damals nicht zum Druck gebracht werden konnte, posthum zu veröffentlichen. Sie sehen hier eines der prächtigsten Häuser der untergegangenen Straße.

Das alles ist schrecklich und für uns heute kaum faßbar. Betrüblich und bizarr ist aber, daß in den letzten Jahren Neonazis mit Demonstrationen an die schwersten Bombenangriffe gegen Deutschland erinnern. Sie stellen die Ereignisse auf den Kopf und unterschlagen, daß es der NS-Unrechtsstaat war, der den Weltbrand entfesselte. Schon vor dem II. Weltkrieg unterstützte die deutsche Luftwaffe mit Angriffen auf Städte wie Guernica (von Picasso dramatisch ins Bild gesetzt) den Aufstand rechter Militärs gegen die gewählte republikanische Regierung Spaniens. Im Weltkrieg waren Warschau und Rotterdam die ersten Großstädte der Kriegsgeschichte, die aus der Luft zerstört worden sind. Nach dem Bombenangriff der deutschen Luftwaffe auf die englische Bischofsstadt Coventry gab es 1.236 Tote. Außerdem wurden viele tausend Wohnungen und ca. 75 % der Fabriken zerstört. „Coventrieren“ wurde zum Synonym für die flächenhafte Zerstörung von Großstädten aus der Luft unter Inkaufnahme massenhafter Verluste bei der Zivilbevölkerung. Wer die Verantwortung des NS-Regimes für die Bedrohung des Weltfriedens außer Acht läßt, verwirkt jeglichen moralischen Anspruch darauf, nach der Rechtfertigung für die schweren Bombenangriffe auf deutsche Städte zu fragen.

Nur wenige dürften aber so gedacht haben wie die Kommunistin Anna Sittard, die nach der Entlassung aus ihrer zweiten KZ-Haft im Jahre 1943 ihr Haus von amerikanischen Bomben zerstört vorfand. Sie sah das gelassen als Beitrag zum gerechten Kampf gegen den Nationalsozialsimus an (vgl. Saul A. Padover, Lügendetektor – Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45, 2. deutsche Auflage 2001, S. 109).

Die entsetzliche Härte, mit der der Weltkrieg fortgeführt wurde, kostete noch Millionen Menschen das Leben. Nach der endgültigen Niederringung des NS-Staates hielt sich noch Japan. Erst die Explosion der Atombomben in Hieroshima und Nagasaki beendeten den Weltkrieg endgültig.