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Aachener Geschichtsverein
 
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Aktuelles


Karl im Diskurs

Vortrag: über „Karl der Große. Korrektur eines Mythos“

Rolf Bergmeier:

Zeit: Am: Donnerstag, 02.06.2016, um: 20.00 Uhr

Ort: Mayersche Buchhandlung, forum M, Buchkremerstr. 1-7, 52062 Aachen

Eintritt: 10,-€, Eintrittskarten sind in der Mayerschen Buchhandlung oder unter www.mayersche.de erhältlich.

Regelmäßig und nicht nur zur Karlspreisverleihung wird Karl der Große euphorisch beschworen. Selbst nüchterne Historiker ergehen sich dann gerne in Lobeshymnen auf den „Vater Europas“ und preisen Karl als Vermittler antiker Kultur und Gelehrsamkeit. Und doch hat Karl nicht eine einzige öffentliche Schule gegründet, keine Wissenschaftsdisziplin gefördert, kein einziges Theater eröffnet und nicht eine öffentliche Bibliothek finanziert. Vor und nach ihm liegt die städtische Kultur am Boden, die Menschen hausen in armseligen Holzbaracken, entleeren ihre Notdurft auf den Straßen, und Paris ist ein Müllhaufen. Statt Bildung, Wissenschaft und Kultur erlebt man Karls Handeln und seine Gesetze nur allzu oft als unversöhnliche Theologie, die unverhohlen droht: „Sterben soll, wer Heide bleiben will“. Nicht zuletzt deshalb führt er sein ganzes Leben lang Kriege, fördert Bischöfe und Klöster nach Kräften und wird von der Kirche im Gegenzug selig und sogar heilig gesprochen. Karl ist weder „Leuchtturm“ noch „Vater Europas“. Sein Denken und Handeln stehen im krassen Gegensatz zu allem, was Europa Gesicht und Farbe verleiht, und hat mit dem Europa, wie wir es heute verstehen, mit der Fähigkeit zum demokratischen Diskurs, mit Kritik und Kompromiss, mit Toleranz, mit kultureller Vielfalt und freiem Denken nicht das Geringste zu tun. Europa ist anders. Es gilt, mit den traditionell gepflegten Karlslegenden aufzuräumen und mit einer Figur, die nicht als Vorbild taugt.

Der Autor:

Rolf Bergmeier, Studium der Philosophie und Alten Geschichte an der Gutenberg-Universität Mainz. Magisterarbeit zum „Bestand und Verfall der antiken Literatur“. Seither Forschung und literarische Tätigkeit mit Schwerpunkt „Interdependenzen der spätantiken, christlichen und arabischen Kultur im frühen Mittelalter“. Seit 2010 mehrere Monografien zur antiken Kultur, zur Entwicklung des Christentums in der Spätantike und zu den Ursachen des weitgehenden Untergangs der antiken Kultur.