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Aktuelles


Auch Ingelheim war dereinst Oberhof, bei dem viele Untergerichte "malpflichtig" waren.

Die noch bis zum 28.Oktober 2012 laufende Ausstellung im Museum der Kaiserpfalz Ingelheim

Schlichten und Richten – Facetten der Ingelheimer Rechtsgeschichte von Karl dem Großen bis Napoleon

greift eine alte rechtsgeschichtliche Forschung unseres Gründungsmitgliedes und Vorsitzenden (1885 – 1907) Prof. Dr. jur. Hugo Loersch wieder auf:

Loersch, Hugo, Der Ingelheimer Oberhof, Bonn 1885

Zu verweisen ist in diesem Zusammenhang auf Loerschs erste große Edition von mittelalterlichen Rechtsquellen:

Loersch, Hugo, Achener (sic!) Rechtsdenkmäler …, Bonn 1871

Die geringe Zahl von erhaltenen Quellen – vor allem wegen des Großen Stadtbrandes von 1656  – erschwerte die Untersuchung der Aachener Rechtsgeschichte erheblich. Die Lücken wollte Loersch durch rechtsvergleichende Studien in Ingelheim ausgleichen. Ingelheim war wie Aachen eine der karolingischen Hauptpfalzen, an der sich aus dem ehemals kaiserlichen Gericht ebenfalls ein Oberhof entwickelt hat.

Loersch fand auf dem Speicher des Oberingelheimer Rathauses 35 Bände, davon waren „nur“ zwei Bände Protokollbücher des Ingelheimer Oberhofes und die übrigen Protokolle der Untergerichte des Ingelheimer Reiches. Einen weiteren Band konnte er aus dem Nachlaß von Eduard Böcking erwerben. Das Compendium enthielt auf knapp 1200 Seiten ca. 3000 Urteile. Für seine Edition übernahm Loersch 426 Urteile und 37 weitere Dokumente.

Von den drei Oberhofbänden sind die beiden von Ingelheim in das Hauptstaatsarchiv Darmstadt gelangten Bände mit den Beständen dieses Archivs im II. Weltkrieg verbrannt. Der Verbleib des von Loersch erworbenen Exemplars ist ungeklärt.

(s. zu Vorstehendem: Werner Marzi, Die Ingelheimer Gerichte und ihre Bücher, in: Franz. J. Felten, Harald Müller, Regina Schäfer (Hrsg.), Die Ingelheimer Haderbücher. Mittelalterliches Prozessschriftgut und seine Auswertungsmöglichkeiten, BIG 50 (2010), S. 22 f.)Heute werden im Stadtarchiv Ingelheim 19 spätmittelalterliche, „Haderbücher“ genannte Quellen und 6 Fragmente aufbewahrt. Dabei handelt es sich um die frühesten seriell erhaltenen gerichtlichen Textzeugnisse, die die Prozessführung eines weltlich-deutschrechtlichen Niedergerichtes über einen längeren Zeitraum (1387 und 1534) hinweg schriftlich protokollierten. Sie geben einen Einblick in die niedere Gerichtsbarkeit und in den Alltag der Menschen des „Ingelheimer Reiches“, einem Gebiet das aus der ehemaligen Kaiserpfalz hervorging.

Die Edition dieser mittelalterlichen Zeugnisse ist auf insgesamt 5 Bände angelegt – der erste Band:

Marzi, Werner (Hrsg.) Neuerscheinung ‚Ingelheimer Haderbücher – Das Oberingelheimer Haderbuch 1476-1484 (Band 1), Mainz 2012 (über 1000 Seiten!)

Das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz hat dazu einen Beitrag von Leonie Kallmann (MA) ins Netz gestellt:

hier

Die Ausstellung wirft am Beispiel konkreter Fälle einen Blick auf die Ingelheimer Rechtsgeschichte und deren Entwicklung von den mittelalterlichen Gewohnheits- und Stammesrechten bis zur Einführung des Code Napoléon. Im Mittelpunkt der Präsentation stehen die Ingelheimer Haderbücher, die Protokollbücher der Ortsgerichte, als wichtigste Schriftquellen für die Zeit des Spätmittelalters. Begleitend zur Ausstellung sind in den Ingelheimer Stadtteilen ehemalige Stätten der Gerichtsbarkeit durch Stelen gekennzeichnet.